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Proteste gegen US-Regierung und indisches Kastensystem: Globalisierungskritiker treffen sich in Bombay

zuletzt aktualisiert: 16.01.2004 - 14:47

Bombay (rpo). In der indischen Millionenstadt Bombay hat am Freitag das vierte sechstägige Weltsozialforum mit einem Friedenskonzert der pakistanischen Rockband Junoon begonnen.

Zur Eröffnungskonferenz wurden unter anderem die iranische Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi und der ehemalige algerische Präsident Ahmed Ben Bella erwartet. Wenige Stunden vor Beginn des Forums lief ein japanisches "Friedensboot" mit rund siebenhundert Kriegsgegnern in der westindischen Metropole ein. Den Veranstaltern zufolge meldeten sich 98.000 Teilnehmer aus rund 130 Ländern für die Tagung an.

Unmittelbar vor der Eröffnung zogen mehr als 1500 Angehörige der untersten indischen Kaste tanzend und singend in das Forum ein. "Die Versammlung ist nur der Anfang unserer Umgestaltung", sagte der Leiter der Nationalen Kampagne für die Menschenrechte der Dalits, Paul Divakar. "In der Gemeinschaft herrscht Wut über die Erniedrigungen, die wir erlitten haben." Viele Dalits trugen gelbe Stirnbänder mit der Aufschrift "Dalits machen eine andere Welt möglich".

Das indische Kastensystem unterscheidet die Bevölkerung in vier große Gruppen. Unterhalb der vierten und niedersten Kaste gibt es noch eine weitere Gruppe, die im Grunde überhaupt kein Ansehen genießt. Früher wurden die Angehörigen dieser Gruppe "Unberührbare" genannt; jetzt heißen sie "Dalits" (etwa: "in Stücke gebrochen"). Der US-Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zufolge werden Jahr für Jahr 100.000 Verbrechen gegen die Kaste verübt.

Der französische Bauernführer José Bové fand sich an einem "Solidaritätszelt" für die Dalits ein und wurde von Anhängern umringt. "Wir sind machtlos", sagte der bekannte Globalisierungskritiker. "Aber wir sind hier, um unsere Solidarität auszudrücken und unsere Betroffenheit zu zeigen."

Der Protest der Teilnehmer richtete sich auch gegen die Regierung der Vereinigten Staaten. "Stoppt die USA" und "Tötet Bush, den Feind", stand auf Spruchbändern, die Kriegsgegner vor dem Tagungsort angebracht hatten. "Wenn wir uns nicht gegen den Krieg wehren, haben wir bald den nächsten Krieg", sagte der britische Abgeordnete Jeremy Corbins.

Im Hafen der 18-Millionen-Einwohner-Stadt lief ein japanisches "Friedensboot" mit rund siebenhundert Kriegsgegnern an Bord ein. Etwa siebzig von ihnen wollten an dem Forum teilnehmen und dabei gegen die Entsendung japanischer Soldaten nach Irak protestieren. Unter ihnen war auch Akira Kawasaki, der den Atombombenabwurf auf Hiroshima 1945 überlebte. Die übrigen, überwiegend japanischen Kriegsgegner wollten ihre Schiffsreise durch Asien sowie nach Afrika und Lateinamerika nach einem Tag Aufenthalt in Bombay fortsetzen, zu der sie am 25. Dezember in Tokio in See gestochen waren.

Zusätzlich zu 78.000 bereits angemeldeten Teilnehmern schrieben sich den Veranstaltern zufolge zuletzt noch weitere 22.000 Menschen für das Forum ein. Dem indischen Organisationskomitee gehören dem globalisierungskritischen Netzwerk Attac zufolge 216 Organisationen an. Demnach waren mindestens 1200 Veranstaltungen geplant, die von 180 freiwilligen Dolmetschern in 14 Sprachen übersetzt werden sollen.

Die Teilnehmer des Sozialforums wollen über Wege zu einer gerechteren Weltordnung diskutieren. Drei Jahre nach dem ersten Treffen im brasilianischen Porto Alegre ist Bombay zum ersten Mal Gastgeber des Weltsozialforums, das 2001 als Gegenveranstaltung zum Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos gegründet worden war. Das Weltsozialforum endet am 21. Januar, wenn die Veranstaltung in Davos beginnt.


 
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