Präsidentenwahl: Hardliner erobern Iran zurück
zuletzt aktualisiert: 25.06.2005 - 08:45Teheran (rpo). Der fundamentalistische Bürgermeister Teherans, Mahmud Ahmadinedschad, ist Sieger der Präsidentenwahl im Iran. Der 49-Jährige holte nach der Stichwahl am Freitag mehr als 60 Prozent der Stimmen. Experten sehen einen schweren Rückschlag für die Entwicklung und Öffnung des Landes Richtung Europa. Sie befürchten beispielsweise wesentlich schwierigere Verhandlungen zur Durchsetzung von Menschenrechten. Die US-Regierung reagierte ebenfalls: Der Iran sei "aus dem Tritt geraten".
Auf den 70-jährigen Rafsandschani entfielen 35,5 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 49 Prozent.
Das Innenministerium erklärte Ahmadinedschad zum Sieger der Wahl. Zuvor hatte bereits ein enger Mitarbeiter von Rafsandschani eingeräumt, dass Ahmadinedschad die Mehrheit der Stimmen errungen habe. Der Wahlkampfmanager des Teheraner Bürgermeisters, Ali Akbar Dschawanfekr, sagte, eine Siegesfeier sei nicht geplant. Die Anhänger Ahmadinedschads würden in die Moschee gehen und Gott für "diesen großen Sieg" danken.
Dem 49-Jährigen war es mit dem Versprechen sozialer Wohltaten gelungen, einen großen Teil der armen Bevölkerung auf seine Seite zu ziehen. Rafsandschani hingegen erhielt vor der Stichwahl die Unterstützung von Wirtschaftskreisen und Reformern, die um die Erfolge der vorsichtigen Liberalisierung unter dem scheidenden Präsidenten Mohammed Chatami bangen. Rafsandschani war bereits von 1989 bis 1997 iranischer Präsident.
Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Joanne Moore, deutete in einer ersten Reaktion an, dass der Wahlsieg Ahmadinedschads nichts an der kritischen Haltung der USA gegenüber dem Iran ändern werde.
Im ersten Wahlgang am vergangenen Freitag hatte Rafsandschani 21,0 Prozent der Stimmen erhalten, Ahmadinedschad kam auf 19,5 Prozent. An der ersten Runde mit insgesamt sieben Kandidaten hatten sich 63 Prozent der nahezu 47 Millionen Wahlberechtigten beteiligt.
Iran "aus dem Tritt"
Nach Ansicht der US-Regierung bewegt sich der Iran mit der Wahl des religiös-konservativen Kandidaten Mahmud Ahmadinedschad zum neuen Präsidenten gegen den allgemeinen Demokratisierungstrend in der Region. "Mit dem Abschluss der Wahl im Iran haben wir nichts gesehen, das uns von unserer Ansicht abbringt, der Iran sei im Vergleich zum Rest der Region aus dem Tritt geraten", sagte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Joanne Moore Teheran stelle sich den "Strömungen der Freiheit" entgegen, die im Irak, im Libanon und in Afghanistan sichtbar seien. Die Präsidentschaftswahl sei von Anfang an mit Unregelmäßigkeiten behaftet gewesen.
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