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Anschlag in Pakistan: Gouverneur vom Leibwächter erschossen

zuletzt aktualisiert: 04.01.2011 - 19:39

Islamabad (RPO). Bei einem Anschlag in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad ist am Dienstag der Gouverneur der Provinz Punjab von seinem eigenen Leibwächter erschossen worden.

Gouverneur Salman Taseer ist das prominenteste Opfer eines Anschlags in Pakistan seit dem Attentat auf die damalige Ministerpräsidentin Benazir Bhutto im Dezember 2007. Hintergrund des Anschlags ist offenkundig seine Kritik an den umstrittenen Blasphemiegesetzen Pakistans, die zu Todesurteilen gegen Christen geführt haben und von radikalen Muslimen erbittert verteidigt werden.

Der festgenommene mutmaßliche Attentäter sagte der Polizei, er habe Taseer getötet, weil "der Gouverneur die Blasphemiegesetze als schwarze Gesetze beschrieben hat", wie Innenminister Rahman Malik anschließend berichtete.

Taseer war ein führendes Mitglied der regierenden Volkspartei und galt als enger Vertrauter von Präsident Asif Ali Zardari, dem Witwer Bhuttos. "Er war die mutigste Stimme seit Benazir Bhutto für die Rechte von Frauen und religiösen Minderheiten", sagte Farahnaz Isphahani, eine Mitarbeiterin des Präsidenten und Freundin des Toten. "Oh Gott, wir werden ihn vermissen."

Laut Polizei wurde Taseer von einem Mitglied seiner handverlesenen Leibwächtertruppe niedergeschossen, nachdem er das luxuriöse Einkaufszentrum Khosar Market erreicht hatte. Augenzeugen berichteten, die Schüsse seien gefallen, als der Gouverneur aus dem Auto gestiegen sei. Taseer sei zusammengebrochen, und Polizisten hätten das Feuer auf den Attentäter eröffnet. Der Verdächtige wurde festgenommen. Ob er verwundet wurde, war zunächst unklar. Andere Leibwächter wurden vernommen.

Todesurteile gegen Christen

Das seit 1980 geltende Blasphemiegesetz steht in Verruf, religiöse Minderheiten zu unterdrücken und den islamischen Extremismus zu befeuern. Auf Grundlage des Gesetzes wurde im vergangenen Jahr beispielsweise die Christin Asia Bibi zum Tode verurteilt. Die fünffache Mutter sitzt bereits seit fast zwei Jahren hinter Gittern, weil sie Jesus über den Propheten Mohammed gestellt haben soll. Sie macht geltend, die Vorwürfe gingen auf einen persönlichen Streit mit einer Gruppe muslimischer Frauen zurück. Neben verschiedenen Menschenrechtsgruppen hat auch Papst Benedikt XVI. ihre Freilassung gefordert.

Auch Gouverneur Taseer hatte sich für die Christin eingesetzt und Ende November gesagt, er sei sich sicher, Präsident Zardari werde die Frau bald begnadigen. Er selbst werde das Gesuch vorbringen und werde ihr vergeben. Der Minister für Minderheiten, Shahbaz Bhatti, hatte in diesem Zusammenhang erklärt, eine Überprüfung der Gesetze stehe aus. Keines der wegen Blasphemie ausgesprochenen Todesurteile gegen Christen sei jemals tatsächlich vollstreckt worden.

In Pakistan mit seiner überwiegend muslimischen Bevölkerung kam es zudem immer wieder zu tödlichen Übergriffen wütender Volksmassen gegen Angehörige der christlichen Minderheit. Anlass waren beispielsweise Gerüchte, Christen hätten den Koran geschändet.

Quelle: apd/csh/dapd

 
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