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Nach Selbstmordattentat in Tel Aviv: Hamas in der Sackgasse

zuletzt aktualisiert: 18.04.2006 - 18:48

Tel Aviv (rpo). Der schwere Selbstmordanschlag in Tel Aviv vom Ostermontag zerrütet den ohnehin brüchigen Friedensprozess im Nahen Osten. Auch wenn Israel nach eigenen Angaben vorerst auf Vergeltung verzichten will, sind die politischen Folgen kaum abzusehen. Anstatt die Bluttat zu verurteilen, schiebt die radikalismalische Hamas jetzt Israel die Schuld für das Attentat zu. Der Druck auf die neue Palästinenserregierung wächst. Es droht die völlige Isolation.

Für die Radikalislamisten kommt der Anschlag zum denkbar ungünstigen Augenblick: Vom Westen als Terroristen geschnitten, wächst in den Palästinensergebieten der Frust über die ausbleibenden internationalen Finanzhilfen.

Zu dem Anschlag von Tel Aviv bekannte sich der Islamische Dschihad. Die Hamas selbst hat seit mehr als einem Jahr keinen Selbstmordanschlag mehr ausgeführt. Dass sie diese blutigen Anschläge mit vielen zivilen Opfern dennoch weiterhin als vertretbare Form des Widerstands betrachtet, machte sie kurz nach dem Anschlag deutlich: Mit der Besetzung der Palästinensergebiete, "den Verbrechen gegenüber Kindern und Frauen, den Ermordungen, den Festnahmen" trage Israel die Verantwortung für die Tat, sagte ein Sprecher.

International stieß diese Reaktion auf vehemente Ablehnung: UN-Generalsekretär Kofi Annan forderte die palästinensische Autonomiebehörde auf, klar und öffentlich Stellung gegen solch "ungerechtfertigte Terrorakte" zu beziehen. Die US-Regierung warnte die Hamas davor, "terroristische Taten" zu verteidigen oder gar zu unterstützen. Dies werde "schwerwiegendste Folgen" für die Beziehungen zwischen der palästinensischen Regierung und "allen Staaten, die nach Frieden im Nahen Osten streben, haben", sagte ein Sprecher des Weißen Hauses.

Kritik an Hamas wächst

Wie die EU hatten die USA vor zehn Tagen ihre direkten Finanzhilfen an die Autonomiebehörde ausgesetzt, um die Hamas zur Anerkennung Israels und zum Gewaltverzicht zu zwingen. Nach dem jüngsten Anschlag sieht es nicht so aus, als ob die westlichen Industriestaaten ihre Hilfen für die Palästinenserregierung bald wieder aufnehmen könnten.

Die Äußerungen Washingtons könnten sogar als grünes Licht für Israel verstanden werden, Mitglieder der Hamas-Regierung gezielt zu töten, warnt Mcheimar Abu Saada. Der Politikexperte fordert von den Islamisten einen pragmatischeren Kurs, um der internationalen Isolierung zu entkommen. So sollte die Hamas der Gewalt gegen israelische wie palästinensische Zivilisten entsagen, schlägt Saada vor - und das Ziel einer Regierung der nationalen Einheit mit der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas weiter verfolgen.

Die Hamas ist sich der ernsten Lage durchaus bewusst: "Es gibt keinen Zweifel, dass der Druck wächst", sagt Kabinettssekretär Mohamed Awad. Nach seinen Angaben wollte die Palästinenserregierung noch am Dienstag über das weitere Vorgehen beraten. Dass sie sich plötzlich zu einer moderateren Haltung entschließen könnte, scheint zweifelhaft. Ein Grund ist auch, dass die Bewegung in ihren Überzeugungen viele Landsleute hinter sich weiß.

Wie gespalten die Palästinenser den Selbstmordanschlägen gegenüber stehen, zeigt ein weiterer Vorfall: Nachdem Staatschef Abbas den Anschlag von Tel Aviv scharf verurteilt hatte, wurde er am Dienstag zu einer Entschuldigung für diese Äußerungen aufgefordert - von radikalen Mitgliedern seiner eigenen Bewegung.


 
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