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Brok spricht von "Drohgebärde"
Tsipras bei Putin – Antrittsbesuch sorgt in der EU für Ärger

Alexis Tsipras zu Besuch im Kreml
Alexis Tsipras zu Besuch im Kreml FOTO: dpa, si jak
Moskau. Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras verursacht mit seinem Antrittsbesuch in Russland angesichts des Schuldenstreits mit der EU weiter Stirnrunzeln.

Der CDU-Europapolitiker Elmar Brok sagte der Zeitung "Die Welt", Tsipras' Besuch in Moskau sei eine "Drohgebärde". EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) warnte Tsipras in der "Bild"-Zeitung vor der Annahme russischer Finanzhilfen. Tsipras trifft am Mittwochmittag den russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Am frühen Nachmittag ist eine gemeinsame Pressekonferenz von Tsipras und Putin geplant. Am Donnerstag will Tsipras zudem mit dem russischen Ministerpräsidenten Dmitri Medwedew über die Zusammenarbeit in Wirtschafts- und Handelsfragen sprechen. Experten halten es für denkbar, dass Russland ein Embargo auf griechisches Obst aufhebt - es war im Rahmen eines Boykotts westlicher Waren im Zusammenhang mit den Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts verhängt worden.

Brok sagte der "Welt", Tsipras wolle mit der Annäherung an Moskau "zeigen, dass Griechenland auch anders könnte". Athen verhandelt derzeit mit seinen Gläubigern über die Auszahlung weiterer Hilfsgelder. Die EU und die Bundesregierung beobachten Tsipras' Visite wegen der schwierigen Verhandlungen aber auch wegen des Ukraine-Konflikts mit Skepsis. Dabei geht es um Befürchtungen, Athen suche Finanzhilfen außerhalb der EU.

"Tsipras kann gehen, dann aber ganz"

Brok forderte daher eine deutliche Linie der europäischen Partner: Tsipras müsse deutlich gemacht werden, dass er sich an Moskau binden könne, wenn er das wolle. Dann müsse er aber auch sagen, dass er "aus Europa raus und in eine andere Hemisphäre wechseln" wolle, sagte er der "Welt".

Schulz sagte der "Bild"-Zeitung, er wisse zwar nicht, ob Russland Griechenland finanziell unterstütze. Er könne Athen aber "nur raten, die Einigkeit der Europäer nicht aufs Spiel zu setzen".

Jüngst war auch der Streit um griechische Reparationsforderungen an Deutschland wieder entbrannt. Athen beziffert die Forderungen für die deutsche Besatzung während des Zweiten Weltkriegs auf 278,7 Milliarden Euro. Schulz wies dies zurück und sagte, die Fragen seien "politisch und rechtlich abgeschlossen".

Auch der CDU-Politiker Norbert Röttgen bezeichnete die Forderungen als "unbegründet". Er sagte der "Passauer Neuen Presse" vom Mittwoch, die Regierung dürfe dieses Thema keinesfalls mit der "Notwendigkeit vermischen, den griechischen Staatsbankrott abzuwehren". Er riet Athen vor diesem Hintergrund, mit dem "gleichen Eifer" an die Ausarbeitung des Reformprogramms zu gehen.

Streitpunkt Sanktionen

Ein weiterer Streitpunkt ist Griechenlands Haltung zu den wegen des Ukraine-Konflikts verhängten Sanktionen gegen Russland. Tsipras sagte der russischen Nachrichtenagentur Tass im Vorfeld seines Besuchs, diese seien ein "Weg ins Nirgendwo". Mit den Sanktionen stimme Griechenland nicht überein. Er vertrete vielmehr den Standpunkt, dass "Dialog und Diplomatie" nötig seien, sagte Tsipras.

Unterstützung für seinen Besuch erhielt Tsipras von dem FDP-Europapolitiker Alexander Graf Lambsdorff. Er sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Mittwoch, Tsipras sei ein "demokratisch gewählter Regierungschef, der selbstverständlich auch nach Moskau fahren darf". Den Zeitpunkt bezeichnete Lambsdorff allerdings als "äußerst unglücklich". Am Donnerstag müsse Athen dem Internationalen Währungsfonds (IWF) einen Kredit zurückzahlen und niemand wisse, ob dies gelinge.

Berater beruhigt

Unterdessen glättet der Wirtschaftsberater der griechischen Regierungspartei Syriza, Theodoros Paraskevopoulos, die Wogen: Er hält die Befürchtungen in der EU, sein Land könnte aus der Sanktionsfront gegen Russland ausscheren, für Unsinn.

Paraskevopoulos versicherte am Mittwoch im rbb-Inforadio, sein Land werde sich an die EU-Sanktionen gegen Russland halten. "Diese Sanktionen, obwohl Griechenland sie kritisch sieht, die stehen", betonte er. Mit Russland würden heute und morgen in Moskau Energiefragen diskutiert.

Die EU-Staaten hätten das Recht, ihre außenpolitischen Beziehungen eigenständig zu entwickeln, und das tue Griechenland im Moment.

Griechenland ist laut Paraskevopoulos an einer Fortführung der Gaspipeline, die Russland mit der Türkei verbindet, interessiert. Außerdem wolle man landwirtschaftliche Produkte nach Russland verkaufen und russische Investoren nach Griechenland holen. "Russland interessiert sich für Investitionen in griechische Bahnen und griechischen Häfen und darüber wird gesprochen", sagte Paraskevopoulos. Über russische Kredite für Griechenland werde nicht gesprochen.

(AFP)
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