kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Bürokratieabbau der EU: Gurken dürfen sich wieder krümmen

zuletzt aktualisiert: 12.11.2008 - 17:34

Brüssel/Frankfurt (RPO). Die Europäische Union hat dem Regulierungswahn den Kampf angesagt. Die EU-Vorschrift zum Krümmungsgrad von Gurken wird gestrichen. Im Juli 2009 werden die Vermarktungsnormen für 26 Obst- und Gemüsesorten abgeschafft, wie die EU-Kommission am Mittwoch mitteilte.

"Es ist vollkommen sinnlos, Obst und Gemüse wegzuschmeißen, nur weil es komisch geformt ist", sagte Kommissionssprecher Michael Mann in Brüssel. Für Äpfel und einige andere Früchte bleiben die Normen zwar bestehen, bei spezieller Kennzeichnung darf aber davon abgewichen werden.

"Gurken der Klasse extra müssen gut geformt und praktisch gerade sein (maximale Krümmung: zehn Millimeter auf zehn Zentimeter Länge)", heißt es in der einschlägigen Vermarktungsnorm von 1988. Bei stärkerer Krümmung droht bislang der Klassenabstieg. Praktisch hat dies dazu geführt, dass zumindest in größeren Geschäften nur schnurgerade Gurken angeboten werden.

"In der Praxis wird sich nicht viel ändern"

"Der Käufer hat nicht viel von der geraden Gurke gehabt", kommentierte die Lebensmittelexpertin des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Jutta Jaksche. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP äußerte sie die Hoffnung, dass Lebensmittel günstiger werden könnten, wenn sie nicht mehr bei kleinsten Mängeln aus dem Angebot genommen würden. Allerdings sollten Gurken nach Gewicht verkauft werden, sobald die Größenvorgaben wegfielen, sagte Jaksche.

Auch der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) begrüßte die Abschaffung der EU-Vorgaben. Der Handel sei so flexibler, sagte Geschäftsführer Detlef Groß. Mit dem Einzug krummer Gurken und knotiger Karotten in die Supermarktregale rechnet er trotzdem nicht: "In der Praxis wird sich vermutlich nicht viel ändern", sagte Groß.

Auch der Grünen-Europaabgeordnete und Agrarexperte Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf bezweifelt, dass die Abschaffung der Gurken-Norm tatsächlich das Ende der genormten Gurke bedeutet. Die EU-Vorschriften seien nämlich keineswegs von einem "verrückten Brüsseler Bürokraten" erdacht, sondern von den Handelsunternehmen eingefordert worden, erläutert der Grünen-Politiker. Diese wollten ihren Kunden gern formschöne Früchte bieten und hätten die Klassifizierung durchgesetzt, um sich Streitereien mit ihren Lieferanten zu ersparen.

"Wenn die gesetzlichen Normen weg sind, wird der Handel trotzdem weiter danach verfahren", prognostiziert Graefe zu Baringdorf. Ein Fortschritt sei die Abschaffung der Regeln aber für Bauern, die ihre Produkte selbst verkauften.

Norm für Äpfel und Birnen bleibt

Neben der Gurken-Vorschrift entfallen ab 1. Juli 2009 auch die Vermarktungsnormen für Zucchini, Möhren, Lauch, Spargel, Aprikosen, Artischocken, Auberginen, Avocados, Bohnen, verschiedene Kohlsorten, Kirschen, Pilze, Knoblauch, ganze Haselnüsse, Walnüsse, Melonen, Zwiebeln, Erbsen, Pflaumen, Sellerie, Spinat und Chicoree.

Aufrechterhalten werden hingegen die Vorschriften für die in Europa umsatzstärksten Obst- und Gemüsesorten: Äpfel, Birnen, Zitrusfrüchte, Kiwis, Erdbeeren, Pfirsiche, Nektarinen, Weintrauben, Salatköpfe, Paprika und Tomaten. Die einzelnen EU-Staaten können aber auch hier eine Abweichung von der Norm erlauben, sofern eigenwillig geformte Früchte etwa als "zur Verarbeitung bestimmt" gekennzeichnet werden.

Möglich wird der Bürokratie-Abbau übrigens durch einen Meinungswandel der Bundesregierung. Sie hatte sich früher für eine Aufrechterhaltung der Norm eingesetzt, am Mittwoch nun sprach sich der Vertreter Berlins im zuständigen Expertenausschuss für ihre Streichung aus.

Quelle: ap

 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Schweiz verabschiedet Steuerabkommen mit Berlin

Kampf gegen Steuerhinterziehung

Schweiz verabschiedet Steuerabkommen

Das Schweizer Parlament hat das Steuerabkommen mit Deutschland verabschiedet. mehr 

IAEA: Iran hat Spuren verwischt

Neue Vorwürfe im Atomstreit

IAEA: Iran hat Spuren verwischt

Der Iran hat nach Informationen der IAEA in einer verdächtigen militärischen Versuchsanlage Spuren verwischt. mehr 

Mehr Politik
Aus der Region

Kampf gegen Steuerhinterziehung

Schweiz verabschiedet Steuerabkommen

Neue Vorwürfe im Atomstreit

IAEA: Iran hat Spuren verwischt

Bundespräsident sorgt für Wirbel

Gauck vermisst ein Zeichen Israels

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Video

Italien: Frau lebend aus Trümmern gezogen

Das Beben in Norditalien war am Dienstagabend schon 12 Stunden her, da gab es eines dieser kleinen Wunder, auf die die Menschen in den ... mehr 

Steuersenkungsplaene-ab-2013-darauf-duerfen-Sie-hoffen_1_65849.jpg

Kampf gegen Steuerhinterziehung

Schweiz verabschiedet Steuerabkommen mit Berlin

Das Schweizer Parlament hat das Steuerabkommen mit Deutschland verabschiedet. Einen Tag nach dem Ständerat stimmte am Mittwoch auch der Nationalrat in Bern der zwischen beiden Ländern vereinbarten Abgeltungssteuer zu. mehr

 

Neue Vorwürfe im Atomstreit

IAEA: Iran hat Spuren verwischt

 
 

Warum Hollande Syrien mit Militär droht

Präsident im Kriegsmodus

 

Schmutz-Wahlkampf in den USA

Obama macht Romney zum Vampir

 

Makabre Kunstaktion in Italien

Berlusconi mit Micky-Maus-Pantoffeln im Sarg

Top-Services