Düsseldorf (rpo). Bis zu 3,9 Millionen Menschen starben Schätzungen zufolge am Bürgerkrieg im Kongo und seinen Folgen. In dem Konflikt, in den mehrere Staaten verwickelt sind, geht es um Macht und den Zugang zu wertvollen Ressourcen. Während die Konfliktpartien streiten und die Welt bisher untätig bleibt, sterben täglich mehr als 1000 Menschen.
Die Uno hat derzeit mehr als 16.000 Blauhelm-Soldaten vorwiegend im Osten des Kongos stationiert. Die Vereinten Nationen hatten bereits am 27. Dezember 2005 die Europäische Union gebeten, einen europäischen Truppenverband nach Kinshasa zu schicken.
1.500 Soldaten sollen in der Hauptstadt des zentralafrikanischen Staats dafür sorgen, dass die ersten freien Wahlen seit mehr als vier Jahrzehnten und nach einem Bürgerkrieg mit geschätzten drei Millionen Toten friedlich verlaufen.
Die bis 1997 als Zaire bekannte Demokratische Republik Kongo wurde 1960 von ihrer ehemaligen Kolonialmacht Belgien in die Unabhängigkeit entlassen. Das 2,34 Millionen Quadratkilometer große Land liegt in Zentralafrika mit Grenzen zu Angola, Burundi, der Zentralafrikanischen Republik, der Republik Kongo, Ruanda, Sudan, Tansania, Uganda und Sambia. Der größte Teil der Bevölkerung lebt in der Hauptstadt Kinshasa.
In dem Vielvölkerstaat Kongo leben nach UN-Schätzungen vom vergangenen Jahr 57,5 Millionen Menschen, die mehr als 300 ethnischen Gruppen zugehörig sind. Ungefähr 95 Prozent der Bevölkerung sind Christen, zwei Prozent Muslime, andere sind Anhänger diverser Sekten oder einheimischer Glaubensüberlieferungen. Offizielle Landessprache ist Französisch, vorwiegend werden aber afrikanische Sprachen gesprochen.
Das drittgrößte Land Afrikas, nach Sudan und Algerien, ist reich an Bodenschätzen wie Kupfer und Diamanten. Ihr Abbau wird jedoch durch die schlechte Infrastruktur erheblich erschwert. Auch diverse Bürgerkriege und ethnische Auseinandersetzungen werfen das Land immer wieder zurück. Gehandelt wird mit Kaffee, Kakao, Gummi, Palmöl und Tee.
Diktator Sese Seko Mobutu brachte die zairische Wirtschaft, die sich seit Beginn der 80er Jahre in einer anhaltend tiefen Krise befand, durch seine skrupellose, persönliche Bereicherung zum Zusammenbruch. Die großzügige westliche Entwicklungshilfe transferierte er in die Schweiz, während ein Drittel der Bevölkerung weit unter der Armutsgrenze lebte.
Im Mai 1997 floh Mobutu (Foto) vor Aufständischen nach Marokko, wo er im September desselben Jahres starb. Laurent-Desire Kabila übernahm nach dem Sturz Mobutus die Macht. Kabila ernannte sich selbst zum Staatschef, versprach, mit seiner Übergangsregierung demokratische Reformen einzuleiten und gab sich per Dekret fast uneingeschränkte Regierungsvollmacht. Das Land kam aber nicht zur Ruhe.
Im August 1998 begann erneut ein Bürgerkrieg. Die Armee von Laurent Kabila (Foto) wurde von Einheiten aus Angola, Sudan, Simbabwe, dem Tschad und Namibia unterstützt. Tutsi-Milizen kämpften mit Unterstützung regulärer Truppen aus Ruanda und Uganda gegen Kabila. Diverse Waffenstillstandsabkommen wurden nicht eingehalten.
Am 16. Januar 2001 wurde Präsident Kabila ermordet.
Nachfolger wurde sein Sohn Joseph Kabila. Er schloss am 17. Dezember 2002 und am 2. April 2003 Friedens- und Machtteilungsabkommen mit den maßgeblichen Kriegsparteien und gesellschaftlichen Gruppen. Am 7. April 2003 wurde Kabila als Übergangspräsident vereidigt. Die wiederholt verschobene reguläre Präsidentenwahl, die erste Wahl im Kongo seit Jahrzehnten, wurden im Februar auf den 18. Juni festgelegt.
Diese Wahl soll auf Wunsch der Vereinten Nationen von einer Eingreiftruppe der Europäischen Union gesichert werden.
Staatschef Joseph Kabila zur Seite stehen inzwischen vier Vizepräsidenten, darunter auch ehemalige Rebellenführer. Im Parlament sitzen mehrere politische Gruppierungen aller Richtungen. Die alten Rivalitäten aber sind noch längst nicht überwunden, die Aufteilung von Macht, Posten und der Kontrolle über die Rohstoffe des Landes gestaltet sich weiter schwierig.
Nach fünf Jahren Bürgerkrieg, dessen Kämpfe und Folgen schätzungsweise vier Millionen Menschen das Leben gekostet haben, ist die Aussöhnung ein langer Prozess.
Noch immer sterben in dem kriegszerstörten Land täglich mehr als 1.000 Menschen an Krankheiten und Mangelernährung. Eine politische Stabilisierung und der Wiederaufbau sind überlebenswichtig.
UN-Generalsekretär Kofi Annan, der am 21. März 2006 den Kongo besuchte, hat die Bereitschaft der Bundesregierung begrüßt, das Kommando über den EU-Einsatz zu übernehmen.