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Angst vor neuem Bürgerkrieg im Libanon: Hisbollah besetzt den Westen Beiruts

zuletzt aktualisiert: 09.05.2008 - 16:49

Beirut (RPO). Im Libanon wächst die Angst vor einem neuen Bürgerkrieg. In Beirut kam es am Freitag zu heftigen Straßengefechten. Der schiitischen Hisbollah-Miliz gelang es, muslimische Stadtteile im Westen in ihre Gewalt zu bringen. Die Truppen der pro-westlichen Regierung leisten erbittert Widerstand. 

Die betroffenen Viertel waren demnach Hochburgen der anti-syrischen Mehrheit im libanesischen Parlament um den Politiker Saad Hariri. An dessen Residenz schlug am Morgen eine Rakete ein. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte ein Ende der Gewalt. Die Arabische Liga erwägt eine Dringlichkeitssitzung ihrer Außenminister.

Nach Angaben eines Fotografen der Nachrichtenagentur AFP und von Augenzeugen bezogen Hisbollah-Kämpfer in den westlichen Stadtteilen Sarif, Malla, Sokak el Blat, Chandak el Ghamik und Aischa Bakkar Stellung. Auf den Straßen waren bewaffnete Milizionäre zu sehen, wie aus Sicherheitskreisen verlautete. Zwar beruhigten sich die Kämpfe im Laufe des Tages. Dennoch würden die Mitglieder von Hariris Partei aus Angst vor weiteren Auseinandersetzungen mit Schiiten aus den besetzten Vierteln in Sicherheit gebracht, hieß es aus Parteikreisen.

Eine Rakete traf am Freitagmorgen die Mauer um Hariris Residenz im Westen Beiruts, wie es aus dem Umfeld des Politikers hieß. Es habe keine Opfer gegeben. Die Hisbollah zwang zudem die Medien der anti-syrischen Familie Hariri zu schließen. Es habe Drohungen von bewaffneten Hisbollah-Anhängern gegeben, sagte ein Vertreter der Mediengruppe.

Auslöser der Gewalt war eine Rede von Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah. Er hatte der anti-syrischen Regierung am Donnerstag vorgeworfen, sie habe der Hisbollah den Krieg erklärt, indem sie Ermittlungen zu deren Telekommunikationsnetzwerk eingeleitet habe. Am Donnerstag kamen nach Angaben von Sicherheitskräften mindestens elf Menschen ums Leben, 30 Menschen wurden demnach verletzt.

Die libanesische Regierung forderte angesichts der Kämpfe mit der Hisbollah-Miliz, auf Syrien und den Iran internationalen Druck auszuüben. Die Hisbollah sei "vollkommen abhängig von diesen beiden Regimen", sagte Telekommunikationsminister Marwan Hamadé dem Nachrichtensender France 24. Werde nichts unternommen, drohe im Libanon die Errichtung eines neuen radikal-islamischen Regimes im Nahen Osten.

Dass eine vom Iran unterstützte Gruppe die Kontrolle über den Libanon übernehme, werde Ägypten nicht zulassen, sagte ein ägyptischer Diplomat der Nachrichtenagentur AFP in Kairo und forderte deshalb eine Dringlichkeitssitzung der Arabischen Liga. Israel warf dem Iran vor, die Gewalt im Libanon zu schüren. Die Ereignisse seien nicht überraschend, sagte Präsident Schimon Peres. "Dies ist ein neues Kapitel in dem vom Iran geführten Kampf, den Nahen Osten regieren zu wollen." Der syrische Präsident Baschar el Assad hingegen bezeichnete die Krise im Libanon nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Sana als "innere Angelegenheit" des Landes.

Italien bereitete nach Angaben von Außenminister Franco Frattini einen Plan zur Evakuierung seiner Landsleute aus Beirut vor. Steinmeier sagte, die Unruhen zeigten, dass "eine Beilegung des politischen Konflikts im Libanon nicht weiter warten kann". Das Parlament sei deshalb aufgerufen, "endlich das Vakuum an der Spitze des Staates zu füllen" und einen Präsidenten zu wählen. Die Wahl soll nach unzähligen Verschiebungen nun am 13. Mai stattfinden. Das Präsidentenamt ist seit dem Ende der Amtszeit von Emile Lahoud im November unbesetzt.

Quelle: afp

 
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