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Gazastreifen: Grenzübergang nach Stürmung wieder geöffnet

zuletzt aktualisiert: 30.12.2005 - 19:41

Gaza (rpo). Aus Wut über den Tod eines Kollegen haben palästinensische Polizisten am Freitag stundenlang den Grenzübergang zwischen dem Gazastreifen und Ägypten besetzt gehalten. Am späten Nachmittag wurde der Grenzübergang wieder geöffnet.

Der Polizist war am Donnerstag erschossen worden, als eine Familie einen in seiner Wache festgehaltenen Angehörigen zu befreien versuchte. Seine Kollegen wollten mit der Besetzung der Grenze verhindern, dass die Täter nach Ägypten flüchten. Diese unternahmen am Freitag einen weiteren Versuch, ihr Familienmitglied zu befreien. Es kam zu einem Feuergefecht mit der Polizei, bei dem ein unbeteiligter 14-Jähriger tödlich getroffen wurde.

Das Gefecht vor der Polizeiwache und die Besetzung der Grenze waren weitere Hinweise auf die zunehmende Gesetzeslosigkeit im Gazastreifen. Die protestierenden Polizisten begründeten ihre Aktion damit, dass sie von ihren Vorgesetzten keine Anweisungen zum Umgang mit dem Fall erhalten hätten und die Dinge daher selbst in die Hand nehmen müssten. Die Beamten drohten zunächst, kein Mitglied der palästinensischen Regierung aus dem Gazastreifen ausreisen zu lassen, bis ihre Forderung nach einer Hinrichtung des Täters erfüllt sei. Nach drei Stunden zogen sie jedoch friedlich ab.

Die EU-Beobachter hatten sich solange auf einen israelischen Stützpunkt in der Nähe der Grenze geflüchtet. In ihrer Abwesenheit darf der Grenzübergang nach einer israelisch-palästinensischen Vereinbarung nicht betrieben werden.

Der in Israel inhaftierte Fatah-Politiker Marwan Barghuti forderte die Palästinenser auf, der Regierungspartei bei der Parlamentswahl im Januar eine neue Chance zu geben. In einer Erklärung, die am (morgigen) Samstag in palästinensischen Zeitungen veröffentlicht werden sollte, entschuldigte sich Barghuti für "die Fehler, die in den vergangenen Jahren begangen wurden". Die Bevölkerung solle aber dennoch Vertrauen zur Fatah haben, die allein die Schaffung eines demokratischen Staates garantieren könne. Die radikalislamische Hamas, die bei den Kommunalwahlen gut abgeschnitten hatte, solle ein "Partner" in einer neuen Regierung sein, erklärte Barghuti.

Der palästinensische Polizeichef Alaa Husni drohte unterdessen, gegen die Entführer von drei Briten im Gazastreifen Gewalt einzusetzen. Die Männer seien Feinde des palästinensischen Volkes und würden bald festgenommen, sagte Husni. Die Gruppe hatte am Mittwoch in Rafah die 25-jährige Kate Burton und ihre Eltern verschleppt. Forderungen gingen nach Angaben des Polizeichefs bisher nicht ein.

Quelle: ap

 
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