Nach Nominierung von Abbas: Heftiger Streit über Arafat-Nachfolge entbrannt
zuletzt aktualisiert: 23.11.2004 - 11:57Ramallah (rpo). Nach der Nominierung des früheren palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas als Kandidat für die Nachfolge von Jassir Arafat ist in der Fatah offenbar ein Streit um seine Bewerbung für das Präsidentenamt entbrannt. Unter den jüngeren Fatah-Mitgliedern wurden am Dienstag Rufe nach einer Kandidatur des in Israel inhaftierten Politikers Marwan Barghuti laut.
Nach vier Jahren Intifada lebt inzwischen fast jeder zweite Palästinenser in Armut und hat pro Tag weniger als zwei Euro zur Verfügung, wie die Weltbank berichtete.
Barghuti habe bessere Chancen bei der Abstimmung, begründete der junge Fatah-Flügel seine Ablehnung von Abbas. Der 69 Jahre alte PLO-Chef war am Montagabend einstimmig vom Zentralkomitee der Partei nominiert worden. Der 45-jährige Barghuti repräsentiert dagegen eine junge Generation von Fatah-Aktivisten, die im Westjordanland und im Gazastreifen aufgewachsen sind. Barghutis Frau Fadwa erklärte, ihr Mann werde Anfang kommender Woche entscheiden, ob er bei der Wahl am 9. Januar antreten werde.
Armut und Arbeitslosigkeit im Gazastreifen und im Westjordanland hätten seit September 2000 drastisch zugenommen, heißt es in dem Bericht der Weltbank. Als Grund für die schlechten wirtschaftlichen Bedingungen wurden vor allem die von Israel verhängten Restriktionen in den palästinensischen Gebieten und ausstehende Reformen der palästinensischen Autonomiebehörde genannt.
1,7 Millionen Palästinenser leben dem Bericht zufolge von weniger als umgerechnet 1,60 Euro pro Tag, fast ein Drittel von ihnen hat sogar weniger als umgerechnet 1,15 Euro zur Verfügung. Das Bruttosozialprodukt pro Kopf ging demnach auf rund 930 Dollar gegenüber 1.490 Dollar im Jahr 1999 zurück. Die Arbeitslosigkeit stieg auf 27 Prozent (1999: zwölf Prozent), bei der Armutsrate wurde ein Anstieg auf mehr 48 Prozent (1999: 20 Prozent) verzeichnet. Während vor vier Jahren noch 30.000 Palästinenser aus dem Gazastreifen Arbeit in Israel hatten, seien es jetzt weniger als 1.000, schrieb die Weltbank weiter.
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