| 14.12 Uhr

Häuserkampf in Gazastadt hat begonnen
Hamas droht Israelis in aller Welt

Die Israelis rücken vor
Die Israelis rücken vor FOTO: AP
Gaza (RPO). Während sich die deutsche Bundesregierung um eine Einstellung der Kampfhandlungen per Telefonoffensive bemüht hat, intensivierten die israelischen Streitkräfte mit ihrer gesamten Militärmacht ihre Angriffe auf Moscheen, Wohnhäuser und Schmugglertunnel im Gazastreifen. Erste Wohnblocks wurden erobert. Unterdes drohte Hamas-Führer Mahmud Sahar israelischen Zivilisten in aller Welt mit Tod.

Die radikalislamische Hamas hat angesichts der Militäroffensive im Gazastreifen mit Anschlägen auf israelische Zivilpersonen und Einrichtungen in der ganzen Welt gedroht. Die Tötung von Palästinensern im Gazastreifen rechtfertige das Töten von Israelis, sagte Hamas-Führer Mahmud Sahar. Er forderte, die Kämpfer der Hamas sollten "den Feind vernichten". Es blieb indes unklar, wann die am Montag im Hamas-Fernsehen Al Aksa ausgestrahlte Botschaft aufgenommen wurde. Seit Beginn der israelischen Offensive am 27. Dezember war die Hamas-Führung abgetaucht. Sahar gilt als Hintermann der Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen im Juni 2007.

Angriffe werden verstärkt

Mindestens 50 Palästinenser sind am zweiten Tag der Bodenoffensive getötet worden. Unter den Opfern seien auch zwölf Kinder, teilten palästinensische Ärzte am Montag mit. In Gaza wurden eine Mutter und ihre vier Kinder getötet, zwei weitere Kinder kamen demnach bei israelischen Luftangriffen in Dschabalija und eines in Seitun, einem Vorort von Gaza, um. In der Nacht rückten tausende israelische Soldaten mit Unterstützung von Kampfhubschraubern weiter in den Gazastreifen vor. Die Hamas drohte unterdessen mit Vergeltungsschlägen gegen die israelische Bevölkerung.

Palästinenser berichteten am Morgen von Gefechten im östlichen Teil des Autonomiegebiets nahe der israelischen Grenze. Hamas-Kämpfer schossen Mörsergranaten auf die heranrückenden Panzer.

Die israelischen Soldaten besetzten nach palästinensischen Angaben drei sechsstöckige Häuser am Stadtrand von Gaza, um auf dem Dach Geschütze aufzubauen. Die Streitkräfte erklärten unterdessen, in Dschebalija sei eine Moschee bombardiert worden, in der Waffen gelagert worden seien. In Gaza sei ein unterirdischer Bunker zerstört worden, an der Grenze zu Ägypten seien zahlreiche Schmugglertunnel getroffen worden. Kämpfer der Hamas feuerten am Montag trotz der Offensive erneut mehr als zwei Dutzend Raketen auf Israel.

Seit Beginn der Bodenoffensive am 27. Dezember wurden nach palästinensischen Angaben im Gazastreifen bereits 537 Menschen getötet und rund 2.000 weitere verletzt. Unter den Opfern waren mindestens 200 Zivilpersonen; nach Angaben der Hilfsorganisation terre des hommes waren darunter wenigstens 72 Kinder. Am Montag wurden vier kleine Geschwister bei einem Luftangriff auf ein Haus im Osten Gazas getötet, drei Kinder starben beim Beschuss eines Lagers am Küstenstreifen der Stadt.

Deutsche Telefonoffensive und Hilfen zur Eindämmung der Gaza-Krise
Mit einer Telefonoffensive versucht die Bundesregierung, die schlimmsten Auswirkungen der Gaza-Krise abzuwenden und eine Waffenruhe herbeizuführen. Allein in den ersten Tagen des neuen Jahres stellte das Auswärtige Amt laut Sprecher Jens Plötner den Palästinensischen Autonomiegebieten elf Millionen Euro zur Verfügung. In den Wochen davor wurden den Angaben zufolge zwei Millionen Euro für humanitäre Hilfen an das Rote Kreuz sowie 200.000 Euro an die Nichtregierungsorganisation Care gegeben.

Kanzlerin Angela Merkel sprach am Vormittag mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas, dem laut Regierungssprecher Ulrich Wilhelm ein weiteres Gespräch mit dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak folgen sollte. Davor habe Merkel bereits mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert, dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy und EU-Ratspräsident Mirek Topolanek gesprochen.

