| 10.00 Uhr

Politische Systeme
In diesen Ländern lebt der Kommunismus noch

In diesen Ländern lebt der Kommunismus noch
Hammer und Sichel prägen aktuell das Straßenbild in Vietnam. FOTO: dpa, ltl pt tba
Hanoi. Vor dem Fall der Sowjetunion gab es zahlreiche Länder mit kommunistischen Regierungen. 2016 verbleiben noch vier, oder - je nach Lesart des nordkoreanischen Regimes - fünf. Fragen und Antworten zum Thema:

CHINA: mit 1,3 Milliarden Menschen bevölkerungsreichstes Land der Welt. Es hat den Aufstieg zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt seiner Abkehr vom kommunistischen Wirtschaftsmodell zu verdanken.
Seit den 1980er Jahren verfolgt China eine Politik der Reformen und der Öffnung. Die sozialistische Marktwirtschaft funktioniert nach kapitalistischen Methoden. Die kommunistische Ideologie wird gepflegt, dient aber nur dem Erhalt der Diktatur der Kommunistischen Partei.

VIETNAM: Nachbarland Chinas, etwa so groß wie Deutschland ohne Hessen, mit mehr als 3000 Kilometern Küste am Südchinesischen Meer. Rund 94 Millionen Einwohner. Ho Chi Minh gründete die Kommunistische Partei in den 1930er Jahren im Kampf gegen die Kolonialmacht Frankreich. Nach der Niederlage Frankreichs besiegten die Kommunisten auch das US-gestützte Regime in Südvietnam. Seit 1975 regieren sie das vereinigte Land. Seit 1986 gibt es marktwirtschaftliche Reformen.

KUBA: gut elf Millionen Einwohner, etwa so groß wie einst die DDR. Nach der Revolution von 1959 wandte es sich Anfang der 1960er Jahre zum Kommunismus und suchte bei der Sowjetunion Schutz vor dem kapitalistischen Nachbarn USA, der zuvor großen Einfluss auf der Insel hatte. Bis 2006 regierte Revolutionsführer Fidel Castro (89). Unter Fidels jüngerem Bruder Raúl (84) versucht Kuba seit einigen Jahren mit zaghaften markwirtschaftlichen Reformen, die marode Wirtschaft des Landes anzukurbeln.

LAOS: armes Nachbarland Vietnams ohne Küstenzugang, etwas kleiner als die Bundesrepublik ohne die neuen Bundesländer. Knapp sieben Millionen Einwohner. Laos war Teil des französischen Kolonialgebiets Indochina. Im Vietnamkrieg wurde es zum meist bombardierten Land der Welt. US-Bomber legten weite Teile in Schutt und Asche, weil vietnamesische Kommunisten sich im Grenzgebiet versteckten. Bis heute sind die Böden verseucht. Nach dem Ende des Vietnamkriegs marschierte Vietnam ein und installierte 1975 die kommunistische Regierung.

NORDKOREA: Nachbarland Chinas, etwa ein Drittel so groß wie Deutschland, 24 Millionen Einwohner. Die UN werfen der Diktatur gröbste Menschenrechtsverletzungen vor. Nordkorea hat zwar 2009 alle Bezüge zum Kommunismus aus seiner Verfassung gestrichen. Aber die Arbeiterpartei wurde 1945 als Zweig der ehemaligen Kommunistischen Partei gegründet. An der Spitze von Staat, Partei und Armee steht der Machthaber Kim Jong Un; er "erbte" die Machtposition von seinem Vater. Bereits sein Großvater Kim Il Sung war mit Hilfe Moskaus an die Spitze der Partei gelangt und wird als Staatsgründer verehrt.

Fragen und Antworten

Was verbindet die kommunistischen Regime?

Ihr Ausgangspunkt sind die Lehren der deutschen Staatstheoretiker Karl Marx (1818-1883) und Friedrich Engels (1820-1895) sowie des sowjetischen Staatsgründers Lenin (1870-1924). Ziel des Kommunismus ist eigentlich die klassenlose Gesellschaft, in der alle Menschen zum Gemeinschaftseigentum beitragen und davon leben.

Wer hat die Vision von Marx, Engels und Lenin vollendet?

Niemand. Im Gegenteil: China und Vietnam fördern längst Privateigentum und -initiative, es gibt immer mehr Millionäre, und die Kluft zwischen Arm und Superreich wächst. Überall blüht die Korruption, in Kuba und Laos ist der Staat marode. Nordkorea setzt auf Militärgewalt und Atomwaffen, während das Volk hungert.

Was stellen die Länder als ihre größten Errungenschaften dar?

Kuba rühmt sein Gesundheits- und Bildungswesen, China die Erfolge seiner "sozialistischen Marktwirtschaft" und der Einheit des riesigen Landes. Vietnams Kommunisten schreiben sich die Vereinigung von Nord und Süd nach den verlustreichen Kriegen gegen Kolonialherren und Amerikaner auf die Fahnen, Nordkorea will sein Volk mit militärischer Macht beeindrucken. Laos stellt Frieden und Wiederaufbau heraus, nachdem die Amerikaner das Land im Vietnamkrieg als Rückzugsgebiet vietnamesischer Kommunisten zerbombten.

Wackeln die Regime?

Keines der Länder erlaubt freie Meinungsäußerung. Dissidenten werden überall verfolgt. Aber Aufstände sind nicht in Sicht. Laos ist dünn besiedelt, die meisten Menschen leben auf dem Land unbehelligt von der Politik. Viele Kubaner flüchten seit Jahren, setzen aber nun neue Hoffnung auf eine Öffnung durch die Annäherung an die USA. Nordkorea schüchtert sein Volk mit Abschreckung und Arbeitslagern ein. Vietnam, und China setzen auf Wachstum, was vielen Menschen die Aussicht auf materiellen Wohlstand gibt und die Unzufriedenheit in Zaum hält.

Spielen kommunistische Parteien anderswo noch eine wichtige Rolle?

Nicht wirklich. In den Ex-Sowjetrepubliken gibt es noch kommunistische Parteien oder deren Nachfolger, aber sie haben kaum politischen Einfluss. In Russland bilden die Kommunisten zwar noch die zweitgrößte Fraktion, haben aber auf absehbare Zeit keine Aussicht auf die Regierungsbildung. In Moldau, dem Nachbarland Rumäniens, sind die Kommunisten seit 2009 in der Opposition. In der Ukraine läuft seit 2014 ein Verbotsverfahren gegen die Kommunistische Partei. Im Himalaya-Staat Nepal ist die Partei des Regierungschefs dem Namen nach kommunistisch, aber sie stützt ein Mehrparteiensystem.

(felt/dpa)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

In diesen Ländern lebt der Kommunismus noch


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.