Nach Drohungen gegen Mitarbeiter: Internet-Seite nimmt Anti-Koran-Film von Server
zuletzt aktualisiert: 29.03.2008 - 10:15Amsterdam/Frankfurt (RPO). Der Anti-Koran-Film des niederländischen Abgeordneten Geert Wilders ist vom Server der Web-Site LiveLeak.com entfernt worden. Es habe Drohungen gegen Mitarbeiter gegeben, die "sehr ernster Natur" seien, erklärten die Betreiber am Freitagabend. Allerdings ist der Film "Fitna" bereits auf anderen Seiten im weltweiten Netz weiterverbreitet worden. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Film unterdessen aufs Schärfste
Wilders hatte keinen Fernsehsender für die Ausstrahlung seines 15-minütigen islamkritischen Werks gefunden, und sein Web-Provider Network Solutions nahm die entsprechende Internetseite bereits in der vergangenen Woche aus dem Netz. Am Donnerstagabend folgte dann die Veröffentlichung bei LiveLeak.com. Wilders erklärte, er wollte seine Landsleute davor warnen, dass der Islam und der Koran auf lange Sicht die Freiheit in den Niederlanden gefährdeten.
Verbot des Films gefordert
In Deutschland rief das Video unterschiedliche Reaktionen hervor. Der Sprecher des Koordinierungsrats der Muslime in Deutschland, Ali Kizilkaya, rief in der "Frankfurter Rundschau" zu einem gelassenen Umgang damit auf. Es sei eindeutig, dass hier eine Religion provokativ beleidigt werden solle. "Wir sollten aber deshalb den gesellschaftlichen Frieden nicht leichtfertig aufs Spiel setzen", sagte Kizilkaya, der zugleich Vorsitzender es Islamrates ist. Muslime sollten ihre Kritik nur "im Rahmen der Gesetze und mit demokratischen Mitteln" äußern.
Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, verlangte in derselben Zeitung ein Verbot des Films. Zugleich rief er Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble auf, sich als Leiter der Islam-Konferenz "eindeutig" davon zu distanzieren. "Die Grenze der Meinungsfreiheit ist mit diesem Film überschritten. Er ist stigmatisierend und gefährdet den Frieden", erklärte Kolat.
Dagegen sagte die Islam-Beauftragte der SDP-Bundestagsfraktion, Lale Akgün, mit einem Verbot "werten wir ein billiges Propaganda-Filmchen nur auf". Kein vernünftiger Mensch könne die dort gezeigten terroristischen Auswüchse des Islams mit der gesamten Religion gleichsetzen. "Herr Wilders hat die Perversion pervertiert", sagte Akgün der "Frankfurter Rundschau".
Ban Ki Moon verurteilt niederländischen Kurzfilm
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Film aufs Schärfste. "Es gibt keine Rechtfertigung für Hasssprüche oder eine Anstiftung zur Gewalt", erklärte er in New York. Das Recht auf Meinungsfreiheit könne hier nicht geltend gemacht werden.
Die Europäische Union bekannte sich in einer Erklärung zum Grundrecht der Redefreiheit, fügte aber hinzu: "Wir glauben, das Akte wie dieser Film einzig und allein dem Zweck dienen, zum Hass anzustacheln." Der Europarat bezeichnete das Video als geschmacklose Manipulation, um Ängste zu schüren und auszunutzen.
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