| 15.21 Uhr

Hillary Clinton
Superwoman kommt mit dem Kleinbus

Die politische Karriere von Hillary Clinton
Die politische Karriere von Hillary Clinton FOTO: afp, LARRY DOWNING
Washington. Hillary Clinton hat die USA schlagartig in den Wahlkampfmodus versetzt. Das macht sich nicht nur an den scharfen Reaktionen der politischen Konkurrenz bemerkbar, sondern auch den heftigen Ausschlägen im Netz. Zwischen Spott und Wahnwitz ist dort alles anzutreffen. So wird Clinton bereits als neue Superwoman gefeiert. Die setzt lieber auf Bescheidenheit.

Im Kampf um die nächste US-Präsidentschaft haben sich das Internet und soziale Medien längst zum eigenen Schlachtplatz entwickelt. Weil sich auf Twitter, Facebook und anderen Plattformen mit wenigen Klicks ein Millionenpublikum erreichen lässt, engagieren die Kandidaten spezielle Berater für den Umgang mit Social Media.

Auch Hillary Clinton hat ihre Experten dafür. Die dürfte sie auch der Flut an Beiträgen, die sich jetzt mit ihr befassen, gut gebrauchen. Dabei polarisiert sie die Netzgemeinde in frenetische Anhänger und Henker. Das ist zum Teil der amerikanischen Kultur im Wahlkampf geschuldet, der schon beim jüngsten Duell Obama gegen Romney in einer Schlammschlacht ausartete. Aber auch Clintons Charakter selbst trägt dazu bei: Seit der Präsidentschaft ihres Mannes Bill Clinton neigt sie dazu, Gegner zu dämonisieren, die Welt in Gut und Böse aufzuteilen. 

Fotos: Das sind die Präsidentschaftskandidaten FOTO: dpa, lws hm ase

Das spiegelt sich nun auch in den Reaktionen im Netz wieder. Clinton hat dort eine gewaltige Fanschar angesammelt. Dank ihrer langen Karriere als Senatorin, First Lady und Außenministerin hat sie bei Twitter rund 3,3 Millionen Follower; die Ankündigung ihrer Kandidatur wurde mindestens 95.000 Mal geteilt. Bei Facebook folgen der Politikerin mehr als 650.000 Menschen. So viele Fans erzeugen nun nur wenige Stunden nach ihrer offiziellen Erklärung unter dem Hashtag #Hillary2016 viel Output im Netz, alles offenkundig mit dem Ziel, ihre Favoritin zu unterstützen.

Zu den schönsten Spielereien mit der Heldin Hillary zählt eine Fotomontage, die als "Superwoman zeigt.

Andere Bilder sind an die ikonenhafte Ästhetik angelehnt, mit der Barack Obama Präsident wurde.

Doch haben auch die Gegner Clinton bereits unter Feuer genommen: Satirisch, gemein und oftmals auch unter der Gürtellinie. Eine Optik aus dem Lager des erzkonservativen Republikaners Ted Cruz zeigt ihr Konterfei etwa als Mischung aus Clinton und Obama - eine Anspielung darauf, dass sie aus Sicht republikanischer Kritiker nur die Politik Obamas fortsetzen werde. 

Besondere Aufmerksamkeit erzielte Clinten überdies schon Minuten nach Bekanntgabe ihrer Kandidatur mit ihrem Kampagnenlogo. In der blau-roten Optik bildet ein roter, nach rechts zeigender Pfeil den Querbalken eines blauen "H" - was einige Kritiker in den sozialen Netzwerken zu der Frage veranlasste, ob die Demokratin nun politisch nach rechts driftet.

Andere bemerkten, es erinnere an einen Wegweiser zum nächstgelegenen Krankenhaus, an die Nationalflagge Kubas oder das Twitter-Logo der Enthüllungsplattform Wikileaks. Böse Zungen behaupteten gar, das simpel gehaltene Design sei mit der einfachen Mal-Software Microsoft Paint gezeichnet oder von einem Grundschüler gestaltet worden.

Die so verspottete oder zur Superheldin glorifizierte Clinton setzt derweil demonstrativ auf Bescheidenheit. Sie weiß genau, dass sie nur damit gegen das Vorurteil angehen kann, sie sei durch ihre jahrzehntelange Einbindung ins politische Establishment längst abgehoben. Daher lässt die 67-Jährige selbst einfachste Symbolik nicht aus und reist in einem Kleinbus zu ihrem ersten Wahlkampfauftritt im Bundesstaat Iowa. Statt ein Flugzeug für die 1600 Kilometer lange Reise von New York zu nehmen, fuhr die 67-Jährige am Montag quer durch den Mittleren Westen.

Laut ihrem Wahlkampfteam will Clinton in den kommenden sechs bis acht Wochen den direkten Kontakt zu den Wählern suchen. Am Dienstag ist eine Diskussionsveranstaltung zur Bildungspolitik in der Kleinstadt Monticello in Iowa geplant. Eine erste Großkundgebung dürfte die frühere Außenministerin und First Lady frühestens im Mai abhalten.

"Als Hillary uns erstmals sagte, dass sie bereit wäre, per Straße nach Iowa zu fahren, schauten wir sie an und fragten: 'Im Ernst?' Und sie sagte: 'Im Ernst'", erzählte Clintons Beraterin Huma Abedin von den ungewöhnlichen Reiseplänen. Clintons Team nutzt vor allem soziale Medien im Internet, um die Wähler über den Roadtrip der Präsidentschaftsbewerberin auf dem Laufenden zu halten. Im Onlinedienst Twitter stellten sie etwa ein Foto einer Begegnung Clintons mit einer Familie an einer Tankstelle ein.

 

(AFP dpa)
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