Für die Kanzlerin steht laut Wilhelm fest, dass die Ursache der Eskalation die Beschießung Israels durch Kämpfer der radikalislamischen Hamas ist. Jetzt jedoch müsse mit einer möglichst schnell eintretenden Waffenruhe das Leiden der Bevölkerung im Gaza-Streifen abgestellt werden. Immer wieder habe die Kanzlerin beiden Seiten deutlich gemacht, dass die humanitäre Situation und medizinische Versorgung der Bevölkerung sichergestellt sein müsse.

Steinmeier hatte über das Wochenende Telefonate mit seinen Außenministerkollegen Zipi Livni in Israel, Karel Schwarzenberg als amtierenden EU-Ratspräsidenten ein Tschechien, Condoleezza Rice in den USA, David Milliband in Großbritannien und Jonas Gahr Störe in Norwegen geführt.

Die Verbesserung der humanitären Lage der Bevölkerung muss laut Plötner über ein Ende der Kampfhandlungen und eine politische Lösung des Konflikts erfolgen. Dazu entsendet Steinmeier am (morgigen) Dienstag auch seinen Nahostbeauftragten Andreas Michaelis in die Region.

Eine Waffenruhe muss nach Regierungsangaben folgende Bedingungen erfüllen: Der Raketenbeschuss Israels aus dem Gaza-Streifen heraus sowie der Waffenschmuggel in den Gaza-Streifen hinein müsse beendet werden. Damit könne die Rückkehr zum politischen Prozess ermöglicht werden.

Diplomatische Bemühungen um Waffenstillstand

Die Türkei hat eine Waffenruhe im Gazastreifen unter Kontrolle internationaler Beobachter vorgeschlagen. Sein Land wäre bereit, sich an einer solchen Mission zu beteiligen, sagte der türkische Außenminister Ali Babacan am Montag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem syrischen Kollegen Walid al Moallem. Beide bekräftigten ihre Forderungen nach einem umgehenden Ende der Gewalt.

"Oberste Priorität muss ein Ende der menschlichen Tragödie haben", sagte Babacan. "Nichts kann den Tod von Zivilpersonen, von Frauen und Kindern, rechtfertigen." Al Moallem erklärte, die Türkei und Syrien wollten ihre Kräfte bündeln, um eine Waffenruhe und die Öffnung der Grenzübergänge zu erreichen.

Der israelische Staatspräsident Schimon Peres verteidigte die Offensive als notwendigen Einsatz gegen die Hamas. Israel werde "nicht dem Gedanken zustimmen, dass die Hamas weiterhin (Raketen) abschießt und wir eine Waffenruhe erklären sollen", sagte Peres dem US-Sender ABC. Verteidigungsminister Ehud Barak sagte vor dem Parlament, die Offensive werde so lange andauern, bis Sicherheit und Frieden für die Bürger im südlichen Israel erreicht sei.

Unterdessen wurden die internationalen Rufe nach einem sofortigen Waffenstillstand immer lauter. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte die Mitglieder des Weltsicherheitsrats auf, sich rasch auf Maßnamen zur Beendigung des Konflikts zu verständigen.

Auch die Europäer bemühten sich um eine Schlichtung des Konflikts. Eine EU-Delegation mit dem Außenbeauftragten Javier Solana, Kommissarin Benita Ferrero-Waldner und den Außenministern Tschechiens, Frankreichs und Schwedens beriet sich mit dem ägyptischen Staatschef Husni Mubarak. Die EU sei bereit, die Grenze zwischen Ägypten und dem Gazastreifen wieder zu überwachen, sobald es einen Waffenstillstand gebe, erklärte Solana in Scharm el Scheich.

Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy brach ebenfalls zu einer Vermittlungsreise in den Nahen Osten auf. Bei Treffen mit Mubarak, dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas in Ramallah und am Abend mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert in Jerusalem wollte Sarkozy auf ein Ende der Kämpfe dringen.

IKRK fordert Verschonung der Zivilbevölkerung

Die Hamas drohte mit Anschlägen auf israelische Zivilpersonen und Einrichtungen in der ganzen Welt. Die Tötung von Palästinensern im Gazastreifen rechtfertige das Töten von Israelis, sagte Hamas-Führer Mahmud Sahar in einer am Montag im Hamas-Fernsehen ausgestrahlten Botschaft.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) rief Israel und die radikalislamische Hamas zur Verschonung der Zivilbevölkerung auf. Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International äußerte sich besorgt.

(AP)
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