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panorama Karl-Theodor zu Guttenberg in paris AP 2009-11
  Foto: AP, AP
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Auf Reisen mit dem Verteidigungsminister: Guttenberg redet Klartext in Paris

VON GREGOR MAYNTZ - zuletzt aktualisiert: 19.11.2009 - 07:19

Paris (RPO). Es war sein erstes Mal: In Frankreich erlebte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg am Mittwoch Abend seinen ersten Empfang mit militärischen Ehren. Und da er gleich bei seiner ersten Unterredung Klartext redete, fand er sich sofort "auf einer Wellenlänge" mit seinem französischen Amtskollegen Hervé Morin, der ihm prompt schon nach wenigen Minuten das "Du" anbot.

Ganz Paris feiert in dieser Nacht. Zuerst strömen die Algerier zum Autokorso auf die Champs-Elysées, weil die algerische Nationalmannschaft im "Spiel der Spiele" Ägypten besiegte. Wenig später hält es keinen Franzosen mehr in den eigenen vier Wänden. Millionen feiern draußen den Einzug ihrer Nationalmannschaft in die WM-Endrunde.

Paris bejubelt "die Blauen", wie die Franzosen ihre Elf nennen. Kein Blauer, aber ein Blaublütiger hat zu mitternächtlicher Stunde gerade seinen ersten offiziellen Besuch bei einem europäischen Partner hinter sich gebracht und versucht durch die verstopften Straßen zu seinem Hotel zu kommen. "Karl-Theodor", wie ihn "Hervé" nennt, kann zufrieden sein. Der Gerade-heraus-Stil hat auch in Paris funktioniert.

Der prachtvolle Amtssitz des französischen Verteidigungsministers, Hotel Brienne, ist an dem Abend besonders festlich herausgeputzt. Hausherr Morin hat eigens zu Ehren seines Gastes die Wachskerzen im Amtszimmer von General de Gaulle anzünden lassen.

"Das ist ein Platz, der auch mein Herz rührt"

Gemeinsam betrachten Morin und Guttenberg den seit den Tagen der französischen Übergangsregierung unberührten Schreibtisch, und der deutsche Freiherr, von Kindsbeinen an mit ähnlichem Ambiente nicht unbedingt auf Kriegsfuß stehend, findet sofort passende Worte: "Das ist ein Platz, der auch mein Herz rührt." Und er münzt diese besondere Ehre, vom Minister durch die französische Historie geführt zu werden, sogleich um auf die Hoffnung, ähnlich glanzvolle Beziehungen zueinander entwickeln zu können.

Da sind Guttenberg und Morin noch per "Sie". Doch das ändert sich schnell, als sich die Türen schließen, Morin von seinen Anfängen erzählt, wie er selbst noch Sekretär eines Ministers war, und wie er nun selbst sein Amt versteht. Da ist es nicht mehr weit bis zu der Erkenntnis, aus ähnlichem Holz geschnitzt zu sein. Und so gehen die beiden Minister als "Karl-Theodor" und "Hervé" die weiteren Punkte der politischen Tagesordnung an. Denn es soll nicht bloß ein höflicher Besuch zum Kennenlernen mit unverbindlichen Floskeln sein. Sie haben genügend Knackpunkte zu besprechen.

Dauernde Vertröstungen satt

Da ist der französische Wunsch, dass sich Deutschland an einem europäischen Satellitenprojekt beteiligen möge - unter Frankreichs Führung selbstverständlich. Und da ist der deutsche Wunsch, im Umgang mit dem EADS-Konzern nun die Daumenschrauben heraus zu holen. Eigentlich sollten die neuen Militärtransportflieger A 400 M längst ihren Dienst versehen.

Statt dessen gibt es technische Probleme, Notwendigkeiten zur Nachkonstruktion, erneute Verzögerungen und nur noch die pure Hoffnung, noch vor Weihnachten wenigstens den Jungfernflug eines Prototypes zu erleben. Morins Franzosen sehen im A 400 M ein europäisches Vorzeigeprojekt, das auch noch ein paar Milliarden zusätzlich kosten darf und sich sicherlich gewinnbringend am Weltmarkt behaupten will. Guttenbergs Deutsche hingegen haben allmählich die dauernden Vertröstungen satt, liebäugeln längst damit, den Airbus-Konkurrenten Antonow ins Auge zu fassen und damit den Druck auf EADS zu erhöhen.

