| 21.34 Uhr
Präsidentschaftswahl in Frankreich
Hollande gewinnt, Le Pen überrascht
Frankreich: Jubel bei Rechten und Sozialisten
Frankreich: Jubel bei Rechten und Sozialisten FOTO: dapd, Laurent Cipriani
Brüssel. Der Sozialist François Hollande hat die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich gewonnen. In den Hochrechnungen liegt er klar vor Amtsinhaber Nicolas Sarkozy. Für Entsetzen sorgte der überraschende Erfolg der Rechtspopulistin Marine Le Pen, die 20 Prozent der Stimmen holte.

Der konservative Präsident Nicolas Sarkozy musste am Sonntag eine herbe Niederlage einstecken. Sein sozialistischer Herausforderer François Hollande lag in den Hochrechnungen vorne. Für die Stichwahl gegen Sarkozy am 6. Mai gilt er nunn als klarer Favorit.

Hollande kam in den Hochrechnungen, die nach Schließung der letzten Wahllokale am Sonntagabend um 20 Uhr veröffentlicht wurden, auf Werte zwischen 28,4 und 29,3 Prozent. Damit können sich die Sozialisten erstmals wieder seit 1988 berechtigte Hoffnungen machen, eine Präsidentenwahl für sich entscheiden.

In allen Umfragen wird dem 57-jährigen Hollande für die Stichwahl ein Vorsprung von rund zehn Prozentpunkten vor Sarkozy vorhergesagt. Der Präsident, der zum Ende seiner Amtszeit unbeliebter ist als alle seine Vorgänger, kam laut den Hochrechnungen auf 25,5 bis 27 Prozent.

Sarkozy schlägt drei TV-Debatten vor

Präsident Nicolas Sarkozy schlug Hollande vor, vor der Stichwahl in zwei Wochen drei Fernsehdebattenzu veranstalten . Die drei Begegnungen sollten drei Themen gewidmet sein: Wirtschaft, Gesellschaft und Außenpolitik, so Sarkozy am Abend vor Anhängern in Paris. Hollande lehnte den Vorschlag umgehend ab. Er werde die Planung nicht ändern und nur eine Debatte mit Sarkozy führen, "egal wie lange sie dauert".

Der Präsident gab sich trotz eines Rückstands von gut zwei Prozentpunkten auf Hollande kämpferisch. "Ich werde alle Energie reinstecken, derer ich fähig bin", sagte der 57-Jährige. "Alles fängt erst an."

Marine Le Pen sorgt für einen Paukenschlag

Die Überraschung des Wahlsonntags war jedoch die rechtsextreme Kandidatin Marine Le Pen: Sie kam mit 18,2 bis 20 Prozent auf den dritten Platz und konnte damit nicht nur deutlich mehr Stimmen als die ihr vorhergesagten 16 Prozent erringen, sondern auch das historisch beste Ergebnis für ihre Partei Front National. Für die Meinungsforscher Frankreichs ist ihr Erfolg ein kleines Waterloo. Schon mehrfach sind sie daran gescheitert, das Abschneiden der Rechtsextremen richtig einzuschätzen.

Der Linkskandidat Jean-Luc Mélenchon kam auf 10,8 und 11,7 Prozent und der Zentrumspolitiker François Bayrou auf 8,5 und 9,1 Prozent. Die grüne Kandidatin Eva Joly landete bei um die zwei Prozent.

Bis zur Stichwahl wird es für Hollande und Sarkozy nun darum gehen, die Wähler der ausgeschiedenen Kandidaten für sich zu gewinnen. Meinungsforscher erwarten, dass die linken Wähler in der zweiten Runde mehrheitlich für Hollande stimmen werden. Mehrere Kandidaten aus dem linken Spektrum machten am Wahlabend ihre Unterstützung für den 57-Jährigen deutlich.

Mélenchon unterstützt Hollande

Der Linkskandidat Jean-Luc Mélenchon rief am Sonntag dazu auf, den konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy in der Stichwahl am 6. Mai "zu schlagen". "Unser Volk scheint fest entschlossen zu sein, die Sarkozy-Jahre abzuschließen." Die grüne Kandidatin Eva Joly rief ihre Anhänger ebenfalls auf, in der Stichwahl für Hollande zu stimmen.

Im Lager der Sozialisten wurde der überraschende Erfolg der Rechtsnationalen bereits schnell ein heiß diskutiertes Thema. Ségolène Royal, Spitzenkandidatin im Jahr 2007 und Ex-Frau von Hollande, forderte ihre Parteifreunde laut "Figaro" auf, sich nun mit der Klientel der Rechten zu befassen. Angesichts des guten Abschneidens von Marine Le Pen sei nun Überzeugungskraft gefordert. "Der FN (Front National, die Red.) hat sich verbessert, es bringt nichts das zu verdrängen", sagte Royal. Ihre Schlussfolgerung: "Wir müssen uns jetzt um diese Wähler kümmern, sie verstehen."

Es könnte enger werden als gedacht

Damit könnte es bei der Stichwahl in zwei Wochen doch noch knapper zugehen, als es die Umfragen bisher erwarten ließen. Eine entscheidende Rolle dürften die Wähler des Front National einnehmen. Von der politischen Couleur passen sie eher zu den Ansichten des Konservativen Sarkozy. Fraglich bleibt allerdings, wie groß die Menge der reinen Protestwähler des FN ausfällt. Sie werden  in zwei Wochen vermutlich entweder zuhause bleiben oder mehrheitlich für Hollande votieren, um Sarkozy abzustrafen.

Sarkozy wird vermutlich versuchen, die Le-Pen-Wähler für sich zu gewinnen. Bei den Wahlen 2007 schöpfte er viele Stimmen aus dem rechten Spektrum ab, 2012 sind ihm die Sympathien der Rechten in diesem Umfang verwehrt geblieben.

Unklar ist noch, wie sich die Bayrou-Wähler entscheiden, die sowohl von links als auch von rechts umworben werden.

Hohe Wahlbeteiligung

Sozialisten-Chefin Martine Aubry sprach im Fernsehsender TF1 von einer "schrecklichen Ablehnung" Sarkozys. Das Votum sei gleichzeitig ein Vertrauensbeweis für Hollande. Der Chef von Sarkozys konservativer Partei UMP, Jean-François Copé, forderte die Anhänger des Präsidenten im Sender TF1 auf, weiter zu kämpfen.

Überraschend hoch war die Wahlbeteiligung, die nach Schätzungen der Institute rund 80 Prozent erreichen dürfte. Rund 44,5 Millionen Franzosen waren zur Wahl aufgerufen. Hollande war am Vormittag zusammen mit seiner Lebensgefährtin Valérie Trierweiler in Tulle in der zentralfranzösischen Corrèze wählen gegangen, wo er seine politische Heimat hat.

Er hatte im Wahlkampf mehrfach daran erinnert, dass erstmals wieder seit Präsident François Mitterrand die Chance für die Sozialisten bestehe, das Präsidentenamt zu übernehmen. Sarkozy stimmte mit seiner Frau Carla Bruni-Sarkozy in Paris ab.

Quelle: AFP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung.
Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.


Melden Sie diesen Kommentar