RTL-Reporterin Antonia Rados spricht mit Gaddafi: Interview mit einem Diktator
VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 15.03.2011 - 18:50Düsseldorf (RPO). Muammar Gaddafi gibt ganz den Staatsmann, der er nicht mehr ist. Der 78-Jährige antwortet fast monoton auf die Fragen von RTL-Reporterin Antonia Rados. Sein Blick geht immer wieder in die Leere. Was er sagt, zeugt von den Allmachtsphantasien und dem Realitätsverlust des Diktators.
Gaddafi trägt wie so oft sein traditionelles arabisches Gewand, als er sich mit Antonia Rados in einem Zelt im Bab-al-Azizia-Militärlager in Tripolis trifft. Das Lager hat Symbolkraft, hier überlebte Gaddafi 1986 einen Angriff der US-Armee. Die Journalistin kommt in einer braunen Hose und einer Bluse in Rosé. Gaddafi trägt eine Sonnenbrille, er schüttelt der Reporterin die Hand. Es ist das erste Interview einer deutschsprachigen Journalistin seit Ausbruch des Bürgerkrieges in Libyen. Auf Gartenstühlen aus Plastik nehmen Libyens angeschlagener Machthaber und die Korrespondentin Platz.
Mit monotoner, tiefer Stimme antwortet Gaddafi auf die Fragen von Antonia Rados. Er schwadroniert darüber, dass Libyen die Lage bald wieder in den Griff bekommen werde, danach sei alles wie vorher. Und dann schimpft er auf den Westen. Gaddafi droht, dass künftige Aufträge nur noch an China, Russland und Indien gingen. Nur Deutschland nimmt er aus. "Die Deutschen haben eine verantwortliche Position eingenommen und die Deutschen sollten einen permanenten Sitz im UN-Sicherheitsrat haben, nicht Frankreich", sagte Gaddafi.
Und wo er mit Argumenten und Erklärungen nicht weiter kommt, flüchtet er sich in krude Phantasien. Gaddafi kritisierte äußerst scharf Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. "Er ist mein Freund, aber ich glaube, er ist verrückt geworden." Sarkozys Mitarbeiter sagten, dass der Präsident unter einer psychischen Krankheit leide, berichtet der Diktator, dessen TV-Auftritte in der Vergangenheit allesamt wirr anmuteten.
Als Antonia Rados auf die Demonstrationen in seinem Land zu sprechen kommt, auf die ungezählten Todesopfer und seine Rolle beim Bürgerkrieg, zeigt Gaddafi Emotionen. Er gestikuliert mit den Händen, macht abwehrende Bewegungen "Das ist eine Lüge", erklärt er vehement. Und spult seine Propaganda ab: Al-Qaida habe die Unruhen angezettelt, Demonstrationen habe es nie gegeben, die Zahl der Toten sei maßlos übertrieben.
40 Minuten dauerte das Interview. Dann rauscht der Diktator wieder davon. Er fährt in einem Golf-Caddy - ohne einen einzigen Leibwächter an der Seite, berichtet RTL.
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