Neun Israelis getötet: Hamas begrüßt Anschlag in Tel Aviv
zuletzt aktualisiert: 17.04.2006 - 20:42Tel Aviv (rpo). Während die Bundesregierung, die EU und die USA den Selbstmordanschlag in Tel Aviv scharf verurteilten, bekundete die radikalislamische Hamas, Israel trage selbst Schuld an dem Attentat. Der Terrorakt, bei dem neun Israelis umkamen, sei eine legitime Antwort auf die israelische Politik.
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier rief die palästinensische Regierung dazu auf, "ihren internationalen Verpflichtungen nachzukommen, terroristische Gruppen zu entwaffnen und terroristische Infrastruktur zu zerstören". Es wäre ein fataler Start der neuen Regierung, wenn sie Terrorakten nicht klar und energisch entgegentreten würde.
Die Europäische Union forderte die Konfliktparteien im Nahen Osten zu Zurückhaltung auf. Der französische Staatspräsident Jacques Chirac schrieb dem israelischen Staatsoberhaupt Mosche Katsav, er habe mit Entsetzen und Abscheu auf die Bluttat reagiert. "Frankreich ist in dieser neuen Bewährungsprobe auf Seiten Israels", erklärte Chirac.
US-Außenministerin Condoleezza Rice verurteilte den Anschlag in einem Telefongespräch mit ihrer israelischen Kollegin Tsipi Livni. Sean McCormack vom State Department sagte, die um die Förderung des Friedensprozesses im Nahen Osten bemühten Regierungen sollten die Reaktion der Hamas-Regierung auf den Terroranschlag beachten.
4,5 Kilo-Bombe
Der 21-jährige Selbstmordattentäter traf nach Polizeiangaben gegen 13.40 Uhr vor dem Restaurant "The Mayor's Felafel" im Stadtteil Newe Schaanan ein, in dem sich viele Gäste zum Mittagessen eingefunden hatten. Als er von einem Wachmann kontrolliert wurde, zündete er die in einer Tasche versteckte 4,5-Kilogramm-Bombe. Der Wachmann wurde dabei in zwei Teile zerrissen.
Der Anschlag war der schwerste seit August 2004, damals kamen in Beerscheba 16 Israelis ums Leben. Dasselbe Restaurant in Tel Aviv war bereits am 19. Januar Ziel eines Anschlags, damals wurden 20 Menschen verletzt.
Die israelische Regierung machte die Hamas für die Tat verantwortlich. Israel werde mit angemessenen Mitteln auf den Bombenanschlag reagieren, sagte der designierte Ministerpräsident Ehud Olmert. Die Tat habe Israel nicht unvorbereitet getroffen. "Wir wissen, dass Terrororganisationen jeden Augenblick nach Möglichkeiten Ausschau halten, Anschläge in Israel zu verüben", sagte Olmert. Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen gebe es keinen Weg, derartige Anschläge unter allen Umständen zu verhindern. Für den Abend wurde ein Krisentreffen mit der Führung der Streitkräfte einberufen.
"Ergebnis der Besatzungspolitik"
Die palästinensische Hamas-Regierung verurteilte den Anschlag nicht. Die Tat sei ein "direktes Ergebnis der Besatzungspolitik", sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Dagegen sprach der palästinensische Präsident Mahmud Abbas, dessen Fatah-Bewegung mit der Hamas rivalisiert, von einem Terroranschlag, der dem nationalen Interesse der Palästinenser schade.
Während sich die Hamas ebenfalls dem vor mehr als einem Jahr vereinbarten Gewaltverzicht angeschlossen hat, wird dies von der Organisation Islamischer Dschihad abgelehnt. Zu den acht Selbstmordanschlägen, die seit Februar 2005 in Israel verübt wurden, bekannte sich der Islamische Dschihad. Bei dem Selbstmordattentäter handelte es sich nach Angaben der Organisation um den 21-jährigen Sami Hammad aus dem Dorf Arakeh bei Dschenin im Westjordanland.
Seine Familie gab an, er habe im Fernstudium Sozialarbeit studiert, dies aus Geldmangel aber aufgeben müssen. Auf einem Video verliest der Täter eine Erklärung, in der es unter anderem hieß: "Viele andere Bombenleger sind unterwegs." Sein Anschlag sei den tausenden in Israel inhaftierten Palästinensern gewidmet.
Finanzhilfen für Palästinenser angekündigt
Der Anschlag in Tel Aviv dürfte die palästinensische Autonomiebehörde international noch weiter isolieren. Schon jetzt ist sie de facto zahlungsunfähig, weil Europäische Union und USA nach der Regierungsübernahme der Hamas ihre Finanzhilfen eingestellt haben.
Ein Sprecher von Präsident Abbas' Fatah-Bewegung warf der Hamas noch am Sonntag vor, für die Probleme der Palästinenser verantwortlich zu sein. "Die Hamas muss ihre Standpunkte so schnell wie möglich überdenken", sagte Ahmad Abderahman. So müssten die Friedensabkommen akzeptiert werden, die im Laufe des vergangenen Jahrzehnts mit Israel geschlossen wurden.
Der Iran kündigte am Sonntag eine Finanzhilfe in Höhe von 50 Millionen Dollar für die Palästinenser an. Auch Russland will die in Zahlungsschwierigkeiten geratene Autonomiebehörde unterstützen. Über die Höhe der Summe wurden keine Angaben gemacht. Am Montag stellte auch Katar die Zahlung von 50 Millionen Dollar in Aussicht.
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