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Staatsbegräbnis in Ankara: Hunderttausend Türken nehmen Abschied von Ex-Regierungschef Ecevit

zuletzt aktualisiert: 11.11.2006 - 15:50

Ankara (RPO). Mehr als hunderttausend Menschen haben am Samstag in Ankara Abschied von dem ehemaligen türkischen Ministerpräsidenten Bülent Ecevit genommen. In einem langen Trauerzug wurde der in eine türkische Flagge gehüllte Sarg mit dem am vergangenen Sonntag im Alter von 81 Jahren Verstorbenen zum Nationalfriedhof gebracht.

Zuvor erwiesen die höchsten Würdenträger des Staates Ecevit im Parlament die letzte Ehre, darunter Staatschef Ahmet Necdet Sezer und Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Aus Angst vor Protesten gegen die amtierende Regierung waren rund 10.000 Polizisten im Einsatz.

Schon in der Nacht versammelten sich zahlreiche Anhänger trotz der Kälte vor dem Sitz von Ecevits Demokratischer Linkspartei (DSP). Dorthin wurde der Sarg vom Krankenhaus zunächst transportiert, bevor er in das Parlament überführt wurde. Hier nahmen Staatschef Sezer, Ministerpräsident Erdogan und der politische Dauerrivale Ecevits, Süleyman Demirel, von dem Toten Abschied. Im Anschluss führte der Trauerzug zur Kocatepe-Moschee, der größten Moschee Ankaras. Rund 20.000 Menschen waren auf dem Vorplatz zusammengekommen und riefen "Mann des Volkes, Ecevit". In der Umgebung wurden weitere zehntausende Menschen gezählt. Den ganzen Weg bis zum Friedhof säumten Trauernde die Straßen und warfen Blumen auf den Leichenwagen. Der "Vater der türkischen Sozialdemokratie" wurde auf dem Friedhof beigesetzt, auf dem alle ehemaligen türkischen Präsidenten beerdigt sind.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen

Die Polizei sicherte das Staatsbegräbnis mit rund 10.000 Sicherheitskräften. Im Vorfeld der Beisetzung war befürchtet worden, die Trauerfeiern könnten in Poteste gegen die konservative Regierung von Ministerpräsident Erdogan umschlagen. Dieser wird vorgeworfen, die laizistischen Grundlagen des Staats zu untergraben. An der Kocatepe-Moschee wurden der Regierungschef und seine Minister mit Buhrufen empfangen. In Sprechchören hieß es: "Die Türkei ist laizistisch und wird es bleiben".

Der fünfmalige Regierungschef Ecevit war am vergangenen Sonntagabend gestorben. Er hatte im Mai einen Schlaganfall erlitten und sich nicht wieder erholt. Der Politiker galt in seiner Heimat als Vater der Sozialdemokratie, überzeugter Patriot und Symbol von Rechtschaffenheit. International wird sein Name vor allem im Zusammenhang mit der Invasion der türkischen Armee auf Zypern 1974 genannt, die er nach einem griechisch-zyprischen Putsch befohlen hatte.

Der 1925 geborene Spross einer bürgerlichen Familie aus Istanbul arbeitete zunächst als Journalist und Dichter, bevor er in der damaligen sozialdemokratischen Partei CHP Karriere machte. 1966 wurde der charismatische Politiker Generalsekretär der Partei, 1972 Vorsitzender. Fast vier Jahrzehnte lang prägte Ecevit das politische Leben der Türkei. In den 80er Jahren musste Ecevit eine Haftstrafe absitzen, weil er sich gegen das Militär aufgelehnt hatte. In seine fünfte und letzte Amtszeit (1999-2002) fielen die Verhaftung von PKK-Chef Abdullah Öcalan, die EU-Beitrittskandidatur der Türkei und die Abschaffung der Todesstrafe.

Auch während seiner Zeit als Ministerpräsident blieb der Mann mit dem markanten schwarzen Schnauzbart seinem bescheidenen Lebensstil treu, was ihn von anderen türkischen Politikern unterschied. Nach seinem Rückzug aus der Politik schirmte Ecevits Frau Rahsan ihren Mann, der gelegentlich noch Gedichte schrieb, sorgsam ab. Das Paar blieb kinderlos.

Quelle: afp

 
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