15 Verletzte durch Schüsse: In Beirut brennen die Barrikaden
zuletzt aktualisiert: 23.01.2007 - 15:08Beirut (RPO). Im Libanon eskaliert der Machtkampf zwischen Regierung und Opposition. Regierungsgegner blockieren wichtige Verkehrsachsen des Landes. Demonstranten zünden Barrikaden an. Mindestens 15 Menschen haben Schussverletzungen erlitten, viele weitere Verletzte gibt es bei den Zusammenstößen in den Vororten von Beirut.
Mit Straßenblockaden und einem Aufruf zum Generalstreik hat die Opposition den Machtkampf im Libanon am Dienstag dramatisch verschärft. Auf mehreren Zufahrtsstraßen nach Beirut brannten Reifen und Fahrzeuge, bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Anhängern der prowestlichen Regierung erlitten mehrere Menschen Verletzungen. Die von der Hisbollah angeführte Opposition versucht seit fast zwei Monaten, Ministerpräsident Fuad Siniora zum Rücktritt zu zwingen.
Mehrere tausend Soldaten und Polizisten sowie Feuerwehrleute bemühten sich landesweit, die Straßen freizumachen. Dabei verhandelten sie auch mit Demonstranten. Zudem versuchten sie, Anhänger der Opposition und der Regierung zu trennen. 15 Menschen erlitten nach Polizeiangaben in der Mitte und im Norden des Landes Schussverletzungen, weitere Verletzte gab es bei Zusammenstößen unter anderem in mehreren Vororten Beiruts.
Augenzeugenberichte und Fernsehbilder legten den Eindruck nahe, dass es der Opposition gelang, viele Stadtteile Beiruts sowie einige Landesteile lahm zu legen. Bürgermeister Abdel Munim Ariss sagte dem Sender Al Arabija jedoch, in der Stadt laufe alles normal. Die Demonstranten blockierten unter anderem die Straßen zum Flughafen und die Fernstraße in die Berge sowie nach Damaskus.
Zu dem Streik hatten der Führer der prosyrischen Hisbollah-Miliz, Scheich Hassan Nasrallah, und andere Oppositionsführer aufgerufen. Siniora und die Anhänger seiner Regierung appellierten dagegen an die Libanesen, zur Arbeit zu gehen. Zwei Minister sprachen von einem Umsturzversuch. Telekommunikationsminister Marwan Hamadeh sagte Al Arabija, dies sei "ein Kapitel des Putsches". Er werde wie die vorangegangenen Versuche aber scheitern. Sein Kabinettskollege Ahmed Fatfat sagte dem Sender, es handele sich nicht um einen Streik, sondern um einen militärischen Einsatz. Er befürchte, dass es zu Zusammenstößen zwischen den Bürgern des Landes kommen könne.
Am Donnerstag findet in Paris eine Geberkonferenz für den Libanon statt. Ein Berater Sinioras dementierte Berichte, wonach sich der Regierungschef nicht mehr im Libanon aufhalte, sondern bereits nach Frankreich gereist sei.
Hinter Siniora steht die antisyrische Parlamentsmehrheit aus sunnitischen Muslimen, Drusen und Christen. Die Opposition wird von der Hisbollah angeführt, ihr gehören aber auch Drusen und Christen an. Sie fordern ein Vetorecht bei Kabinettsentscheidungen.
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