US-Präsident in Moskau: Gipfel der Großen: Obama trifft Putin
VON FRANK HERRMANN - zuletzt aktualisiert: 05.07.2009 - 22:07Washington (RP). US-Präsident Barack Obama hofft bei seinem schwierigen Besuch in der russischen Hauptstadt auf Zustimmung, den russischen Luftraum für den Militär-Nachschub nach Afghanistan nutzen zu können.
Wahrscheinlich ist Barack Obama noch immer sauer auf den schlechten Russisch-Dolmetscher, der sein Schlüsselwort falsch übersetzt hat. Im Englischen heißt es „Reset”, was Neustart bedeutet und in der Diktion des technikbegeisterten US-Präsidenten an einen festgefahrenen Computer denken lassen soll, den man wieder zum Laufen bringen möchte.
Die russische Vokabel dafür ist „Peresagruska”. Groß sollte sie auf dem symbolischen roten Knopf stehen, den Obamas Außenministerin Hillary Clinton neulich ihrem Kollegen Sergej Lawrow überreichte. Versehentlich hatte jemand „Peregruska” (Überlastung) eingraviert ob aus Schludrigkeit oder Unkenntnis oder wegen eines Freudschen Reflexes, wurde bisher nicht geklärt.
Gut möglich, dass Obama den roten Knopf ein zweites Mal schenkt, diesmal mit korrekter Inschrift. Denn alles, was er mit Blick auf Russland tut, will er als Neustart verstanden wissen. Von Putin verlangt er, sich von der Mentalität des Kalten Krieges zu verabschieden. Diese Forderung kam indes beim russischen Ministerpräsidenten nicht gut an.
Weiterreise zum G-8-Gipfel
Am Montag landet Obama zu seinem ersten Besuch in Moskau. Am Mittwoch reist er wieder ab, um am G-8-Gipfel in Italien teilzunehmen. Zwei Tage an einem Ort das ist selten bei einem Effizienzfanatiker, dessen Markenzeichen die Blitzvisite ist. Ein Reizthema bei Obamas Gesprächen ist die Raketenabwehr, mit geplanten Anlagen in Tschechien und Polen.
Obama lässt Bushs Projekt überprüfen, vom Tisch ist es freilich (noch) nicht. Die neueste Idee ist, russische Radaranlagen in das Frühwarnsystem einzubeziehen, das sich nicht gegen Moskau richtet, sondern iranische Raketen abfangen soll, wie Amerikas Verteidigungsministerium immer wieder betont.
Ähnlich umstritten ist, ob die Ukraine und Georgien der Nato beitreten sollen. „Die Tür bleibt offen”, betont Michael McFaul, der Russland-Berater des US-Präsidenten. Noch im Juli soll Joe Biden, Obamas Vize, nach Kiew und Tbilissi reisen. Er soll den Vorwurf entkräften, Washington lasse die kleineren Nachbarn des Riesenlandes im Stich. Schließlich Afghanistan.
Fieberhaft bastelt das Weiße Haus an einem Deal: US-Transportmaschinen sollen durch russischen Luftraum fliegen dürfen, um der Truppe am Hindukusch Nachschub zu bringen. Von zwölf Flugzeugen pro Tag ist die Rede.
Obenan auf der Geschäftsordnung aber steht die atomare Abrüstung. Verhandelt wird über einen Nachfolger des 1991 unterzeichneten START-I-Vertrags, der im Dezember ausläuft. Die Amerikaner möchten die nuklearen Sprengköpfe auf weniger als 1500 Stück pro Land reduzieren. Schätzungen zufolge besitzen die Vereinigten Staaten rund 2200 einsatzfähige Sprengköpfe, Russland etwa 2790.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum