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Wieczorek-Zeul spricht von "Völkermord": Hereros wollen auf Klage gegen Deutschland verzichten

zuletzt aktualisiert: 14.08.2004 - 18:14

Okakarara (rpo). Die Hereros in Namibia wollen auf eine Entschädigungsklage gegen Deutschland verzichten. Das sicherte ein Führer des Volkes der Bundesregierung zu, nachdem sich Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul für den "Völkermord" entschuldigt hatte. Hundert Jahre nach dem deutschen Vernichtungsfeldzug sei es Zeit, zu vergeben und in einen Dialog zu treten.

Es war das erste Mal, dass mit Wieczorek-Zeul ein Mitglied einer deutschen Regierung das blutigste Massaker der deutschen Kolonialgeschichte als Genozid bezeichnete. Sie spreche für die gesamte Bundesregierung, betonte Wieczorek-Zeul bei der Gedenkfeier am Samstag unter Beifall. Entschädigungszahlungen an Nachkommen der Opfer schloss die Ministerin jedoch aus.

"Wir Deutschen akzeptieren unsere historische und moralische Verantwortung und die Schuld, die Deutsche damals auf sich geladen haben", sagte Wieczorek-Zeul bei der Zeremonie in Waterberg. Dort war es vor 100 Jahren zur Entscheidungsschlacht zwischen den kaiserlichen Besatzungstruppen unter General Lothar von Trotha und den Volksgruppen Herero und Nama gekommen. Insgesamt wurden während des drei Jahre währenden Aufstands 65.000 Afrikaner getötet. Die Grausamkeiten, die damals begangen wurden, würde man heute als Völkermord bezeichnen, sagte Wieczorek-Zeul. "Alles, was ich gesagt habe, war eine Entschuldigung der deutschen Regierung."

Der Vorsitzende des Gedenkkomitees, Ranongouje Tijihuiko, erklärte, angesichts der Entschuldigung könnte die Stammesführung erwägen, die vor einem US-Gericht gegen Deutschland eingereichte Klage fallen zu lassen. Der namibianische Minister für Rehabilitierung, Hifikepunye Pohamba, sagte zu der Entschuldigung: "Das ist es, worauf wir sehr lange gewartet haben."

Statt individuelle Entschädigungen zu leisten, wolle Berlin die Entwicklungszusammenarbeit mit Namibia fortsetzen, erklärte Wieczorek-Zeul. Deutschland unterstützt nach Angaben des Entwicklungsministeriums Namibia jährlich mit 11,5 Millionen Euro. Gemessen an der Bevölkerungszahl seien dies die höchsten Entwicklungsleistungen in ganz Afrika.

Für die Gedenkfeier spielten mehrere Hereros Szenen des Aufstands und der Unterdrückung ihres Volkes durch die deutschen Kolonialherren nach. General von Trotha hatte 1904 die vollständige Auslöschung des Stammes angeordnet. Der Tötungsbefehl wurde Ende des Jahres zwar aufgehoben, die Überlebenden sperrten die Soldaten aber in Arbeitslager, wo zahlreiche weitere Menschen an Unterernährung und Erschöpfung starben. Insgesamt wurden zwei Drittel der Stammesbevölkerung getötet.

Quelle: afp

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