Anschläge in Bombay: Indien bestellt pakistanischen Botschafter ein
zuletzt aktualisiert: 01.12.2008 - 17:42Neu Delhi (RPO). Das indische Außenministerium hat wegen der blutigen Anschläge in Bombay den pakistanischen Botschafter einbestellt. Dies berichtete die indische Nachrichtenagentur Press Trust of India am Montag. Dem pakistanischen Vertreter in Neu Delhi, Shahid Malik, sei bei dem Treffen eine erste offizielle Beschwerde der indischen Regierung überreicht worden.
Darin wird Pakistan dem Bericht zufolge vorgeworfen, beim Kampf gegen den "von seinem Boden ausgehenden Terrorismus" versagt zu haben. Nach Angaben des indischen Außenministeriums waren alle Angreifer pakistanische Staatsbürger. Der einzig überlebende Angreifer der Terrorserie hat Medienberichten zufolge Verbindungen zu einer in Pakistan ansässigen Rebellengruppe eingestanden. Pakistan weist die Vorwürfe zurück.
Bei den Anschlägen und Angriffen in Bombay wurden amtlichen indischen Angaben zufolge mindestens 172 Menschen getötet. Darunter waren mindestens 29 Ausländer, unter ihnen neun Israelis, sechs US-Bürger und zwei Franzosen. Nach indischen Angaben wurden drei Deutsche getötet, das Auswärtige Amt bestätigte zunächst weiterhin nur den Tod eines Deutschen.
Fünf Terroristen auf der Flucht?
Die Pannenserien bei der Ermittlungen zu den Terroranschlägen von Bombay gehen unterdessen weiter. Medienberichten zufolge sind möglicherweise fünf Terroristen entkommen. Bisher war von zehn Beteiligten die Rede. Bei der Untersuchung der von den Angreifern genutzten Boote wurde nun aber Zubehör für insgesamt 15 Personen sichergestellt.
Wie die britische Times in ihrer Online-Ausgabe berichtet, geht nun die Angst um, die möglicherweise entkommenen Terroristen könnten einen weiteren Angriff auf die indische Metropole unternehmen. Die Befürchtungen gründen auf den jüngsten Untersuchungsergebnissen der indischen Behörden auf dem von den Terroristen gekidnappten Fischerboot.
Neben einer Leiche fanden die Ermittler Ausrüstungsgegenstände für 15 Personen – fünf mehr als bislang bekannt. Die offiziellen Zahlen wiesen bis dahin immer nur zehn Beteiligte aus. Neun der Angreifer wurde getötet, der einzige Überlebende wurde verhaftet.
"Wir haben 15 Westen gefunden, sogar 15 Zahnbürsten", zitiert die britische Zeitung einen Polizisten. Es sei durchaus möglich, dass mehr Terroristen beteiligt waren.
Konflikt mit Pakistan spitzt sich zu
Kurz bevor die Nachricht von dem Fund publik wurde, spitzen sich die Beziehungen zwischen den Atommächten Indien und Pakistan dramatisch zu. Neu Delhi hat den Nachbarstaat für die Anschlagswelle in Bombay verantwortlich gemacht, die mindestens 172 Menschen das Leben gekostet hat.
Der Vorwurf: Hinter dem Terrordrama stecke die Terrorgruppe Lashkar-e-Toiba (LeT) - gefördert und beheimatet in Pakistan. "Die Terroristen, die bei den Gefechten in Bombay in den vergangenen Tagen getötet wurden, waren pakistanischer Herkunft", stellte Vizeinnenminister Shakeel Ahmad am Montag gegenüber dem britischen Sender BBC kategorisch fest. Die indische Regierung macht "Elemente in Pakistan" für die Angriffe verantwortlich, das Nachbarland weist die Vorwürfe zurück.
Gegenüber Pakistan rasselt Indiens Regierung nun gegenüber Islamabad mit dem Säbel. Der Vorwurf: Hinter dem Terrordrama stecke die Terrorgruppe Lashkar-e-Toiba (LeT), gefördert und beheimatet in Pakistan. Die LeT gilt als Zögling von Pakistans Militär und Geheimdienst ISI. Experten sagen, dass sie auch Verbindungen zum Terrornetzwerk El Qaida pflegt.
Täteraussage belastet Pakistan
Vor allem die Zeugenaussagen des einzig überlebenden Attentäters, dessen Name mit Amir Kasav angegeben wird, bringen Pakistan in Erklärungsnot. Er sei in Pakistan ausgebildet und darauf trainiert worden, bis zum letzten Atemzug Leben auszulöschen, soll er Medienberichten zufolge in einem Verhör gestanden haben. Weitere Ergebnisse der Vernehmung: Kasav gehörte angeblich auch der Terrorgruppe LeT an, und reiste aus der pakistanischen Hafenstadt Karachi per Schiff nach Bombay an.
Die Krise zwischen Indien und Pakistan hat international große Besorgnis ausgelöst. US-Präsident George W. Bush schickte Außenministerin Condoleezza Rice nach Indien, um die Lage zu erörtern. Die USA werde die Terrorermittlungen nach Kräften unterstützen.
Rice forderte Pakistan auf, bei der Aufklärung der Taten mit Indien vollständig zu kooperieren. Es müsse von Seiten Pakistans eine "lückenlose, uneingeschränkte und vollständige Transparenz und Zusammenarbeit" geben, sagte Rice am Montag in London. "Es ist extrem wichtig, dass jetzt die höchsten Ebenen in Pakistan und Indien miteinander kooperieren, und das schließt alle Einrichtungen ein", sagte sie.
In Bombay kehrt wieder Normalität ein
In der indischen Millionenstadt Bombay ist am Montag wieder der Alltag eingekehrt. Schulen und viele Läden öffneten zum ersten Mal seit Beginn des Terrorangriffs vom Mittwoch wieder. Ein Gefühl der Unsicherheit war aber in weiten Teilen der Stadt zu spüren. Die Zahl der Toten bezifferten die Behörden inzwischen auf 172, weitere 239 Menschen wurden verletzt. Unter den 19 getöteten Ausländern waren auch drei Deutsche.
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