"Nicht nur eine romantische Phrase"

Guttenberg gelingt es, für die am Donnerstag beginnenden Nachverhandlungen eine deutsch-französische Gemeinschaftshaltung hinzukriegen. Nun erwarten beide Nationen von Airbus ein "Signal". Morin spricht anschließend vor der Presse von notwendiger "Flexibilität", Guttenberg ergänzt, Vertragstreue dürfe "nicht nur eine romantische Phrase" sein. Er erwartet Entgegenkommen, und zwar weniger auf der zeitlichen, mehr auf der finanziellen Dimension. Sprich: Airbus soll einen Teil der entstehenden Mehrkosten selbst tragen.

Morin hat sich ein besonderes Willkommensgeschenk ausgedacht. Das vor allem von Deutschen getragene Symbolprojekt der deutsch-französischen Brigade, soll "mehr Parität" bekommen. Deshalb will er als Ersatz für das in Immendingen aufgelöste dritte Husaren-Regiment ein französisches Regiment in Metz der gemeinsamen Brigade unterstellen.

Auch Guttenberg will an dem Projekt arbeiten, es von der Symbolkraft in eine realistischere Einsatzkraft verändern. Das mit dem Husaren-Regiment hat er allerdings falsch verstanden. Nein, Karl-Theodor, da wird kein Husarenregiment in Metz angesiedelt, da gibt es einen Ersatz mit Bezügen zur deutsch-französischen Zusammenarbeit, korrigiert ihn Hervé in freundschaftlichem Ton. Guttenberg ist gelernter Gebirgsjäger, da hat er mit Husaren erkennbar nicht zu tun gehabt.

"Nicht mit Scheuklappen"

Aber es gibt weitere französische Wünsche. Morin will die Anti-Piraten-Mission vor der Küste Somalias sinnvoll ergänzen durch eine Stärkung der Ordnung im Lande. Deshalb soll ein groß angelegtes europäisches Projekt somalische Sicherheitskräfte ausbilden. Im Gespräch ist als Ausbildungsort Dschibuti. Also dort, wo die Deutschen ohnehin einen Standort haben.

Und so wirbt Morin um deutsches Mittun. Die Spanier hätten sich schon bereit erklärt, die Führung zu übernehmen, auch Großbritannien und eine Reihe weiterer europäischer Staaten machten mit, da könne er sich schlecht vorstellen, dass ausgerechnet die Deutschen nicht mit dabei seien, sagt Morin und blinzelt vielsagend seinem neuen deutschen Freund ins Gesicht. Der antwortet nicht gerade vollmundig, aber auch nicht unbedingt ausweichend. Man werde dieses Vorhaben im Detail prüfen, dabei aber "nicht mit Scheuklappen" an das neue Projekt, den neuen Auslandseinsatz herangehen.

Guttenberg sagt es - und verspricht Besserung vor allem in anderer Hinsicht: Mit der kurzfristigen Terminierung hat er Morin an die Grenzen des Zumutbaren gebracht: Mit dem Deutschen sprechen statt die WM-Quali der "Blauen" zu schauen? Zwischenzeitlich vermutete Morin ein "kleines perverses Spiel" hinter den Absichten Guttenbergs, mit dem er vielleicht Rache für das im Nachhinein mit "Frustrationserlebnissen" verbundene WM-Spiel zwischen Deutschland und Frankreich im Jahr 1982 habe nehmen wollen. "Es war mein erklärtes Ziel, Hervé heute vom Fußballgucken abzubringen", bekennt Guttenberg schmunzelnd.

Doch dafür macht anschließend das gemeinsame Feiern noch mehr Spaß, schließlich will Morin, dass es von diesem Tag an neben Angela Merkel und Nicholas Sarkozy ein neues deutsch-französisches Paar gibt: Karl-Theodor und Hervé. Die nächste gemeinsame Herausforderung liegt für Guttenberg auf der Hand. Vielleicht gebe es ja den einen anderen, der beim A-400-M-Jungfernflug mit dabei sein wolle. "Ich schaue keinen an", fügt er hinzu, und guckt Hervé mit herausforderndem Lächeln an. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft?


 
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