Fall Gabrielle Giffords schockt die USA: Hass im Herzen, die Waffe in der Hand
zuletzt aktualisiert: 10.01.2011 - 15:00Washington (RPO). Das Attentat auf die Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords hat die USA erschüttert. Die Nation fragt sich, wie es dazu kommen konnte, dass ein 22-Jähriger das Feuer auf die Politikerin eröffnete, sie schwer verletzte und sechs Menschen tötete. Liegt es an laschen Waffengesetzen? Oder an dem offenen Hass, der den politischen Diskurs in den USA seit langem prägt.
Der Sheriff von Tucson, Clarence Dupnik, machte auf einer Pressekonferenz am Sonntag das Klima des Hasses für die Tat verantwortlich, das Misstrauen gegen die Regierung und die Paranoia. Auch die laschen Waffengesetze des Staates Arizona haben seiner Auffassung nach dazu beigetragen, dass es zu der Bluttat kam.
Arizona sei das "Tombstone der Vereinigten Staaten" geworden, sagte er in Anspielung an die Grenzstadt, die Ende des 19. Jahrhunderts durch zahlreiche Schießereien berühmter Revolverhelden zum Symbol des Wilden Westens geworden war - ein Ort, in dem Differenzen mit dem Colt entschieden werden.
Giffords selbst hatte sich vor dem Anschlag besorgt über die politische Atmosphäre in den USA geäußert. Nachdem ihr Büro von Vandalen angegriffen worden war, beklagte sie in einem Interview die Feindschaft, die ihr die Konservativen entgegenbrächten. Auch äußerte sie sich besorgt darüber, dass die Ikone der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung, Sarah Palin, sie zum Ziel gemacht hätte.
"Man muss sich dessen bewusst sein, dass es Folgen hat"
"Beispielsweise sind wir auf Sarah Palins Abschussliste", sagte Giffords. Ihr Wahlkreis sei darauf mit einem Fadenkreuz markiert. "Wenn Menschen so etwas tun, müssen sie sich aber bewusst sein, dass es Folgen hat", sagte sie während eines Fernsehinterviews im Wahlkampf 2010.
Nach dem Attentat sprach Palin den Angehörigen der Opfer ihre Anteilnahme aus. Palins Unterstützer wiesen sofort jede Verbindung zu der Bluttat zurück. "Wir haben überhaupt gar nichts damit zu tun", sagte Palins Mitarbeiterin Rebecca Mansour laut des US-Fernsehsenders CBS in einem Radiointerview.
Die Regeln zum legalen Erwerb von Schusswaffen sind seit Jahrzehnten ein heiß umstrittenes Thema in den USA. Befürworter leiten aus dem zweiten Verfassungszusatz das Recht eines jeden Bürgers auf den Besitz von Waffen ab. Die Tatwaffe hat Jared L. nach FBI-Angaben im November erworben.
Vor den Zwischenwahlen im vergangenen Jahr kochte das Thema wieder hoch. Die Regierung müsse wieder unter Kontrolle gebracht werden, sagte die Kandidatin der Tea-Party-Bewegung Sharon Angle. Andernfalls würden sich die Bürger auf ihre Rechte nach dem zweiten Verfassungszusatz besinnen, prophezeite sie. Allerdings war selbst die als gemäßigt bekannte Giffords eine Befürworterin des Rechts auf Waffenbesitz.
"Nicht die Waffe, der Schütze ist schuld"
Auf einer Pressekonferenz sagte FBI-Direktor Robert Mueller, der freie Internetzugang für diejenigen, die Hass und Gewalt predigen, brächte für die Strafverfolgungsbehörden mehr Schwierigkeiten mit sich, als die Waffengesetze. Der Abgeordnete Trent Franks wies Vorwürfe zurück, dass das Waffenrecht Mitschuld sein könnte. Nicht die Waffe sei schuld, sondern der Schütze, sagte der republikanische Abgeordnete aus Arizona.
Viele Republikaner griffen das Argument auf, dass der Attentäter psychisch labil und niemand sei, der von der Rhetorik der Rechten und der Tea-Party-Bewegung aufgestachelt worden sei. "Ihm eine kohärente politische Philosophie zuzuschreiben wäre wahrscheinlich zu schmeichelhaft. Wir müssen einfach anerkennen, dass es in diesem Land geistig verwirrte Menschen gibt. Wer weiß schon, was sie dazu treibt, das zu tun, was sie tun? Und dann begehen sie schreckliche Taten wie diese", sagte der republikanische Senator John Kyl.
"Besser dran, wenn wir uns friedlich treffen"
Unterstützung erhielt seine Sicht der Dinge von seinem Senats- und Parteikollegen Lamar Alexander, der der Argumentation hinzufügte: "Ich denke, dass wir in diesem Land deutlich besser dran sind, wenn wir uns friedlich treffen, uns gegenseitig mit Respekt behandeln und Menschen, die Grenzen überschreiten, verurteilen. Besonders diejenigen, die dies mit Gewalt tun, so wie dieses Individuum am Samstag."
Das Repräsentantenhaus hat die für diese Woche angesetzte Abstimmung über eine Rücknahme der umstrittenen Gesundheitsreform des Präsidenten Barack Obama vorerst abgesagt. Der neue republikanische Präsident des Repräsentantenhauses, John Boehner, verurteilte das Attentat und sagte, ein Angriff auf einen Staatsdiener sei ein Angriff auf alle Staatsdiener. Obama ordnete für diese Woche eine landesweite Trauerbeflaggung an.
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