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Flüchtlingsboot gekentert
Hunderte neue Tote im Mittelmeer befürchtet

Flüchtlingsboot gekentert: Hunderte neue Tote im Mittelmeer befürchtet
Ein Pass, der nach dem Kentern der Boote aufgefunden wurde. FOTO: ap
Tripolis/London. Nach dem Kentern von zwei Flüchtlingsbooten vor der libyschen Küste werden nach Medienberichten Hunderte Tote befürchtet. Der britische Sender BBC zeigte am frühen Freitagmorgen Fernsehbilder von zahlreichen Leichensäcken.

Laut Aktivisten sind mindestens 65 Leichen in die Stadt Suwara gebracht worden. 190 Menschen seien gerettet, erklärte das Suwara-Medienzentrum am Freitag. Die genaue Zahl der Opfer sei allerdings völlig unklar. Eine Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR in Libyen sagte, es gebe sehr unterschiedliche Zahlen, die bisher nicht verifiziert werden konnten. Der britische Sender BBC hatte berichtet, auf dem einen gekenterten Boot seien 50 Menschen gewesen, auf dem anderen 400. 

Zwölf Tote, darunter Kinder, seien geborgen worden, erklärte die Hilfsorganisation Migrant Report in Malta unter Berufung auf Behörden in Libyen. "Es ist ein totales Chaos, wir haben kaum Ressourcen für eine kleine Rettungsaktion, geschweige denn für soetwas", zitierte die Organisation einen Behördenvertreter.

Die italienische Küstenwache, die auch Rettungseinsätze vor der libyschen Küste koordiniert, erklärte, zu der möglichen neuen Katastrophe seien bei Ihnen keine Notrufe eingegangen. Eine Sprecherin des Flüchtlingswerkes UNHCR in Libyen sagte, es gebe widersprüchliche Informationen zu der Zahl der Opfer.

Seit Beginn des Jahres haben nach UN-Angaben bereits mehr als 300.000 Flüchtlinge den lebensgefährlichen Weg über das Mittelmeer nach Europa genommen. Rund 2500 Menschen seien dabei ums Leben gekommen, sagte die Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR), Melissa Fleming, am Freitag. Fast 200.000 Menschen erreichten demnach Griechenland, weitere 110.000 gelangten nach Italien.

Die libysche Küstenstadt Suwara gehört zu einer der wichtigsten Anlaufstellen für Flüchtlinge. Tausende versuchen, von hier aus über das Mittelmeer nach Europa zu kommen. Die libyschen Behörden und die Küstenwache sind mit der großen Anzahl Flüchtlinge überfordert.

Seit dem Sturz des Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 versinkt das ölreiche Land im Chaos. Derzeit konkurrieren zwei Regierungen und zwei Parlamente miteinander. Zudem bekämpfen sich zahlreiche Milizen. Gespräche über eine friedliche Lösung der Krise unter Vermittlung der UN kommen nur schleppend voran. Das Chaos machen sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und andere Extremisten zunutze, die zahlreiche Gebiete beherrschen.

(dpa/AFP)
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