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Völkermord-Streit
EU-Parlament fordert Versöhnung der Türkei mit Armenien

Erdogan besucht Ruhani in Teheran
Erdogan besucht Ruhani in Teheran FOTO: dpa, at moa
Brüssel/Ankara. Das Europäische Parlament hat die Türkei erneut aufgefordert, die Gräueltaten an den Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord anzuerkennen. Der 100. Jahrestag der damals begangenen Verbrechen sei eine bedeutende Gelegenheit, die Vergangenheit aufzuarbeiten, heißt es in einer am Mittwochabend in Brüssel verabschiedeten Erklärung.

Unter anderem soll die türkische Regierung ungehinderten Zugang zu Archiven ermöglichen. Ziel müsse eine wirkliche Aussöhnung zwischen dem türkischen und dem armenischen Volk sein.

Erdogan lehnte die erwartete Forderung im Vorhinein ab

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte die Meinung des Parlaments bereits im Vorfeld als irrelevant abgetan. "Welche Entscheidung es auch trifft, sie wird zum einem Ohr rein- und zum anderen rausgehen", sagte er nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu. "Für die Türkei ist es niemals möglich, eine solche Sünde, eine solche Schuld anzuerkennen."

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzender der Sozialdemokraten im Europaparlament, Knut Fleckenstein, kommentierte, die Aufarbeitung der eigenen Geschichte sei eine Grundlage für eine respektvolle und vertrauenswürdige internationale Zusammenarbeit. "Dabei geht es nicht um Schuldzuweisungen an die heutige politische Führung, sehr wohl aber um die Übernahme von Verantwortung."

Am vergangenen Sonntag hatte auch Papst Franziskus vom "ersten Völkermord im 20. Jahrhundert" gesprochen. Erdogan warnte ihn daraufhin davor, einen solchen "Unsinn" zu wiederholen.

Ende April findet der 100. Gedenktag der Gräueltaten statt

Die Türkei lehnt es als Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reiches strikt ab, von Genozid zu sprechen. Den Gräueltaten waren nach armenischen Angaben 1,5 Millionen Menschen zum Opfer gefallen. Die Türkei geht von deutlich weniger Toten aus. Armenier gedenken am 24. April der Massaker an ihrem Volk vor 100 Jahren.

Das Europäische Parlament war 1987 nach eigenen Angaben die erste größere internationale Organisation, die die Ereignisse im Jahr 1915 als Völkermord bezeichnet hat. In der am Mittwochabend mit eindeutiger Mehrheit verabschiedeten Erklärung heißen es die Abgeordneten ausdrücklich gut, dass diesem Kurs nun auch der Papst folge. Er habe sich im Geiste des Friedens und der Versöhnung geäußert, heißt es dort.

(dpa)
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