Nach Ankündigung zum Verzicht auf Massenvernichtungswaffen: IAEA-Inspektoren zu erstem Kontrollbesuch in Libyen
zuletzt aktualisiert: 27.12.2003 - 17:27Amsterdam (rpo). In Libyen sind am Samstag Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) eingetroffen, um eine erste Bestandsaufnahme des Nuklearprogramms in dem nordafrikanischen Land vorzunehmen.
Der libysche Staatschef Muammar el Gaddafi hatte vor rund einer Woche angekündigt, künftig auf Massenvernichtungswaffen zu verzichten. IAEA-Generaldirektor Mohamed ElBaradei sagte, Tripolis sei nach bisherigen Erkenntnissen von der Produktion von Atomwaffen weit entfernt.
Libyen besitze offenbar nur ein "rudimentäres Programm", sagte ElBaradei. Dennoch wollte er nicht ausschließen, dass Hinweise auf die Produktion waffenfähigen Urans gefunden werden könnten. Nach US-Angaben hat Libyen eingeräumt, es habe Uran für Atomwaffen anreichern wollen.
Seit 15 Jahren keine Massenvernichtungswaffen produziert
Der libysche Außenminister Abdel Rahman Schalkam betonte, Tripolis sei zu umfassender Kooperation mit der IAEA bereit. In den vergangenen 15 Jahren habe Libyen keine Massenvernichtungswaffen produziert, sagte der Minister. Außerdem sei bereits vor rund vier Jahren mit dem Abbau des Programms begonnen worden. Schalkam sprach von einem "strategischen Schritt", dem weitere Staaten folgen sollten. Vor allem Israel solle mit der Beseitigung seiner Massenvernichtungswaffen beginnen, sagte Schalkam.
Unmittelbar nach ihrer Ankunft trafen die IAEA-Inspektoren mit libyschen Regierungsvertretern zusammen, wie das Außenministerium in Tripolis mitteilte. Die IAEA-Experten wollten zwei bis drei Tage in Libyen verbringen. Das Inspektorenteam sei aus Experten für Iran und Irak zusammengestellt, sagte ElBaradei. Die einen verfügten über Erfahrung beim Nachweis von Atomwaffenprogrammen wie in den frühen 90er Jahren in Irak, die anderen seien mit den Details fortgeschrittener Phasen der Urananreicherung vertraut. Auch nach möglichen "Verbindungen" zwischen den Nuklearprogrammen Libyens und Irans solle gesucht werden, sagte der IAEA-Chef.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum