Irans Präsident im Libanon: Heimspiel rührt Ahmadinedschad zu Tränen
zuletzt aktualisiert: 14.10.2010 - 11:56Beirut (RPO). Es ist kein Staatsbesuch, es ist eine Provokation. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad fährt durch die Straßen Beiruts und lässt sich von Anhängern der Hisbollah feiern. Beide verbindet der unbändige Hass auf Israel. Heute will der Iraner die Grenze zum verhassten Nachbarland besuchen. Ahmadinedschad genießt die Provokationen. Im Libanon feiert er ein Heimspiel.
Libanons Präsident Michel Suleiman empfängt seinen Staatsgast mit vollem diplomatischen Protokoll. Militärparade am Flughafen, große Pressekonferenz, Bankett mit Ehegattinen, Händeschütteln für die Fotografen.
Suleimans reale Macht ist begrenzt. Denn die Hisbollah, deren politischer Arm an Suleimans Regierung beteiligt ist, regiert praktisch das Land. Kommt es hart auf hart, droht der libanesischen Armee eine Niederlage gegen die schwer bewaffneten Milizen. Ahmadinedschad bringt das Treffen hinter sich und fährt dann zu seinem Heimspiel.
Zehntausende Anhänger der Miliz feiern die Iraner auf den Straßen Beiruts. Ahmadinedschad fährt im schwarzen SUV durch eine schmale Gasse, zeigt sich durch eine runde Öffnung im Dach des Wagens. Die Menschen bewerfen ihn mit Reis und Blumen als Zeichen ihrer Zuneigung. Männer und Frauen schwenken Plakaten mit seinem Konterfrei und den großen iranischen Revolutionsführern. Iranische und libanesische Flaggen sind zu sehen. Der Iran unterstützt die Islamisten seit Jahren mit Geld und Waffenlieferungen.
Die Hisbollah ist eine dem Islamismus zugeordnete libanesische Organisation. Ihr Führer ist Hassan Nasrallah. Die Hisbollah entstand im Jahr 1982 durch den Zusammenschluss verschiedener schiitischer Gruppen zum Kampf gegen Israel. Sie wird vom Iran und von Syrien unterstützt. Im Libanon ist sie eine politische Partei, die einerseits im Parlament vertreten ist, andererseits über paramilitärische Einheiten. Erklärtes Ziel der Hisbollah ist die Vernichtung Israels.
Am Abend steigt die Massenkundgebung der Hisbollah in einem Stadion im Süden der Stadt. Vor Tausenden Zuschauern bestärken sich Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah und Ahmadinedschad gegenseitig in ihrem Hass auf Israel. Israel sei ein "illegaler Staat", der schnell verschwinden müsse, ruft Nasrallah.
Ahmadinedschad assistiert, dass keine Macht der Welt das "zionistische Regime" vor Angriffen aus dem Libanon verteidigen könne. Die Menschen jubeln. Als sich der Iraner wieder auf seinen Platz setzt, steigen im Tränen der Rührung in die Augen.
Die Reaktionen des Auslands fallen erwartbar aus und dokumentieren Hilflosigkeit. "Wir sind sehr entschlossen, die libanesische Regierung zu unterstützen, die vor mehreren Herausforderungen steht." Das innere Gleichgewicht im Libanon müsse gewahrt bleiben, erklärt Clinton in Pristina. Vorwürfe, auch die USA wollten sich seit Jahren in inner-libanesischen Angelegenheiten einmischen, weist Clinton zurück. Den Namen Ahmadinedschad erwähnt sei kein einziges Mal.
Ahmadinedschad ist indes fest entschlossen, das Maximum an Provokation aus seinem Besuch herauszuholen. Heute reist er nach Bint Dschbeil, der nur vier Kilometer von Israels Grenze entfernt liegt. Der Ort hat immense Symbolkraft.
Während des israelischen Angriffs auf die Hisbollah und dem damit verbundenen Einmarsch in den Libanon 2006 wurde der Ort bombardiert. Während der 18-Jahre andauernden Besetzung des Südlibanon durch israelische Streitkräfte erhielt Bint Dschbeil den Beinamen "Hauptstadt des Widerstands". Hier lag das Zentrum der Hisbollah.
Israel versucht bisher gelassen zu reagieren. Verteidigungsminister Ehud Barak besucht derzeit Truppen an der Grenze zum Libanon. Dabei bemüht er sich um ein entspanntes Auftreten. In Jerusalem werden indes auch andere Stimmen laut. Wenn ein Grenzsoldat den iranischen Provokateur im Visier seines Gewehres habe, solle er einfach: abdrücken. Dass sich Ahmadinedschad aber so nah an die Grenze des Erzfeindes traut, gilt als ausgeschlossen.
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