kalaydo.de Anzeigen stellen auto immobilien kleinanzeigen tiere ferienwohnungen inserieren
  RP Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
         
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Land gilt als harmlos: Im Schatten des Iran-Konflikts beginnt Brasilien, Uran anzureichern

zuletzt aktualisiert: 21.04.2006 - 14:16

Resende/Brasilien (rpo). Während der Streit mit dem Iran um sein Atomprogramm weitergeht, eröffnet Brasilien, ohne, dass jemand Anstoß daran nimmt, ein Zentrum zur Urananreicherung. Während international der Eindruck herrscht, das Land sei "harmlos", sind brasilianische Experten misstrauisch.

In der Anlage in Resende soll noch in diesem Jahr mit der Produktion von Nuklearbrennstoff begonnen werden. Doch obwohl Brasilien der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) nur begrenzte Inspektionen gestattet, kann der größte südamerikanische Staat seine Ambitionen völlig ungehindert verfolgen.

Zwar hat das Land den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet, und die Verfassung verbietet die militärische Nutzung der Atomenergie. Doch die Chance, mehr Uran als für den Eigenverbrauch erforderlich zu produzieren, könnte in Brasilien ein Umdenken einleiten. "Brasilien verfolgt einen Weg, der dem des Irans sehr ähnlich ist, aber der Iran bekommt die ganze Aufmerksamkeit", sagt Marshall Eakin, ein brasilianischer Atomexperte von der Vanberbilt Universität. Letztlich profitiere Brasilien von den Problemen des Irans.

Teheran hat sich unter anderem wegen der Hetzkampagne von Präsident Mahmud Ahmadinedschad gegen Israel ins Abseits manövriert. Wegen des Versuchs, Teile seines Programms im Dunkeln zu halten, unterstellt der Westen dem Iran das Streben nach der Atomwaffe. Über die Forderung des UN-Sicherheitsrates, die Urananreicherung auszusetzen, setzt sich die Regierung bislang hinweg. Brasilien gilt dagegen als friedlich, hat eine gefestigte Demokratie und keine Grenzstreitigkeiten. Der letzte Krieg endete 1870.

"Brasilien schummelt nicht beim Atomwaffensperrvertrag und liegt nicht in einer Krisenregion", konstatiert David Albright, ein früherer UN-Waffeninspektor und Leiter des Washingtoner Institute for Science and International Security. Auch das US-Außenministerium weist Parallelen zwischen beiden Staaten zurück: Brasilien verfolge ein friedliches Atomprogramm, sagt Ministeriumssprecher Sean McCormack.

Sieben neue Atomkraftwerke geplant

Vor kurzem hat die staatliche Industrias Nucleares do Brasil letzte Tests an der Urananreicherungsanlage Resende vorgenommen. Sobald diese mit der Produktion beginnt, gehört der Staat zur Atomelite. Er verfügt über die sechstgrößten Uranreserven, doch bisher musste das Material zur Anreicherung nach Europa gebracht und reimportiert werden. Die Zentrifugen in Resende, etwa 150 Kilometer westlich von Rio de Janeiro, können nach Regierungsangaben natürliches Uranerz in Uranium-235 mit einer Konzentration von fünf Prozent umwandeln. Für Atomwaffen ist ein Anreicherungsgrad von 95 Prozent notwendig.

Ex-UN-Inspekteur Albright hat für die Brasilianische Physikgesellschaft an einem Projekt gearbeitet, um zu zeigen, dass die Zentrifugen auch hochangereichertes Material herstellen können. "Die Zentrifugen sind sehr flexibel", sagt er. Durch Neukonfigurierung der Kaskaden oder eine vielfache Wiederholung der Anreicherungsschritte könne in Resende durchaus waffenfähiges Material produziert werden.

Die Weigerung der Regierung, den IAEA-Inspektoren Zugang zu den Zentrifugen zu gewähren, wird mit der Gefahr der Industriespionage begründet. Die Kontrolleure dürfen lediglich das Uran vor und nach der Anreicherung analysieren, die von Brasilien selbst entwickelten Zentrifugen selbst sind gegen die neugierigen Blicke abgeschirmt. Die Regierung betont, mit der Anlage nur Brennstoff zur Energiegewinnung herstellen zu wollen. Das Land gehört schon jetzt zu den größten Lieferanten von Atomstrom in Lateinamerika. Um die Abhängigkeit vom Öl weiter zu reduzieren, sollen sieben neue Atommeiler gebaut werden. Auch wird in Brasilia längst über einen Export von angereichertem Uran nachgedacht, was laut Experten frühestens in acht Jahren möglich wäre.

Rückkehr der Atomwaffen-Ambitionen?

Während der Militärherrschaft von 1964 bis 1985 hatte Brasilien starke Atom-Ambitionen. Damals wurden die beiden Kernkraftwerke gebaut, Pläne für ein Atom-U-Boot entwickelt. Es gab auch einen Geheimplan für den Test einer Atombombe im Urwald. 1990 wurde das Programm offiziell eingestellt, und der frühere US-Außenminister Colin Powell erklärte 2004: "Wir wissen, dass Brasilien in keiner Weise an Atomwaffen denkt."

Doch unter dem linken Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva sehen Experten Ansätze für ein Umdenken. Schließlich würde die Mitgliedschaft im Club der Atommächte das Prestige Brasiliens erheblich steigern, sagen sie. Möglicherweise würde das Land so einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat erhalten. "Worauf es im Iran wie in Brasilien wirklich ankommt, das ist das Selbstbild", sagt der brasilianische Physiker Jose Goldemberg. "Nationalismus, Stolz: Das sind die wahren Gründe."

Quelle: ap

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Muslime werfen Gauck Geschichtsfälschung vor

Umstrittene Äußerung zum Islam

Muslime werfen Gauck Geschichtsfälschung vor

Joachim Gauck hat sich von der Einschätzung seines Vorgängers Christian Wulff distanziert, der Islam gehöre zu Deutschland. mehr 

Syrische Deserteure drohen Assad

Bürgerkrieg in Syrien

Syrische Deserteure drohen Assad

Die westlichen Staaten und die syrischen Rebellen drohen dem Assad-Regime mit einer härteren Gangart. mehr 

Mehr Politik
Aus der Region

Umstrittene Äußerung zum Islam

Muslime werfen Gauck Geschichtsfälschung vor

Bürgerkrieg in Syrien

Syrische Deserteure drohen Assad

Machtkampf bei den Linken

Kipping lässt Riexinger abblitzen

Videos

Video

Grefrather Eisbahn wird zur Filmkulisse

Die Schlittschuhläufer laufen eine Runde nach der anderen. Auf der Außenbahn des Grefrather Eisstadions ist dieses Mal alles etwas anders . ... mehr 

Kurios: Flugzeuge verhaken sich ineinander

Auf dem Chicagoer Flughafen sind sich zwei sehr ungleiche Flugzeuge ins Gehege gekommen. Eine Boeing 747 wollte sich auf den Weg machen, als ... mehr 

syrien flagge fahne RPO 2007

Bürgerkrieg in Syrien

Syrische Deserteure drohen Assad

Die westlichen Staaten und die syrischen Rebellen drohen dem Assad-Regime mit einer härteren Gangart. Die USA bringen einen Militäreinsatz auch ohne UN-Beschluss ins Spiel. mehr

 

Nahostreise des Bundespräsidenten

Gauck fordert Palästinenser zu Friedensgesprächen auf

 

Nach Selbstverbrennung in Lhasa

China startet Verhaftungswelle in Tibet

 

Ingenieur im Januar verschleppt

In Nigeria entführter Deutscher getötet

 
 
Top-Services