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Israel und USA zunehmend nervös: Im Juli Militärschlag gegen Iran?

VON GREGOR MAYNTZ - zuletzt aktualisiert: 06.02.2012 - 02:30

München (RP/APD). Das Atomprogramm des Iran beunruhigt zunehmend Israel und die USA. Bei der Münchner Sicherheitskonferenz wurde bereits mehr oder minder offen über den Zeitpunkt für einen Angriff gesprochen. US-Präsident Barack Obama hofft weiterhin auf eine diplomatische Lösung.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmedinedschad hat Israel bereits mehrfach mit Vernichtung gedroht.  Foto: dpa, ABEDIN TAHERKENAREH
Der iranische Präsident Mahmud Ahmedinedschad hat Israel bereits mehrfach mit Vernichtung gedroht. Foto: dpa, ABEDIN TAHERKENAREH

Nach seiner Einschätzung hat Israel noch keine Entscheidung über einen Angriff auf Einrichtungen des umstrittenen iranischen Atomprogramms getroffen. "Ich glaube nicht, dass Israel schon entschieden hat, was es tun wird", sagte Obama am Sonntag in einem Interview des Fernsehsenders NBC. Die USA arbeiteten eng mit Israel zusammen, um die Krise "hoffentlich diplomatisch" zu lösen.

Vertreter Israels hatten zuletzt wiederholt angedeutet, die Streitkräfte des Landes könnten militärisch gegen das mutmaßliche Programm Irans zum Bau von Atomwaffen vorgehen. Bei der Münchner Sicherheitskonferenz wurde am Wochenende auch die wachsende Bereitschaft der USA deutlich, das Atomprogramm gewaltsam auszuschalten, falls Teheran nicht reagiert.

Die Uhr für ein freiwilliges oder erzwungenes Ende der iranischen Atompläne tickt. Nachdem am Freitag US-Verteidigungsminister Leon Panetta offensichtliche Absichten Israels enthüllt hatte, im April, Mai oder Juni einen Militärschlag gegen die Nuklearanlagen des Iran zu führen, nannte der einflussreiche US-Senator Joseph Lieberman bei der Münchner Sicherheitskonferenz am Sonntag indirekt den Juli als möglichen Termin für einen US-Angriff.

Zeit bis "Ende Juni"

"Ich bete darum, dass der Iran sein Atomprogramm aufgibt" sagte Lieberman. Es gebe Übereinstimmung in den USA, dass ein atomar bewaffneter Iran nicht akzeptiert werden könne. Zunächst sollten nach einer Direktive von Präsident Brack Obama am Verhandlungstisch alle Optionen ausgeschöpft werden.

Die internationale Gemeinschaft warte zugleich ab, ob die schärfer werdenden Sanktionen gegen den Iran das Regime "bis Ende Juni" zum Einlenken bringen könnten. Falls nicht, bestünden "ernste Interessen der USA, militärisch aktiv zu werden", unterstrich Lieberman. Falls der Präsident die gewaltsame Lösung ergreife, gebe es die parteiübergreifende Bereitschaft von Senat und Repräsentantenhaus, den Präsidenten darin zu unterstützen.

Es geht offenbar nur noch um Monate

Die Einschätzungen, bis zu welchem Zeitpunkt der Iran über funktionierende atomare Sprengköpfe verfügen wird, ist von den westlichen Geheimdiensten wiederholt nach hinten korrigiert worden. Hinzu komme eine weitere Zeitspanne, bis der Iran Trägersysteme habe, mit denen er Israel, Europa und die USA direkt atomar bedrohen könne. Mit Computer-Sabotage und direkten Angriffen auf iranische Computerspezialisten ist wiederholt versucht worden, das von Teheran stets öffentlich dementierte Programm zum Bau von Atombomben in die Länge zu ziehen.

Dass Israel trotzdem zunehmend nervös wird, hängt mit den Geheimdienst-Informationen zusammen, wonach sich "das Fenster der Gelegenheiten" schließt. Weil der Iran Fortschritte beim Schutz seiner Atomproduktion mache, sei es nur noch eine Phase von Monaten, während der sich diese Technologie in der Reichweite israelischer oder amerikanischer Bomben befinde.

Indirekte deutsche Beteiligung

Die gegenüber der israelischen zeitlich verzögerte US-Angriffsplanung hängt nach Spekulationen von Militärexperten möglicherweise damit zusammen, dass führende Pentagon-Experten Zweifel haben, die Atomkomplexe tatsächlich ausschalten zu können. Tests hätten eine noch nicht ausreichende Durchschlagskraft bunkerbrechender Bomben ergeben, zumal der Iran eine Kombination aus mehrfachen Schutzwirkungen entwickelt habe: Unterirdische Anlagen unter Felsen mit zusätzlicher Bunker-Ummantelung.

Eine indirekte deutsche Beteiligung an den Folgen eines Militärschlages gegen den Iran wird in Regierungskreisen nicht ausgeschlossen. Ein "Flankenschutz" für eine amerikanisch-israelische Angriffsformation durch Tornados mit Aufklärungs- oder Radarbekämpfungstechnik wird für nicht völlig ausgeschlossen, aber für eher unwahrscheinlich gehalten.

Berliner Diplomatie auf Hochtouren

Die Betonung aus höchsten Regierungskreisen, 2012 könne zum Jahr werden, in dem sich die unverbrüchliche Freundschaft und Solidarität zu Israel erweisen muss, wird viel mehr auf einen Schutz Israels bezogen. In den vertraulichen israelischen Szenarien wird davon ausgegangen, dass Israel nach einem Schlag gegen den Iran für einige Tage mit Raketenangriffen aus diesem Land zu rechnen habe. Für den Fall einer weiteren militärischen Eskalation und existenziellen Gefahr für israelische Städte könnte Deutschland fliegende Frühwarnkapazitäten auf den türkischen Flughafen Incirlik verlegen und "Patriot"-Abwehrraketensysteme in Israel stationieren.

Zunächst aber setzt die deutsche Diplomatie darauf, jeglichen Militärschlag durch Verhandlungen und Sanktionen zu vermeiden. Gleichzeitig laufen die Bemühungen auf Hochtouren, die israelischen Freunde davon zu überzeugen, dass der Verzicht auf ein gewaltsames Vorgehen zu allererst im israelischen Interesse sei. Selbst traditionell israel-feindliche arabische Länder orientierten sich derzeit um und gingen zum Iran und dem vom Iran gesteuerten Syrien auf Distanz. Das dürfe Israel nicht ins Gegenteil verkehren und eine vom Iran angeführte massive Front gegen Israel hervorrufen.

Quelle: RP/pst/csr

 
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