Taliban brüsten sich mit Enthauptung eines Journalisten: "Heute haben wir Adschmal geköpft"
zuletzt aktualisiert: 08.04.2007 - 19:52Kandahar/Kabul (RPO). Nachdem die Verhandlungen um einen Gefangenenaustausch gescheitert waren, haben die Taliban am Sonntag bekannt gegeben, den entführten Reporter Adschmal Nakschbandi getötet zu haben. Sie hatten den Mann zusammen mit dem italienischen Journalisten Daniel Mastrogiacomo und dessen Fahrer als Geisel genommen. Für die Freilassung Mastrogiacomos ließ die afghanische Regierung fünf Taliban-Häftlinge frei.
Adschmal Nakschbandi, der "Repubblica"-Korrespondent Mastrogiacomo und ein Fahrer waren am 5. März in der südafghanischen Provinz Helmand verschleppt worden. Der Fahrer wurde enthauptet, Mastrogiacomo kam am 19. März im Austausch für fünf Taliban-Gefangene frei. Die Taliban hatten eine ähnliche Forderung auch für die Freilassung Nakschbandis erhoben.
Die Regierung sei auf die Forderung nach Freilassung von zwei Taliban-Kommandeuren nicht eingegangen, erklärte Schahabuddin Atal, nach eigenen Angaben ein Sprecher des Taliban-Regionalkommandeurs Mullah Dadullah. "Heute um 15.05 Uhr haben wir Adschmal im Bezirk Garmsir der Provinz Helmand geköpft", erklärte Atal. "Als wir den Austausch für den italienischen Journalisten verlangt haben, hat die Regierung die Gefangenen freigelassen, aber um den afghanischen Journalisten hat sich die Regierung nicht gekümmert", sagte er. Ein Ultimatum an die afghanische Regierunge sollte ursprünglich erst am Montag ablaufen.
Ein Sprecher des Innenministeriums in Kabul erklärte, die Polizei habe bislang keine Beweise für eine Tötung Nakschbandis. Der Handel für die Freilassung Mastrogiacomos war seinerzeit von vielen Seiten kritisiert worden.
Zur Zeit sind zwei französische Mitarbeiter der Hilfsorganisation Terre d'Enfance sowie ihre drei afghanischen Berater in der Gewalt der Taliban. Über ihr Schicksal sollte laut einem Sprecher der Islamisten nach einer Entscheidung über Nakschbandi befunden werden. Forderungen als Gegenleistung für ihre Freilassung stellten die Entführer bisher nicht. Präsident Hamid Karsai hatte die Freilassung weiterer Taliban im Austausch gegen Geiseln abgelehnt. Der Fall Mastrogiacomo sei eine Ausnahme gewesen. Im Gegenzug für den Journalisten hatte Kabul fünf Taliban-Kämpfer frei gelassen. Der Handel war scharf kritisiert worden.
Der UN-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Tom Koenigs, verurteilte die Ermordung Nakschbandis und forderte die afghanischen Behörden auf, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Der Herausgeber von "La Repubblica", Ezio Mauro, erklärte in einer Stellungnahme auf der Web-Site der Zeitung, Nakschbandi sei lediglich seiner Arbeit wegen in die Region gekommen.
Der afghanische Präsident Hamid Karsai verteidigte unterdessen die Freilassung der Taliban im Austausch für Mastrogiacomo. Der italienische Ministerpräsident Romano Prodi habe seine Regierung mehrfach um Unterstützung gebeten, sagte Karsai am Freitag. Die Entführung des Reporters habe Rom unter Druck gesetzt. Ein solcher Gefangenenaustausch werde jedoch nicht wiederholt, betonte Karsai. Der Handel für die Freilassung Mastrogiacomos war seinerzeit von vielen Seiten kritisiert worden.
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