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Gewalteskalation in Myanmar
18.000 Rohingya fliehen nach Bangladesch

Gewalteskalation in Myanmar - 18.000 Rohingya fliehen nach Bangladesch
Tausende Angehörige der muslimischen Minderheit der Rohingya fliehen nach jüngsten Gewaltausbrüchen aus Myanmar nach Bangladesch. FOTO: ap, TZ
Cox's Bazar. Nach jüngsten Gewalteskalationen im Westen Myanmars sind rund 18.000 Angehörige der muslimischen Minderheit der Rohingya in den Nachbarstaat Bangladesch geflohen. Seit Freitag wurden bei den Gefechten zwischen Rohingya-Rebellen und Sicherheitskräften mehr als 110 Menschen getötet. 

Die Internationale Organisation für Migration erklärte am Mittwoch, Hunderte Flüchtlinge säßen im Niemandsland im Grenzgebiet beider Länder fest. Die Regierung in Bangladesch hält die Mitglieder der Rohingya-Minderheit von der Einreise ab, während die Vereinten Nationen das Land zur Grenzöffnung drängen.

Ein AFP-Reporter berichtete, Grenzschützer in Bangladesch würden mehrmals am Tag diejenigen Mitglieder der unterdrückten Minderheit zurückfahren, denen die Einreise gelungen sei. Bangladesch hat bereits mehr als 400.000 Rohingya aufgenommen, die seit Beginn der 90er Jahre aus Myanmar, dem früheren Birma, geflohen sind. Sie leben in Camps an der Grenze unter elenden Bedingungen. Daher hatte die Regierung in Dhaka die Grenzbehörde angewiesen, unter keinen Umständen weitere Rohingya ins Land zu lassen.

Menschrechtsorganisationen werfen Militär Vergeltung vor 

Menschenrechtsorganisationen werfen dem Militär in Myanmar vor, für frühere Angriffe der Rohingya grausame Vergeltung zu üben. Aufständische Rohingya griffen im Oktober Sicherheitskräfte an, das Militär reagierte mit einer Großoffensive. Seither kommt es immer wieder zu Kämpfen im Bundesstaat Rakhine, die den Exodus der Muslime verschärfen. Laut Menschenrechtsorganisationen würden ganze Dörfer niedergebrannt und Zivilisten erschossen.

Die Regierung von Myanmar hingegen macht Aufständische unter den Rohingya für die Gewalt verantwortlich. Demnach sei die Gewalt in Myanmars westlichem Bundesstaat Rakhine eskaliert, nachdem Rohingya-Rebellen Polizei- und Armeeposten im Norden der Provinz angegriffen hatten. Dabei und beim Gegenschlag der Sicherheitskräfte kamen mindestens 71 Menschen ums Leben, die meisten von ihnen Rohingya. Bei anschließenden Gewaltausbrüchen sollen mindestens zwei Dutzend weitere Menschen ums Leben gekommen sein.

Zugleich brachte die Regierung Tausende Buddhisten aus Rakhine in Sicherheit. 

Friedensnobelpreisträgerin unter Druck

Der Konflikt und der Umgang mit den rund 1,1 Millionen Rohingya werden zunehmend zur Belastung für Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi und ihre Regierung. Die Vereinten Nationen (UN) verurteilten die Angriffe der Aufständischen, forderten aber zugleich die Regierung auf, das Leben aller Zivilisten zu schützen und gegen Diskriminierung vorzugehen. An Bangladesch appellierten die UN, die Flüchtlinge ins Land zu lassen.

Stattdessen schlug Bangladesch Myanmar am Montag ein gemeinsames militärisches Vorgehen gegen die muslimische Rebellen vor. Ein ranghoher Mitarbeiter des Außenministeriums in Dhaka hatte gesagt, wenn Myanmar es wünsche, könnten die Sicherheitskräfte beider Staaten die Aufständischen an der gemeinsamen Grenze bekämpfen. 

 

(beaw/ap/AFP/rtr/dpa)
 
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