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Nachfolger von Tony Blair: Gordon Brown: Nach zehn Jahren endlich am Ziel

zuletzt aktualisiert: 24.06.2007 - 16:39

London (RPO). Nach zehn Jahren tritt Tony Blair ab - und seit zehn Jahren wartet Gordon Brown auf genau diesen Augenblick. Er wird Nachfolger Blairs, sowohl bei Labour als auch als Premierminister.

In den britischen Medien hieß es häufig, der Schatzkanzler Brown sei geradezu verzehrt vor Neid, dass ihm das Amt das Premierministers immer noch nicht zugefallen sei. Nun hat der 56-jährige Schotte sein Ziel erreicht. Mit der Wahl zum neuen Chef der Labour Party, der Mehrheitsfraktion im britischen Unterhaus, wird er nach dem Rücktritt von Tony Blair am kommenden Mittwoch automatisch auch dessen Nachfolger im höchsten Regierungsamt Großbritanniens.

Sein künftiger Amtssitz ist ihm bereits bekannt. Brown lebt schon seit geraumer Zeit in der Downing Street 10. Dafür zogen die Blairs mit ihren vier Kindern in die daneben liegende Nummer 11, weil der traditionelle Wohnsitz des Schatzkanzlers mehr Platz bietet. In den Büroräumen von Nummer 10 war allerdings Blair der Chef.

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Als Schatzkanzler hat sich Brown zweifellos Respekt verschafft. Vor allem ihm wird der Aufschwung zugeschrieben, den Großbritannien im vergangenen Jahrzehnt erlebt hat. Gleichwohl ist der wortkarge Politiker der britischen Öffentlichkeit ein Rätsel geblieben. Oft wird er als mürrisch beschrieben, für soziale Kompetenz ist er nicht bekannt. Der ehemalige Innenminister Charles Clarke nannte Brown einmal einen pedantischen "Kontrollfreak". So wird denn auch gemunkelt, dass es vor allem sein künftiger Schatzkanzler sehr schwer haben dürfte.

Andrew Turnbull, der von 1998 bis 2002 als höchster Beamter im Schatzamt tätig war, warf seinem Exchef vor, Untergebene häufig geringschätzig zu behandeln. Ferner nannte er Brown einen "rücksichtslosen Stalinisten". Wann die britische Öffentlichkeit ein klares Bild von ihrem neuen Premierminister erhält, ist offen. "Ich glaube nicht, dass wir bis zur Parlamentswahl den wahren Brown sehen werden", sagt Anthony Seldon, Biograf von Brown und Blair. Diese Wahl wird nicht vor 2009 erwartet. Dann kommt es zum Machtkampf zwischen dem eher farblosen Intellektuellen Brown und David Cameron, dem jugendlich frisch wirkenden Chef der Konservativen, der mit dem charismatischen Blair früherer Zeiten verglichen wird.

Vor allem in der Außenpolitik hat sich Brown bislang bedeckt gehalten. Man weiß lediglich, dass er gute Kontakte zu den Demokraten in den USA unterhält. Analysten glauben allerdings nicht, dass er den Wunsch der Labour-Linken nach einem baldigen Abzug Großbritanniens aus dem Irak erfüllen wird. Vielmehr wird erwartet, dass er die engen Beziehungen zu US-Präsident George W. Bush vorerst beibehält und keine radikalen Änderungen vornimmt. Der umstrittenen Irak-Invasion im März 2003 hat Brown zugestimmt und Blair damit wichtige Rückendeckung gegeben.

Der in Glasgow geborene Pfarrerssohn kam schon sehr früh zur Politik, bereits mit zwölf Jahren warb er um Stimmen für Labour. Er studierte Geschichte an der Universität Edinburgh, seine Doktorarbeit befasste sich mit den Verbindungen zwischen der Labour Party und den schottischen Gewerkschaften. Wie Blair wurde auch Brown 1983 erstmals ins Londoner Unterhaus gewählt. Es war der Anfang einer langen und häufig bitteren Rivalität.

Als der Labour-Vorsitzende John Smith 1994 einem Herzanfall erlag, galten beide als Anwärter auf dessen Nachfolge. Es wird erzählt, dass sie in einem Londoner Lokal folgenden Deal schlossen: Blair solle Parteichef und damit nach einem Labour-Wahlsieg Premierminister werden und Brown Schatzkanzler. Blair hätte dann nach der Hälfte seiner zweiten Amtszeit zu Gunsten von Brown zurücktreten sollen. Blair blieb jedoch bis zur Mitte seiner dritten Amtszeit Regierungschef, und Brown erschien deswegen zunehmend verbittert.

Meinungsverschiedenheiten gab es auch in der Wirtschaftspolitik. Zum Beispiel stand Blair einer Einführung des Euros in Großbritannien aufgeschlossen gegenüber, Brown verhinderte das jedoch. Der Schatzkanzler, der nach wie vor als Euroskeptiker gilt, ließ nachweisen, dass die britische Wirtschaft unter dem Euro leiden würde. Ökonomisch bedeutend war die Entscheidung Browns, die Unabhängigkeit der Bank von England zu forcieren. Dies trug Beobachtern zufolge maßgeblich zum Wirtschaftsboom während seiner Amtszeit bei.

Brown sagte einmal über sein Verhältnis zu Blair: "Ich glaube, die Leute werden auf diese politische Partnerschaft und die Beziehung zwischen mir und dem Premierminister zurückblicken und sagen: Sie ist völlig einzigartig, es gab einen Schatzkanzler und einen Premierminister, die zusammen gearbeitet haben.'" Die Medien hoben indessen immer häufiger die ideologischen Differenzen zwischen den beiden Spitzenpolitikern hervor.

Brown stellte beispielsweise klar, dass seine Kinder eine öffentliche Schule besuchen würden. Blairs Kinder gingen indessen auf teure katholische Privatschulen. Auch das Verhältnis zwischen Brown und Blairs Frau Cherie war angespannt. Berichten zufolge nannte sie Brown einen Lügner, als er auf einem Labour-Parteitag betonte, wie gerne er mit Blair zusammenarbeite. Cherie Blair hat dies allerdings bestritten.

Quelle: ap

 
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