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Mesale Tolu
Bundesregierung fordert von Türkei Zugang zu inhaftierter Deutscher

Inhaftierte Deutsche: Bundesregierung fordert von Türkei Zugang zu Mesale Tolu
Das Auswärtige Amt in Berlin (Symbolbild). FOTO: dpa
Berlin. Die Bundesregierung hat die Türkei aufgefordert, ihr Zugang zu der inhaftierten deutschen Übersetzerin Mesale Tolu zu gewähren. Das Auswärtige Amt will "auf sehr deutliche Art und Weise" darauf drängen.

"Für uns ist es wichtig, dass wir uns um sie als deutsche Staatsangehörige kümmern können", sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Schäfer, am Freitag in Berlin. Die türkischen Behörden müssten den Fall "nicht nur anständig, sondern auch völkerrechtsgemäß" behandeln. "Das werden wir auf sehr deutliche Art und Weise geltend machen."

Entgegen den Gepflogenheiten sei die Bundesregierung nicht von den türkischen Behörden über den Fall informiert worden, sagte Schäfer weiter. "Das ist bedauerlich." Die türkischen Behörden hätten damit das Wiener Übereinkommen für konsularische Beziehungen verletzt.

Türkische Staatsbürgerschaft abgegeben

Die ARD hatte am Donnerstag berichtete, eine Anti-Terror-Einheit sei am 30. April in die Wohnung der 33-Jährigen eingedrungen. Seit dem 6. Mai sitze Tolu im Istanbuler Frauengefängnis. Ein Richter erließ dem Bericht zufolge Haftbefehl wegen Terrorpropaganda und Mitgliedschaft in einer Terrororganisation.

Tolu arbeitete für die linksgerichtete Agentur Etha als Übersetzerin, wie das Unternehmen mitteilte. Laut tagesschau.de wurde Tolu in Ulm geboren. 2007 hatte sie den Angaben zufolge die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten und die türkische abgegeben. Auf die Frage, was das Auswärtige Amt über den Verbleib des zweijährigen Sohnes der Übersetzerin wisse, der während der Razzia wohl in der Wohnung zugegen gewesen sei, antwortete Schäfer, er sei sehr sicher, dass das Kind bei der Familie sei und gut betreut werde.

Bruder fordert Überstellung nach Deutschland

Tolus Familie wird nach Angaben ihres Bruders bislang jeder direkte Kontakt zu ihr verwehrt. "Wir dürfen sie nicht sehen, wir dürfen keine Besuche machen", sagte Hüseyin Tolu am Freitag in Ulm dem Regionalsender Radio 7. Es sei zudem unklar, was der 33-Jährigen konkret vorgeworfen werde.

Um zu erfahren, was mit seiner Schwester geschieht, sei er in die Türkei gereist. "Als wir gefragt haben, was ist der Grund (für die Inhaftierung), hieß es: das ist noch in Ermittlungen und man werde sich nicht dazu äußern." Tolus Rechtsanwältin sei in Istanbul bislang die Akteneinsicht verweigert worden. Seit der Festnahme Tolus am 30. April habe sie ihre Mandantin erst drei Mal sehen dürfen. Selbst wenn Mesale Tolu eine Straftat begangen haben sollte, fordere die Familie ihre Überstellung an die deutsche Justiz, sagte ihr Bruder Radio 7.

Weitere Deutsche in türkischer Haft

Seine in Ulm geborene und aufgewachsene Schwester, die an der Goethe-Universität in Frankfurt einen Lehramtsstudiengang absolviert habe, besitze seit 2007 allein die deutsche Staatsbürgerschaft. Ihre türkische Staatsbürgerschaft habe sie abgelegt. Mesale Tolu lebe nicht ständig in der Türkei, sondern habe ihren festen Wohnsitz in Neu-Ulm (Bayern). In der Türkei sei sie als Übersetzerin tätig, "weil sie daran Interesse hat".

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes sind aktuell sechs deutsche Staatsbürger in der Türkei in Untersuchungshaft oder in Polizeigewahrsam. Vier von ihnen besitzen außerdem die türkische Staatsbürgerschaft. Zu ihnen gehört der "Welt" Korrespondent Deniz Yücel. Ihm werden Terrorpropaganda und Volksverhetzung vorgeworfen. Er war im Februar festgenommen worden.

(wer/dpa/AFP)
 
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