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Kommentar: Hillary Clintons kleine Sensation

VON GODEHARD UHLEMANN - zuletzt aktualisiert: 09.01.2008 - 07:38

New York (RP). Der junge afroamerikanische Hoffnungsträger der Demokraten, Barack Obama (46), ist bei der Vorwahl in New Hampshire von seiner Parteigenossin Hillary Clinton (61) überraschend gestoppt worden. Das kommt einer kleinen Sensation gleich, denn die Demoskopen hatten bis zuletzt Obama, dessen Mutter Amerikanerin und desssen Vater Kenianer ist, als Favorit vorn gesehen und dem Senator aus Illinois einen Vorsprung von 13 Punkten ausgerechnet. Damit sind die Demoskopen die eigentlichen Verlierer der Vorwahl.

Hillary Clinton, Senatorin von New York und erste Frau mit reellen Chancen, US-Präsidentin zu werden, ist nach ihrem schmachvollen dritten Platz in Iowa am 3. Januar nun zurück im Rennen. Die einstige First Lady wird den Schwung des Sieges nun in den Super Tuesday am 5. Februar mitnehmen und versuchen, bis dahin Obama zu entzaubern. Am 5. Februar stehen Vorwahlen in 22 Bundesstaaten an. Danach werden sich im Lager der Demokraten wie auch bei den Republikanern die Fronten klären und die Spitzenkandidaten für die Präsidentenwahl am 4. November klarer herausschälen.

Kein Selbstläufer

Obama hat in New Hampshire nicht so punkten können, wie er es sich nach seinem Sieg in Iowa ausgerechnet hatte. Seine Kandidatur ist eben doch kein Selbstläufer, der auf seiner Jugendlichkeit und dem Versprechen von Wechsel und Neuanfang in Amerika fusst.

Der offensichtliche Sieg von Hillary Clinton sagt auch etwas über die politische Risikobereitschaft der Amerikaner aus. Iowa und New Hampshire sind Staaten mit mehrheitlich weißer Bevölkerungsstruktur. Dass Obama in New Hampshire doch noch von Clinton abgefangen werden konnte, geht möglicherweise auf die Mobilisierung der Wähler zurück. New Hampshire kennt die Besonderheit, dass nicht nur eingetragene Parteianhänger über die Kandidaten abstimmen dürfen, wie es in Iowa war. Alle Wahlberechtigten unter den knapp 1,3 Millionen Einwohnern des kleinen Staates im Nordosten der USA dürfen zu den Urnen gehen. Damit wird die Vorwahl in diesem Bundesstaat zu einem wirklichen Stimmungstest in der amerikanischen Bevölkerung.

Clinton setzte auf Gefühle

Clinton, die bisher als weitgehend emotionslos galt, hatte im Wahlkampf in New Hampshire wenige Stunden vor Öffnung der Wahllokale auf die Karte der Gefühle gesetzt. Mit Tränen in den Augen und brüchiger Stimme erklärte sie, dieses Land habe so viel für sie getan, deshalb wolle sie es nicht zurückfallen sehen. Immer wieder betonte sie ihre politische Erfahrung im Gegensatz zu Obama, der nichts weiter als schön reden könne. Bei Clinton kommt nun ihre politische Strategie zum Tragen, die politische Erfahrung gegen einen Wohlfühl-Wahlkampf Obamas setzt und damit punktet.

Nach Clinton und Obama kam der frühere Senator John Edwards bei den Demokraten auf den dritten Platz. Edwards erklärte, er wolle weiter im Rennen um die Nominierung bleiben. Das ist konsequent, denn New Hamshire schickt gerade mal 30 von insgesamt 4049 Delegierten zum Nominierungsparteitag der Demokraten für die Präsidentenwahl. Aus Iowa kommen 56 Delegegierte. Nach dem Super Tuesday wird sich für Edwards dann die entscheidende Frage nach seiner wirklichen Chance stellen.

Bei den Republikanern ist die Vorwahl in New Hampshire erwartungsgemäß verlaufen. Ihr Star ist John McCain (71), der seinen schärfsten Rivalen Mitt Romney weit hinter sich ließ. New Hampshire ist für den Vietnam-Veteran McCain kein Neuland. Vor acht Jahren gewann er hier die Vorwahl gegen den späteren US-Präsidenten George W. Bush. Der Sieger von Iowa bei den Republikanern, der frühere Baptistenprediger John Huckabee, kam abgeschlagen auf Platz drei.

Auch hier gilt: Die großen Staaten und Schwergewichte bei den Vorwahlen kommen noch. Generell gilt für beide Parteien, Siege und vordere Plätze auch in kleinen Staaten sind insofern wichtig, weil dann die Chancen auf Unterstützung der Medien und der Geldgeber für die sehr teuren Wahhlkämpfe steigen. Amerika liebt Sieger. Sie sind attraktiver, denn niemand wählt gern Verlierer. Aus diesem Grunde sind die Vorwahlen oft auch so verbissen.

Quelle: RP

 
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