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Todesstrafe in Indonesien
Australien will Hinrichtungen in Indonesien verhindern

Indonesien: Australien will Hinrichtungen verhindern
Außenministerin Julie Bishop will die Hinrichtung zweier wegen Drogenschmuggels verurteilter Landsleute in Indonesien stoppen. FOTO: ap
Canberra. Australien will die bis Mittwoch angekündigte Hinrichtung zweier wegen Drogenschmuggels verurteilter Landsleute in Indonesien stoppen. Außenministerin Julie Bishop sagte am Montag, vor Vollstreckung der Strafe müssten Korruptionsvorwürfe gegen indonesische Richter in dem Fall untersucht werden.

Indonesien hatte am Sonntag mitgeteilt, binnen 72 Stunden neun verurteilte Ausländer und einen indonesischen Staatsbürger hinrichten zu lassen. Unter ihnen befinden sich die beiden Australier. Bishop sagte, so lange es vor dem Verfassungsgericht einen ungelösten Fall gebe und die Richterliche Kommission des Landes Korruptionsvorwürfe im ursprünglichen Prozess der beiden Australier untersuche, dürften diese nicht exekutiert werden. Nach Angaben des australischen Medienunternehmens Fairfax Media hatte der ursprüngliche indonesische Anwalt der beiden gesagt, die Richter in der Verhandlung hätten eine Million Rupiah (rund 71 Euro) gefordert - dann würden sie Strafen von weniger als 20 Jahren aussprechen.

Später hätten die Richter gesagt, der Handel sei nicht zustande gekommen, weil hochrangige Justiz- und Regierungsmitarbeiter angeordnet hätten, die Todesstrafe zu verhängen, hieß es. Danach hätten die Richter begonnen, viel mehr Geld zu verlangen, damit sie eine geringere Strafe aussprechen würden, sagte der Anwalt Muhammad Rifan. Allerdings hätten die beiden Australier nicht mehr Geld gehabt.

Die beiden waren im Februar 2006 wegen ihrer führenden Rolle in einer australischen Schmugglerbande verurteilt worden. Sie waren 2005 nach einem Tipp der australischen Polizei festgenommen worden, als sie versuchten, mehr als acht Kilogramm Heroin von Bali nach Sydney zu schmuggeln.

Die zehn Todeskandidaten waren am Samstag in Isolationszellen gebracht und über ihre Hinrichtung durch ein Erschießungskommando informiert worden. Bei den Ausländern handelt es sich neben den beiden Australiern um vier Nigerianer, eine Philippinerin und jeweils eine Person aus Brasilien und Frankreich. Der Franzose wartet noch auf den Ausgang einer Beschwerde im Zusammenhang mit seinem Gnadengesuch.

Die geplanten Hinrichtungen sorgten international für Empörung. Der französische Präsident François Hollande warnte Indonesien vor den diplomatischen Konsequenzen einer Hinrichtung des Franzosen. Zuletzt schaltete sich UN-Generalsekretär Ban Ki Moon ein und rief die Regierung in Jakarta auf, die Todesstrafe abzuschaffen. Doch Präsident Joko Widodo hat das Vorgehen mit einem "Drogennotstand" begründet.

Der philippinische Präsident Benigno Aquino III appellierte am Montag am Rande des Asean-Gipfels in Malaysia an seinen indonesischen Amtskollegen, die verurteilte Philippinerin zu verschonen. Der Indonesier sei "mitfühlend" gewesen und habe versprochen, nach Konsultationen mit der indonesischen Generalstaatsanwaltschaft am Montag auf Aquinos Appell zu antworten, sagte Aquinos Sprecher Herminio Coloma zu Reportern.

In Indonesien gelten äußerst strenge Drogengesetze, viele Drogenschmuggler werden hingerichtet. Mehr als 130 Personen befinden sich derzeit in dem Land im Todestrakt, 57 von ihnen wegen Drogenvergehen.

(ap)
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