Anschläge in Algerien: Hatte der Geheimdienst Hinweise?
zuletzt aktualisiert: 12.04.2007 - 06:47Washington (RPO). Dem algerischen Geheimdienst sollen vor den Anschlägen in Algier möglicherweise Hinweise auf geplante Terrorakte vorgelegen haben. Dies sagte der US-Kongressabgeordnete Mike Rogers, der sich am Wochenende mit Vertretern des algerischen Geheimdienstes getroffen hatte. Bei den Anschlägen, zu denen sich das Terrornetzwerk Al Qaida bekannte, starben 24 Menschen. 222 weitere wurden verletzt.
Der republikanische Politiker Rogers gehört dem Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses an. "Wir wussten, dass sie etwas tun wollten", sagte Rogers am Mittwoch. "Sie wollten ein großes Ereignis, sie sprachen über ihr großes Ereignis, und leider haben sie ihr großes Ereignis bekommen."
Bei den Autobomben-Anschlägen auf den Sitz des Ministerpräsidenten und auf eine Polizeiwache in Algier kamen am Mittwoch mindestens 24 Menschen ums Leben. Zu den Taten bekannte sich die Terrororganisation Al Kaida im Maghreb.
Eine Autobombe explodierte vor dem Sitz des Ministerpräsidenten, in dem auch das Innenministerium untergebracht ist, zwei weitere offenbar vor der Polizeistation in dem östlich von Algier gelegenen Bab Ezzouar. Sie richteten schwere Schäden an. Ministerpräsident Abdelaziz Belkhadem, der nicht in seinem Büro war und unverletzt blieb, sprach von einem "feigen terroristischen Akt". Mit Verbitterung in der Stimme warf er den Islamisten vor, nicht auf ein Amnestieangebot der Regierung eingegangen zu sein: "Das algerische Volk hat ihnen die Hand gereicht, und sie haben mit einem Terroranschlag geantwortet."
Bilder der Attentäter im Netz veröffentlicht
Die Organisation Al Kaida im Maghreb erklärte, drei Selbstmordattentäter hätten das Büro des Ministerpräsidenten, eine Spezialeinheit der Sicherheitskräfte und ein Büro von Interpol angegriffen. Die internationale Polizeiorganisation hat nach eigenen Angaben in dem genannten Stadtteil aber gar kein Büro. Im Internet verbreiteten die Islamisten Bilder der Attentäter. "Wir werden nicht eher ruhen, bis jeder Zentimeter islamischen Landes von den fremden Mächten befreit ist", erklärte ein Anrufer, der sich im Namen der Terrorgruppe beim Sender Al Dschasira in Rabat meldete.
Algerien befindet sich seit 1992 in einem blutigen Konflikt mit islamischen Fundamentalisten. Damals stand deren Islamische Heilsfront (FIS) bei einer Parlamentswahl kurz davor, die Regierungsmehrheit zu erringen. Die Wahl wurde daraufhin von den Streitkräften für ungültig erklärt, und die Fundamentalisten gingen in den Untergrund. Bei Anschlägen, Überfällen und Kämpfen mit Polizei und Soldaten kamen seitdem schätzungsweise 200.000 Menschen ums Leben.
Ende der 90er Jahre flaute die Gewalt etwas ab. In einem Referendum am 29. September 2005 sprach sich die algerische Bevölkerung mit großer Mehrheit für einen Plan von Präsident Abdelaziz Bouteflika zur nationalen Versöhnung aus, verbunden mit einer weitgehenden Amnestieregelung. In jüngster Zeit kommt es aber wieder häufiger zu Zwischenfällen vor allem im Osten und in der Mitte des nordafrikanischen Landes. Am Wochenende wurden bei Gefechten zwischen Islamisten und Regierungstruppen neun Soldaten und sechs Aufständische getötet.
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