Er kaut im TV auf seiner Krawatte herum: Georgiens Präsident mit den Nerven am Ende
zuletzt aktualisiert: 19.08.2008 - 08:36Tiflis/Moskau (RP/RPO). Der Druck des Kaukasus-Krieges hinterlässt Spuren: Bei einer TV-Ansprache entlädt sich die Anspannung des georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili. Während eines Telefonats nestelte er nervös an seiner Krawatte, nimmt sie sogar in den Mund. Die Kamera nimmt alles auf. Nur wenig später tauchen die Szenen im Internet auf.
Es geschieht kurz nach der Ansprache, die das Fernsehen überträgt. Das Staatsoberhaupt schaut nervös um sich. Mit rechts presst er sich einen Telefonhörer ans Ohr. Die unruhige Linke sucht Halt an der Krawatte. Während er das Kleidungsstück Richtung Mund führt, schaut er zur Seite, dann kurz in die Kamera. Der georgische Präsident war zu dem Zeitpunkt der Aufnahmen mit den Nerven am Ende.
Die Aufnahmen sorgen erst verspätet für Wirbel. Weite Verbreitung finden sie über die BBC, die sie im Rahmen eines zusammenfassenden Beitrages über die Kaukasus-Krise zeigt. Im Off ertönt dazu der Kommentar: „Hat Saakaschwili sich übernommen?“ Im Anschluss zeigt der britische Sender, wie der Präsident mit leicht orientierungslosem Blick in einer Menschengruppe eine Treppe heruntersteigt. Er wirkt gehetzt. Seine Frisur ist durcheinander.
Die Bilder stoßen im Internet auf riesige Resonanz. Mehrere Versionen des Clips sind dort zu finden. Russische User weiden sich an den Szenen. Der georgische Präsident gilt eigentlich als ausgebuffter PR-Profi. Im Krieg ist davon nicht mehr viel zu spüren. Die Nerven liegen blank.
Es ist die Fortsetzung des Propagandakrieges auf youtube. Schon zuvor kursierten Aufnahmen, die zeigen wie Saakaschwili eilig Schutz sucht, als vermeintlich russische Flugzeuge am Himmel auftauchen. Russische User machen sich lustig darüber. Eines der verwackelten Filmchen ist unter dem Betreff „Saakaschwili rennt in Panik“ eingestellt. Ein Smiley 1 :-) ziert die Zeile am Ende. Ein anderes heißt „Saakaschwili rennt wie ein Feigling“
Schon mehrfach hatte der sich in den Tagen des Krieges angeschlagen gezeigt. Interviews brach der Präsident mittendrin ab, weil eine nächste Krisensitzung drängte. Der Krieg verlangt ihm alles ab. Inzwischen hat sich die Lage ein wenig beruhigt, wenngleich Saakaschwili politisch ums Überleben kämpft. Beim Treffen mit Angela Merkel wirkte der georgische Präsident wieder ruhig und sortiert. Die Strapazen sind seinem Gesicht jedoch deutlich anzusehen.
Unsere Fotostrecke dokumentiert die wichtigsten Szenen.
Aktuell wird die Kaukasus-Krise von den Fragen über die Zukunft Georgiens bestimmt. Ob die russischen Truppen das Kernland Georgiens wie zugesagt verlassen, bleibt weiterhin unklar. US-Außenministerin Condoleezza Rice beschuldigte den russischen Präsidenten Dmitri Medwedew des Wortbruchs. Er habe die in der vorigen Woche gegebene Zusage, die Truppen abzuziehen, nicht eingehalten. Die Nato-Außenminister beraten heute in Brüssel.
Alle Infos zum Krieg am Kaukasus finden Sie in unserem Special.
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