Wegen hohen Staatsdefizits abgestraft: Griechenland ist nur noch zweite Liga
zuletzt aktualisiert: 08.12.2009 - 17:57Athen (RPO). Griechenland gerät wegen seines hohen Staatsdefizits immer mehr unter Druck. Erstmals seit zehn Jahren hat eine Rating-Agentur das Euro-Land aus der obersten Klasse der sicheren Schuldner verbannt und die Anleihen des Mittelmeeranrainers nur noch in die zweitbeste Kategorie eingestuft.
Dies verteuert nicht nur den Schuldendienst für das südeuropäische Land. Die Nachrichten schickten am Dienstag auch die griechischen Bank-Aktien auf Talfahrt und belasteten den Euro .
Die Ratingagentur Fitch stufte Griechenland am Dienstag auf BBB+ mit negativem Ausblick. Erst Ende Oktober hatte Fitch wachsenden Zweifeln an der Kreditwürdigkeit des Landes nachgegeben und das Rating auf A- gesenkt. Damals hatten die frisch an die Regierung gewählten Sozialisten neue Haushaltslöcher aufgedeckt. Die Ratingagentur Standard & Poor's kündigte am Montag an, seine Einstufung des Landes zu überprüfen. Auch bei Moody's steht Griechenland unter Beobachtung. Top-Schuldner wie die Bundesrepublik Deutschland haben mit "AAA" das beste Rating.
Weitere Herabstufung möglich
Der mittelfristige Ausblick für die Entwicklung der Staatsfinanzen mache Sorgen, begründete Fitch den Schritt. Weitere Verzögerungen bei der Sanierung des Haushalts könnten zu einer weiteren Herabstufung führen. Der Ausblick könne aber auf stabil angehoben werden, wenn die Regierung sich zu eingreifenden Maßnahmen aufraffe.
Finanzminister Giorgos Papakonstantinou kündigte einen entschlossenen Schuldenabbau an. "Wir werden alles Erforderliche tun, um das Defizit mittelfristig zu verringern", sagte er. Der Minister hatte unlängst erklärt, das Staatsdefizit werde in diesem Jahr nicht wie prognostiziert sechs Prozent betragen, sondern auf 12,7 Prozent hochschnellen. Im nächsten Jahr soll es zwar wieder auf 9,1 Prozent zurückgehen, die Obergrenze des Euro-Stabilitätspaktes liegt aber bei drei Prozent. Die Staatsverschuldung sieht Griechenland 2010 bei 121 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Die Prognosen der EU sind noch schlechter.
Die hohen Schulden führen zu einem Teufelskreis: Griechenland muss den Gläubigern seiner Staatsanleihen immer höhere Renditen zahlen, da der Risikoaufschlag im Vergleich zu deutschen Bundesanleihen, die am Finanzmarkt als Gradmesser angesehen werden, wegen der steigenden Staatsschuld immer höher wird. Am Dienstag vergrößerte sich dieser Unterschied auf 230 Basispunkte und war damit so groß wie seit dem 21. April nicht mehr.
"Die finanzielle Situation ist sehr schwierig und es ist klar, dass eine Herabstufung die Lage nicht verbessert, sagte Analyst Diego Iscaro von Global Insight. "Das Land bezahlt nun den Preis dafür, dass es seine Finanzen in Boom-Zeiten nicht in Ordnung gebracht hat."
Griechenland steht nach Ansicht von EU-Währungskommissar Joaquin Almunia vor sehr umfangreichen ökonomischen und finanzwirtschaftlichen Herausforderungen. Der griechische Haushalt vom 20. November sei daher ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung gewesen, weitere Maßnahmen müssten jedoch folgen, sagte Almunia am Dienstag. Die Regierung in Athen habe der Kommission versichert, nach einem ausgeglichenen Haushalt zu streben; und die Kommission werde die Lage in dem Mittelmeerland aufmerksam beobachten.
Die Kommission stehe bereit, Griechenland bei einer umfassenden Konsolidierung und Reformprogrammen zu unterstützen. "Eine schwierige Situation in einem Mitgliedsstaat der Euro-Zone ist für die gesamte Euro-Zone ein Grund zur Sorge", fügte Almunia hinzu.
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