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Proteste gegen Olympischen Fackellauf: Indien: Polizei befürchtet Selbstverbrennungen

zuletzt aktualisiert: 17.04.2008 - 10:33

Neu-Delhi (RPO). Tausende von Exil-Tibetern wollen heute gegen den olympischen Fackellauf durch Neu-Delhi protestieren. Die Polizei befürchtet das Schlimmste. Die Sicherheitskräfte stellen sich auf Proteste, Anschläge und Selbstverbrennungen ein. Die Laufstrecke wurde auf knapp 2,3 Kilometer gekürzt. 15.000 Polizisten säumen die Strecke.

Sie sollen Zwischenfälle wie zuvor in London, Paris und San Francisco verhindern. Der Staat Indien will dies unbedingt vermeiden. Das Land ist stark an guten Beziehungen zum Nachbarn China interessiert. Am Donnerstag Morgen demonstrierten an einer belebten Straße bereits zwei Dutzend Exiltibeter. Die Polizisten schritt gewaltsam ein. Die Demonstranten wurden in Polizeibussen weggefahren.

Am Donnerstag Morgen erreichte die Flamme die Stadt auf einem Militärflughafen. Es kam zu Protesten. Die Sicherheitskräfte haben die Lage TV-Berichten zufolge unter Kontrolle. An der geplanten Route sind menschenleere Straßen zu sehen. Ein Korrespondent des ZDF berichtet, die Zone sei hermetisch abgeriegelt.

Am Vormittag starteten Exiltibeter einen alternativen Fackellauf. Der von buddhistischen Mönchen geleitete Zug begann am Mausoleum des gewaltlosen Kämpfers für Indiens Freiheit, Mahatma Gandhi, und führte durch das Zentrum der indischen Hauptstadt. Die Demonstranten forderten in Sprechchören "Freiheit für China". Die tibetische Exilregierung in Indien rief unterdessen zu gewaltlosen Protesten am Rande der Strecke des offiziellen Fackellaufs des Olympischen Komitees auf.

Der soll um 16 Uhr Ortszeit (12.30 MESZ) beginnen.

Indien hat die größte Gemeinde von Exiltibetern weltweit: Mehr als 100.000. Viele von ihnen haben sich seit den Unruhen in ihrer Heimat im März regelmäßig an Demonstrationen gegen China beteiligt. Der Dalai Lama, geistliches Oberhaupt der tibetischen Buddhisten, lebt in der nordindischen Stadt Dharamsala, wo sich auch der Sitz der Exilregierung befindet.

Mehrere tausend Exiltibeter sollen Medienberichten zufolge bereits in der Hauptstadt Neu-Delhi sein. Dort wollen sie einen eigenen Fackellauf veranstalten und die Forderung nach kultureller Selbstbestimmung in den Mittelpunkt stellen.

Appelle "Free Tibet" 

Bereits am Mittwoch demonstrierten etwa 100 Exiltibeter vor der chinesischen Botschaft und versuchten, diese zu stürmen. Auf eine Straße in der Nähe der Botschaft wurde die Parole gesprüht: "Keine Olympischen Spiele in China". Etwa 50 Personen wurden festgenommen. Die Aktivisten riefen die indischen Sportler auf, den Fackellauf zu boykottieren. An die Einwohner von Neu-Delhi erging der Appell, T-Shirts mit der Aufschrift "Free Tibet" zu tragen.

In Pakistan verlief der Fackellauf am Mittwoch ohne Zwischenfälle. Aus Angst vor Protesten und möglichen Anschlägen wurde die Zeremonie unter Ausschluss der Öffentlichkeit in ein Sportstadion der Hauptstadt Islamabad verlegt. Nur geladene Gäste, unter ihnen Staatspräsident Pervez Musharraf, konnten den Fackellauf verfolgen.

Sängerin festgenommen

In London, Paris und San Francisco kam es während des Olympischen Fackellaufs zu massiven Protesten. Ungestört verliefen hingegen die Stationen in Argentinien, Tansania, Oman und Pakistan.

Zu den in China festgenommenen Personen gehört auch eine bekannte Sängerin: Jamyang Kyi wurde bereits am 1. April in Xining festgenommen, wie ihr Mann Lamao Jia der Nachrichtenagentur AP mitteilte. Jamyang Kyi ist als langjährige Moderatorin des staatlichen Fernsehens in der Region Qinghai bekannt, die an Tibet angrenzt. Sie trat auch schon international auf.

Quelle: ap

 
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