Kämpfe im Libanon: Hisbollah-Miliz stürmt TV-Sender
zuletzt aktualisiert: 09.05.2008 - 10:08Beirut (RPO). Die Krise im Libanon spitzt sich zu: Die schiitische Hisbollah-Miliz hat regierungstreue Fernsehsender besetzt und die Journalisten gezwungen, ihre Arbeit einzustellen. In der Nacht gingen in der Hauptstadt Beirut die Kämpfe weiter.
Die Fernsehsender Future TV und Future News, die Tageszeitung "El Mustakbal" und Radio Orient hätten "ihre Türen geschlossen" und seien unter die Kontrolle der Armee gestellt worden, sagte ein Vertreter der Mediengruppe am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Es habe Drohungen von bewaffneten Hisbollah-Anhängern gegeben. Die Medien gehören der anti-syrischen Familie Hariri. Rafik Hariri war zweimal Ministerpräsident des Landes und wurd 2005 ermordet.
Die Kämpfe zwischen Anhängern der pro-westlichen Regierung und Anhängern der von Syrien unterstützten Hisbollah dauerten am Freitag den dritten Tag in Folge an. Während der ganzen Nacht waren Maschinengewehrschüsse und Raketeneinschläge in der Hauptstadt zu hören.
Die Auseinandersetzungen konzentrierten sich vor allem auf den Westen von Beirut. Kämpfer der schiitischen Hisbollah-Organisation hatten mehrere bisher sunnitisch dominierte Viertel Beiruts unter ihre Kontrolle gebracht. Sie verschärften damit die schwerste Krise im Libanon seit 20 Jahren. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen vom Freitag wurden in dreitägigen Straßenkämpfen bisher elf Menschen getötet und 20 verletzt.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat die rivalisierenden Parteien im Libanon zu einer sofortigen Einstellung der Kämpfe aufgefordert. Das Gremium rief in New York ferner beide Seiten zu Gesprächen über eine Beilegung der Krise auf.
Auslöser der jüngsten Unruhen war am Mittwoch ein Generalstreik der Opposition. Am Donnerstag weiteten sich die Kämpfe auch auf andere Landesteile aus. Beobachteter in Beirut werteten es als Zeichen einer Niederlage der Regierungstruppen, dass die Fernsehsender den Sendebetrieb einstellten.
Saad Hariri, Sohn des ermordeten Ministerpräsidenten Rarik, appellierte im libanesischen Fernsehen an Hisbollah-Chef Scheich Hassan Nasrallah, den Kämpfen Einhalt zu gebieten. Ein Abgleiten in einen Bürgerkrieg müsse unbedingt verhindert werden. Nasrallah hat der Regierung vorgeworfen, seiner Organisation den Krieg erklärt zu haben. Das prowestliche Kabinett von Ministerpräsident Fuad Siniora hat beschlossen, das private Telekommunikationsnetz der schiitischen Miliz zu schließen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum