Kenia: Internationale Gemeinschaft will vermitteln
zuletzt aktualisiert: 02.01.2008 - 16:00Nairobi/Berlin (RPO). Die internationale Gemeinschaft will weitere Eskalationen in Kenia verhindern: Die Afrikanische Union und die Commonwealth-Staaten haben sich in den Konflikt eingeschaltet und wollen nun zwischen den zerstrittenen politischen Führern des Landes vermitteln.
Der Vorsitzende der Afrikanischen Union (AU), Ghanas Präsident John Kufuor, wurde am Mittwochabend zu Gesprächen in der Hauptstadt Nairobi erwartet. Der britische Premierminister Gordon Brown sagte der gemeinsamen Initiative von AU und Commonwealth "jede mögliche Unterstützung" zu. Der Vorsitzende der kenianischen Wahlkommission, Samuel Kivuitu, gab zu, den genauen Ausgang der Präsidentschaftswahl nicht zu kennen. Er hatte Präsident Mwai Kibaki trotz Manipulationshinweisen zum Wahlsieger erklärt.
Kufuor wird nach Angaben eines Commonwealth-Sprechers gemeinsam mit dem Leiter der Beobachter-Mission des Commonwealth in Kenia, Ahmed Tejan Kabbah, vermitteln. Kufour plante demnach Gespräche mit Präsident Kibaki, dessen Rivalen Raila Odinga und dem dritten bei der Wahl angetretenen Kandidaten, Kalonzo Musyoka. Alle drei Männer hätten bei einem Treffen mit Kabbah dem Vermittlungsversuch bereits zugestimmt. Bei den Unruhen in dem ostafrikanischen Land wurden bislang mehr als 300 Menschen getötet.
Chance der Aussöhnung?
Brown begrüßte die Bemühungen. Die Initative biete die Chance für eine Aussöhnung zwischen den politischen Kräften in Kenia, sagte Brown in London. Der britische Premier sagte weiter, Kufour werde Kibaki und Odinga bei Treffen am Donnerstag auffordern, ihre Anhänger zu einem Ende der Gewalt aufzurufen.
Großbritannien bemüht sich als frühere Kolonialmacht verstärkt um Vermittlung. Außenminister David Miliband rief am Mittwoch in einer gemeinsamen Erklärung mit seiner US-Kollegin Condoleezza Rice die führenden Politiker des afrikanischen Landes zur Verständigung auf. Die USA und Großbritannien verfolgten die Geschehnisse in Kenia sehr genau, betonten Rice und Miliband. Sorge bereiteten ihnen dabei die Berichte unabhängiger Beobachter über "ernste Unregelmäßigkeiten" bei den Wahlen am vergangenen Donnerstag und bei der Auszählung der Stimmen.
"Ich weiß nicht, ob (Mwai) Kibaki gewonnen hat", sagte Kivuitu der kenianischen Zeitung "The Standard". Kivuitu hatte Kibaki am Sonntag zum Wahlsieger erklärt. Später sagte er, er habe das Ergebnis aufgrund von Druck der Regierungspartei verkündet, obwohl es Forderungen nach einer Überprüfung gegeben habe. Bereits am Montag hatten sich mehrere Vertreter der kenianischen Wahlkommission für eine Überprüfung der Stimmauszählung ausgesprochen.
Unruhen im Westen des Landes halten an
Während in der Hauptstadt Nairobi am Mittwoch Geschäfte wieder öffneten und Straßensperren abgebaut wurden, hielten die Unruhen im Westen des Landes, Hochburg des Wahlverlieres Odinga, an. In der Stadt Kisumu wurden in der Nacht zu Mittwoch mindestens acht Menschen getötet, wie ein Mitarbeiter des dortigen Leichenschauhauses sagte. In Kericho im Südwesten wurden zwei Polizisten getötet. Eine Gruppe bewaffneter Jugendlicher habe sie mit Pfeil und Bogen angegriffen, erklärte ein Polizeivertreter. Damit sind seit dem Beginn der Unruhen nach Polizeiangaben mindestens 316 Menschen ums Leben gekommen.
Die deutsche Botschaft in Kenia hält wegen der Unruhen Kontakt zu den Touristen, die sich derzeit dort aufhalten. Wie eine Außenamts-Sprecherin am Mittwoch in Berlin erklärte, verschickte die Botschaft in Nairobi SMS an deutsche Urlauber oder setzte sich direkt mit ihnen in Verbindung. Das Ministerium rate den Touristen, sich von Menschenansammlungen fernzuhalten und in bestimmten Orten ihre Hotels nicht zu verlassen. Überlegt werden solle außerdem, geplante Individualreisen zu verschieben. Nach Angaben des Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verband (DRV) befinden sich derzeit etwa 3000 bis 4000 deutsche Touristen in dem Land.
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