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Otto Pérez Molina
Guatemalas Ex-Präsident nach Rücktritt in U-Haft

Guatemalas Ex-Präsident Guatemalas Ex-Präsident nach Rücktritt in U-Haft nach Rücktritt in U-Haft
Guatemalas ehemaliger Präsident Otto Pérez Molina sitzt in U-Haft. FOTO: dpa, gad ks
Guatemala-Stadt. Erst war es ein Korruptionsskandal, jetzt ist es eine Staatskrise: Guatemala steht nach dem Rücktritt seines Präsidenten vor einem Umbruch.

Nach seinem Rücktritt wächst der Druck der Justiz auf den bisherigen guatemaltekischen Präsidenten Otto Pérez Molina. Der 64-Jährige erschien nach einer Nacht in Untersuchungshaft am Freitag erneut wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht. Sein gerade vereidigter Nachfolger Alejandro Maldonado bereitete eine Übergangsregierung für die nächsten Monate vor und versprach ein "Vermächtnis der Ehrlichkeit". Am Sonntag wird regulär ein neuer Präsident gewählt, der aber erst am 16. Januar sein Amt antritt.

Das mittelamerikanische Land wird von einer Bestechungsaffäre um den Zoll erschüttert, die sich zu einer politischen Krise ausgewachsen hat. Unternehmen sollen den Staat gegen Schmiergelder um Millionenbeträge an Importzöllen geprellt haben. Dem Umfeld von Pérez Molina wird unterstellt, die Fäden gezogen zu haben. Dieser beteuert, nie selbst Geld bekommen zu haben. Er war zurückgetreten, nachdem das Parlament seine Immunität aufgehoben und die Staatsanwaltschaft Haftbefehl beantragt hatte.

Richter Miguel Ángel Gálvez begründete die vorläufige Haft für den ehemaligen Präsidenten damit, er müsse die "Kontinuität der Anhörung sicherstellen". Pérez Molina bestritt aber im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP Fluchtabsichten. "Ich habe nicht die leiseste Absicht, das Land zu verlassen", sagte er in einer Prozesspause am Donnerstag. Er betonte, er sei unschuldig und bereit, sich den Ermittlungen zu stellen.

Die guatemaltekische Staatsanwaltschaft wirft ihm die Bildung einer illegalen Vereinigung sowie Betrug und Annahme von Bestechungsgeld im Zusammenhang mit dem Zollbetrug vor. Die Ermittlungen drehen sich darum, ob er an dem Korruptionsring "La Línea" beteiligt war. Die UN-Kommission CICIG hatte geholfen, die Affäre aufzudecken. Es ist das erste Mal, dass ein Präsident in Guatemala zurückgetreten ist. Maldonado war zuvor Vizepräsident.

Demonstranten hatten in den vergangenen Tagen nicht nur den Rücktritt des Präsidenten gefordert, sondern auch eine Verschiebung der für Sonntag geplanten Präsidentschaftswahl. Pérez Molina hätte aber ohnehin nicht noch einmal kandidieren dürfen.

In der ersten Abstimmungsrunde am Sonntag stehen 14 Kandidaten zur Wahl, darunter ein wohlhabender Geschäftsmann, eine frühere First Lady, die Tochter eines Ex-Diktators und ein Komiker, der zuvor niemals politisch aktiv gewesen ist. Sollte niemand eine absolute Mehrheit erreichen, gibt es am 25. Oktober eine Stichwahl.

(ap)
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