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Nach dem Terror von Bombay: Indien droht mit Militäraktion

VON CHRISTINE MÖLLHOFF - zuletzt aktualisiert: 02.12.2008 - 21:20

Neu-Delhi (RP). Nach den Terrorangriffen in Bombay verschärft sich der Ton zwischen Indien und Pakistan weiter. Delhi verlangt vom Nachbarn die Auslieferung von 20 Top-Terroristen. Indiens Opposition ruft offen nach einem Angriff auf Pakistan.

Indien verstärkte gestern erneut den Druck auf Pakistan: „Jedes Land hat das Recht, sich zu verteidigen”, sagte Außenminister Pranab Mukherjee gestern in Fernsehsender NDVT zu möglichen Militäraktionen.

Ein Vertreter des indischen Außenministeriums hatte am Montag festgestellt, es habe einen „enormen Rückschlag” im Vertrauensverhältnis mit Pakistan gegeben. Die Angreifer stammten alle aus dem Nachbarland. Gestern forderte Indien Pakistan energisch auf, 20 Top-Terroristen auszuliefern.

Darunter befindet sich Hafiz Saeed, der Chef der Untergrundorganisation Lashkar-E-Toiba (Let). Die pakistanische Gruppe wird hinter dem Anschlag in Bombay vermutet. Mukherjee übergab Pakistans Botschafter eine Liste mit den 20 „most wanted”. Zu ihnen gehört der Bombayer Unterwelt-König Dawood Ibrahim. Ihm wird die Bombenserie von 1993 in Bombay angelastet, die 250 Tote forderte. Der 52-jährige soll in Pakistan Unterschlupf gefunden und Kontakte zum Terrornetzwerk al Qaida und zur Let pflegen.

Auch Masood Azhar, Chef der pakistanischen Terrorgruppe Jaish-e-Mohammad, findet sich auf der Liste. Die Jaish soll mit der Let zusammen den Anschlag auf das indische Parlament im Dezember 2001 verübt haben, der die beiden Atommächte an den Rand eines Krieges brachte. Wie die Let bewegt sich auch Jaish im Dunstkreis von al Qaida und den Taliban.

Nach dem Blutbad mit 200 Toten in der Finanzmetropole mehren sich in Indien Rufe nach einem harten Vorgehen gegen Pakistan. „Mumbai war Indiens 11. September. Und Indiens Antwort sollte näher an dem sein, was die USA nach dem 11. September 2001 taten”, erklärte der Generalsekretär der Volkspartei BJP, Arun Jaitley. Die USA hatten damals das Taliban-Regime in Afghanistan attackiert.

Im Gespräch ist, dass Indien gezielte Militärschläge auf Terror-Camps in Pakistan ausführt ­ähnlich wie die US-Truppen von Afghanistan aus angebliche Terrornester in Pakistans Nordwesten bombardieren. Militäraktionen des alten Erzfeindes Indien auf Pakistans Boden könnten jedoch eine Kriegssituation provozieren.

Pakistan kündigte an, Indien bei den Ermittlungen unterstützen zu wollen. Islamabad bot die Einrichtung eines gemeinsamen Teams an. „Wir müssen zusammenstehen, um diese Bedrohung gemeinsam zu bekämpfen”, sagte Präsident Asif Ali Zardari. Pakistans Regierung bestreitet nicht, dass pakistanische Terrorgruppen wie die Let die Attacke in Bombay ausgeführt haben könnten.

Sie verneint aber, dass „staatliche Akteure” ­sprich: Regierung oder Militär ­ ihre Hände im Spiel gehabt haben. In Delhi gibt es jedoch die Furcht, dass Teile von Pakistans Militär und Geheimdienst außer Kontrolle sind. Die Terroristen hatten zwei Luxushotels und ein jüdisches Zentrum über 60 Stunden besetzt. Sie hätten Aufputschmittel und andere Drogen genommen, hieß es in den Medien. Fotos zeigten den gefangenen Täter Amir Kasav (21) grinsend und mit weit aufgerissenen Augen. Zum Terrorkommando sollen nur zehn Attentäter gehört haben.

Das Hotel Taj Mahal, das Symbol Bombays, war bei der Attacke schwer beschädigt worden. Kein Hotel liegt den Indern so am Herzen wie der 105 Jahre alte Prachtbau am „Gateway of India”. Ein Vorfahr von Konzernchef Ratan Tata hatte es gebaut, weil die britischen Kolonialherren keine Inder in Nobelhotels ließen.

Tata schwor, das Taj Mahal wiederaufzubauen, koste es, was es wolle. Es dürfte allerdings ein Jahr dauern, bevor es wieder seine Tore öffnet. Unterdessen wurde gestern ein Anschlag auf einen Personenzug im nordindischen Bundesstaat Assam gemeldet. Drei Menschen starben, 30 weitere wurden verletzt. Die Region zählt zum Aktionsgebiet der verbotenen Befreiungsfront Karbi Longri, die für eine Unabhängigkeit ihrer Heimat von Indien kämpft.


 
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