G8-Gipfeltreffen: Hoffnungen, Forderungen, Randale
zuletzt aktualisiert: 07.07.2005 - 09:53Gleneagles (rpo). Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen hat am Mittwochabend das Gipfeltreffen der sieben führenden Industriestaaten und Russlands (G8) in Schottland begonnen. Rund 10.000 Polizisten sicherten das Gelände rund um den Tagungsort in Gleneagles, wo Königin Elizabeth II. die Gäste zu einem feierlichen Abendessen begrüßte. Bei einem zeitgleich stattfindenden Live-8-Konzert in Edinburgh rief der ehemalige südafrikanische Staatschef und Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela die G8 auf, stärker gegen die Armut in Afrika vorzugehen.
Die wichtigsten Themen des Gipfeltreffens sind die Entwicklungshilfe für Afrika und der Klimaschutz. Die Staats- und Regierungschefs der G8 dürften "nicht wegschauen" und zögern, wenn es um den Kampf gegen die Armut gehe, sagte Mandela in einer vorab aufgezeichneten Botschaft, die am Abend beim Abschlusskonzert der Live-8-Initiative in Edinburgh vor rund 60.000 Zuschauern auf einem Großbildschirm übertragen wurde. "Geben Sie zu, dass es die Welt nach Taten durstet, nicht nach Worten", sagte der frühere Präsident. "Seien Sie mutig." Die nötigen Schritte seien klar: Die reichen Länder müssten für gerechten Handel sorgen, die Schuldenkrise der ärmsten Länder beenden und "viel mehr Hilfe leisten" als bislang.
Auch die Musiker Bono von der irischen Rockband U2 und Bob Geldof riefen die Staats- und Regierungschefs noch einmal eindringlich auf, die Hilfen für Afrika zu verdoppeln. Die Gespräche stünden auf Messers Schneide, sagte der U2-Sänger vor Journalisten am Tagungsort, einem luxuriösen Golfhotel in den Highlands. Es stehe viel auf dem Spiel, vor allem das Leben von Millionen Menschen in Afrika. Wenn der Gipfel keinen Durchbruch erziele, würden aber auch die Hoffnungen von Millionen Menschen enttäuscht, die sich in den vergangenen Tagen bei Konzerten und Demonstrationen für mehr Afrika-Hilfen eingesetzt hätten. Geldof hatte im Rahmen der Live-8-Initiative zehn Konzerte auf vier Kontinenten organisiert, zu denen sich am Samstag hunderttausende Menschen eingefunden hatten.
Bei Protesten gegen das Gipfeltreffen in Gleneagles nahm die Polizei mehr als hundert Menschen fest. Etliche Polizisten seien im Einsatz leicht verletzt worden, verlautete aus Polizeikreisen. Um weitere Ausschreitungen am Rande des G8-Treffens im schottischen Gleneagles zu verhindern, hat die Polizei am Donnerstagmorgen ein Aktivisten-Camp abgesperrt. Nach BBC-Angaben schufen die Einsatzkräfte eine Sicherheitszone rund um das Camp von 5000 Globalisierungsgegnern in Stirling. Weitere Polizisten wurden eingeflogen. Mit mehr als 4000 Polizisten ist es einer der größten Einsätze in der Geschichte des Landes.
Kompromiss bei Klimaschutz
Bei den Beratungen über die Klimaschutzziele zeichnet sich offenbar ein Kompromiss ab. Die Abschlusserklärung des Gipfels werde zwar keine konkreten Richtwerte enthalten, wie stark der Ausstoß von Treibhausgasen verringert werden müsse, sagte ein Vertreter der italienischen Regierung am Mittwochabend. Die Unterhändler der acht vertretenen Staaten hätten sich aber auf einen Aktionsplan geeinigt, der verschiedene Maßnahmen für eine Reduktion der Treibhausgase aufliste.
"Das ist ein Kompromiss, der für alle okay ist", sagte der italienische Unterhändler Cesare Ragaglini. Der genaue Wortlaut der Erklärung könne sich im Laufe des Gipfeltreffens noch ändern, im Grundsatz bestehe aber Einigkeit.
Auch aus der deutschen Delegation verlautete, Richtwerte aus dem Kyoto-Protokoll für Klimaschutz werde die Abschlusserklärung nicht übernehmen. Dies würden die USA nicht mittragen. Die USA sind der einzige G-8-Staat, der das Klimaschutz-Protokoll von 1997 nicht ratifiziert hat. US-Präsident George W. Bush erklärte das Kyoto-Protokoll am Mittwoch unmittelbar vor Beginn des Gipfels für gescheitert.
Die Staats- und Regierungschefs wollten am Vormittag (11.00 Uhr MESZ) zu Arbeitssitzungen zusammenkommen. Bis zuletzt hatte es harte Verhandlungen vor allem mit den USA gegeben, die sich gegen Reduktionsverpflichtungen sperren. Weiteres Thema des zweiten Gipfeltages sollte auch die Lage der Weltwirtschaft sein. Dabei wollte sich Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) für eine Initiative zu Senkung der Ölpreise einsetzen. Außerdem wollten die G-8-Staats- und Regierungschefs mit ihren Kollegen aus China, Indien, Mexiko, Brasilien und Südafrika zusammentreffen. Zur G8 gehören neben Großbritannien die USA, Kanada, Deutschland, Italien, Frankreich, Japan sowie Russland.
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