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Hintergrund
Diese Länder kämpfen um Einfluss in Syrien

USA und Verbündete attackieren Ziele in Syrien
USA und Verbündete attackieren Ziele in Syrien FOTO: dpa, nwi
Istanbul . Der Bürgerkrieg in Syrien hat sich in den vergangenen Jahren zu einem internationalen Konflikt ausgeweitet. Mehrere ausländische Mächte ringen in dem Land um Einfluss. Ihnen geht es im Syrien-Konflikt um geopolitische Interessen, aber auch um einen Anteil an Syriens Ölvorkommen, die Eindämmung der eigenen Feinde und um die Wähler in der Heimat. Ein Überblick über die Gemengelage.

Russland

Präsident Wladimir Putin steht seit Beginn des Krieges Mitte März 2011 fest an der Seite von Machthaber Baschar al-Assad. Mit seiner militärischen Intervention 2015 hat Russland den Sturz seines langjährigen Verbündeten verhindert und den Krieg zu dessen Gunsten gewendet. Russland hat damit seine einzige Marinebasis im Mittelmeer gesichert und einen neuen Luftwaffenstützpunkt bei Latakia etablieren können.

Mit dem Einsatz ist es Putin gelungen, Russland international wieder als Großmacht zu positionieren, an der in Syrien kein Weg vorbeiführt. Bei den russischen Wählern kommt die neue Stärke gut an.

USA

Den USA geht es in Syrien vor allem um die Vernichtung der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Seit 2014 flog die US-Armee daher an der Spitze einer internationalen Koalition Luftangriffe gegen IS-Stellungen. US-Präsident Donald Trump ordnete aber auch Angriffe auf Assads Truppen an. Im April 2017 ließ er als Reaktion auf einen Giftgasangriff in Chan Scheichun eine syrische Militärbasis mit Raketen beschießen. Ein Jahr später flogen die USA nun gemeinsam mit Großbritannien und Frankreich erneut Vergeltungsangriffe in Syrien, um Anlagen des mutmaßlichen syrischen Chemiewaffenprogramms zu zerstören.

Mit den Militäreinsätzen zog sich Trump den Zorn von Assads Verbündetem Russland zu. Auch mit dem Nato-Partner Türkei liegt Washington im Syrien-Konflikt über Kreuz. Im Kampf gegen die IS-Miliz in Nordsyrien setzten die USA auf die mit Ankara verfeindeten kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), die sie mit Waffen, Ausbildern und Spezialkräften unterstützten.

Iran

Als einziger Verbündeter in der arabischen Welt und als Brücke zur libanesischen Hisbollah-Miliz ist Syrien für Teheran seit den 80er Jahren von strategischer Bedeutung. Die iranischen Revolutionsgarden schickten daher früh "Militärberater" nach Syrien, um den Sturz Assads zu verhindern, und entsandten später auch irakische und afghanische Söldnermilizen.

Der Einsatz ist kostspielig für Teheran und sorgt zunehmend für Unmut in der Bevölkerung. Der iranischen Führung scheint jedoch kein Preis zu hoch, um ihren Verbündeten an der Macht zu halten. Ziel ist eine durchgehende Einflusssphäre vom Irak über Syrien bis zum Libanon.

Türkei

Ankara unterstützt seit Beginn des Konflikts die Freie Syrische Armee (FSA) und andere Rebellengruppen im Kampf gegen Assad. Dass die Türkei dabei auch mit radikalen Islamisten paktierte, brachte ihr Kritik der Nato-Partner ein. Zugleich hat die Türkei drei Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen, was zunehmend zu Spannungen in der Bevölkerung führt.

Bis heute fordert Präsident Recep Tayyip Erdogan den Sturz Assads, doch wichtiger ist für ihn die Eindämmung der Kurdenmiliz YPG, die eng mit der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verbunden ist. Mitte März nahm die türkische Armee zusammen mit verbündeten syrischen Rebellen die von der YPG-Miliz kontrollierte Stadt Afrin in Nordsyrien ein.

Golfstaaten

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar waren neben der Türkei lange die wichtigsten Unterstützer der Rebellen. Besonders Katar schreckte dabei auch nicht vor Schützenhilfe für den syrischen Al-Kaida-Ableger und andere radikale Islamisten zurück. Heute ist die Unterstützung vorwiegend politischer Art, und besonders Riad setzt sich als Vermittler ein. Das streng sunnitische Königreich ist in Syrien vor allem an der Eindämmung seines schiitischen Rivalen Iran interessiert.

Israel

Größte Sorge Israels ist, dass sich die Hisbollah und die iranischen Revolutionsgarden an seiner Grenze festsetzen. Israels Luftwaffe flog in den vergangenen Jahren dutzende Angriffe auf Waffenkonvois für die Hisbollah, auf Waffenfabriken und Stützpunkte in Syrien. Es will auf jeden Fall verhindern, dass der Iran Militärbasen und einen Marinestützpunkt am Mittelmeer erlangt.

Seit dem Abschuss einer angeblich iranischen Drohne über Israel Anfang Februar und dem Abschuss eines israelischen Jets, der iranische Stützpunkte in Syrien bombardiert hatte, droht eine Eskalation. Anfang April griffen israelische Kampfjets nach Angaben der Regierung in Damaskus und ihrer Verbündeten in Moskau und Teheran einen syrischen Militärflughafen an.

(felt/AFP)
 
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