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Kampf um Kobane
Geheimdienste sollen stärker zusammenarbeiten

Der dramatische Kampf um Kobane
Der dramatische Kampf um Kobane FOTO: afp, am/MM
Washington/Kobane. Die USA und Russland wollen im Kampf gegen die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) künftig enger kooperieren. Die IS-Extremisten setzten derweil ihren Vormarsch auf die syrische Grenzstadt Kobane und in der irakischen Provinz Al-Anbar fort, stießen aber auf zunehmenden Widerstand.

Beide Seiten hätten vereinbart, ihre Geheimdienst-Kooperation zu verstärken, sagte US-Außenminister John Kerry nach einem Treffen mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow am Dienstag in Paris. 

Kerry betonte, es werde geprüft, ob Russland mehr im Kampf gegen den IS tun könne. Lawrow habe seine Bereitschaft erkennen lassen, mit Waffen oder möglicherweise bei der Ausbildung zu helfen. Die USA selbst hatten zunächst im Irak Luftangriffe gegen die IS-Islamisten gestartet und diese später auf Syrien ausgeweitet. Andere Staaten, die sich an der internationalen Koalition gegen die Extremisten beteiligen, fliegen ebenfalls Luftangriffe, liefern wie Deutschland Waffen oder beteiligen sich an der Ausbildung von Kämpfern gegen den IS.

US-Präsident Barack Obama sagte den Kurden in Syrien weitere Luftunterstützung in Kobane zu. Die USA seien "zutiefst besorgt" angesichts der Lage in der Stadt an der türkischen Grenze, sagte Obama am Dienstag nach einem Treffen mit ranghohen Militärvertretern der internationalen Allianz gegen die Dschihadisten. Zugleich nannte er auch die westirakische Provinz Al-Anbar als Schwerpunkt für den Einsatz.

IS-Flaggen wehen über dem Stadtrand von Kobane FOTO: afp, am/tlr

Die Militärvertreter der internationalen Koalition seien sich einig gewesen, "dass das eine langfristige Kampagne sein wird", sagte Obama. Das internationale Bündnis sei aber "vereint" in dem Ziel, die IS-Miliz zu zerstören. Insgesamt würden 60 Länder die Bemühungen unterstützen.

Gemeinsam mit internationalen Partnern greifen die USA IS-Stellungen aus der Luft an. Am Boden setzt Obama dagegen auf irakische Regierungstruppen, kurdische Kämpfer und moderate syrische Rebellen. Einen US-Bodeneinsatz schloss er aus. In einer Umfrage der US-Medien NBC News und "Wall Street Journal" vom Mittwoch sprachen sich derweil 41 Prozent der US-Bürger für einen Einsatz von Bodentruppen aus, im September waren es noch 34 Prozent.

Trotz der Luftangriffe konnten die Dschihadisten ihren Vormarsch bislang fortsetzen. Das US-Verteidigungsministerium räumte am Dienstag ein, dass sich IS-Einheiten in Al-Anbar ungehindert bewegen könnten. Am Mittwoch konnte die irakische Armee nach eigenen Angaben jedoch mit Hilfe von Stammeskämpfern einen IS-Angriff auf die Provinzhauptstadt Ramadi abwehren. Verstärkung erhielt die Armee auch in der Stadt Amrijat al-Falludscha. Der örtliche Polizeichef hatte am Dienstag gesagt, IS-Kämpfer bedrängten die Stadt von drei Seiten. Amrijat al-Falludscha liegt nur 35 Kilometer von der Hauptstadt Bagdad entfernt.

Überfüllte Flüchtlingslager in der Türkei: So leben Flüchtlingskinder in Suruc FOTO: afp, am/AMD

In Kobane konzentrierten sich die Kämpfe am Mittwoch auf den Osten der Stadt. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, die Kurden hätten durch die Luftunterstützung zwei Stellungen im Norden der Stadt zurückerobern können. Ein AFP-Reporter auf der türkischen Seite der Grenze berichtete von mindestens vier neuen US-Luftangriffen. Kampfflugzeuge der USA und Saudi-Arabiens hatten am Montag und Dienstag 21 Luftangriffe geflogen. Mit der Angriffswelle sei der IS-Vormarsch offenbar verlangsamt worden, teilte das US-Militärkommando Centcom mit.

Der IS ist vor allem für seine Gräueltaten an Andersgläubigen berüchtigt. Kerry verurteilte am Dienstag die Versklavung von Angehörigen der Volksgruppe der Jesiden durch den IS als "abscheulich". Der IS vertrete nicht den Islam, betonte Kerry. Der IS hatte zuvor in einem Propaganda-Blatt erklärt, gefangene Frauen und Kinder aus der Minderheit der Jesiden versklavt zu haben.

Auf das Konto des IS gehen auch zahlreiche Selbstmordanschläge. Wie der "Tagesspiegel" am Mittwoch unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete, waren unter den Selbstmordattentätern in Syrien und im Irak bereits mindestens acht Deutsche, die sich für den IS in die Luft gesprengt hätten.

(AFP)
 
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