Gewalt in Nahost: Im Libanon wächst Angst vor Bürgerkrieg
zuletzt aktualisiert: 22.05.2007 - 09:08Tripoli /Gaza (RPO). Im Libanon liefern sich libanesischen Streitkräfte und die Miliz "Fatah Islam" den dritten Tag in Folge heftige Kämpfe. Zentrum der Gewalt ist das Flüchtlingslager Nahr el Bared in der Nähe von Tripoli im Norden des Landes. Palästinensische Gruppen bieten Vermittlung an. Ein Sprecher von "Fatah Islam" droht unterdessen offen mit Bürgerkrieg. Auch im Gazastreifen ist keine Entspannung der Lage in Sicht.
Die Lage im Libanon: Libanesische Truppen griffen vermutete Stellungen der islamischen Kämpfer an. Zur Verstärkung kamen weitere Einheiten der Streitkräfte in den Norden des Landes.
Palästinensische Organisationen bemühten sich um die Vermittlung eines Waffenstillstands. Der Vertreter des Islamischen Dschihads, Abu Ahmed Rifai, sagte, dass die Fatah Islam zugesichert habe, die Feindseligkeiten einzustellen und sich von der Frontlinie zurückzuziehen.
Ein Sprecher der Fatah Islam, Abu Salim, warnte jedoch vor einem das ganze Land erfassenden Bürgerkrieg, falls die Belagerung des Flüchtlingslagers nicht eingestellt werde. "Es ist ein Kampf auf Leben und Tod", sagte Abu Salim einer Nachrichtenagentur. "Sie wollen die Fatah Islam auslöschen. Wir werden antworten und wir wissen, wie wir antworten werden." Bei den Kämpfen wurden seit Sonntag mehr als 50 Menschen getötet.
Neuer Anschlag in Beirut
Bei einem Bombenanschlag in Beirut wurden am Montagabend fünf Menschen verletzt, unter ihnen nach Polizeiangaben auch zwei Jungen im Alter von sieben und elf Jahren. Mehrere Autos gingen in Flammen auf.
Der Anschlag ereignete sich in einem wohlhabenden Ladenviertel, das überwiegend von sunnitischen Muslimen bewohnt wird. Erst am Sonntag gab es einen Anschlag in einem christlichen Stadtteil von Beirut, bei dem eine Frau ums Leben kam.
Keine Entspannung in Gaza
Die Lage in Gaza: Auch im Gazastreifen spitzt sich der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern zu. Israel sperrte zum Auftakt eines jüdischen Festes die Grenzübergänge zu den Palästinensergebieten. Die Maßnahme sei um Mitternacht in Kraft getreten, teilte die israelische Armee mit. Journalisten, Ärzte, Mitarbeiter humanitärer Organisationen und Angehörige bestimmter Berufsgruppen können die Grenze zwischen Israel und dem Westjordanland beziehungsweise Gazastreifen weiter passieren.
Die Israelis feiern Dienstagabend und Mittwoch das jüdische Wochenfest Schawuot, mit dem an den Empfang der zehn Gebote am Berg Sinai erinnert wird.
Radikale Palästinenser setzten ihre Angriffe auf israelisches Territorium fort. In der Negev-Wüste im Süden Israels schlugen am Morgen nach Angaben der israelischen Armee drei Raketen ein, ohne Schaden anzurichten. Die israelische Luftwaffe griff in der Nacht das Flüchtlingslager El Bureidsch im Zentrum des Gazastreifens an. Es gab laut palästinensischen Sicherheitsbeamten keine Opfer.
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