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Überblick über Offensive
Irakische Soldaten dringen in Außenbezirke von Mossul ein

Irak: Irakische Soldaten dringen in Außenbezirke von Mossul ein
Irakische Soldaten feuern aus den bereits eroberten Randbezirken Mossuls Granaten in Richtung IS-Stellungen. FOTO: dpa, aj ase
Bagdad . Am Dienstag sind irakische Spezialkräfte in Randbezirke von Mossul eingedrungen. Es ist das erste Mal seit 2014, dass irakische Soldaten einen Fuß in die Großstadt im Norden des Landes gesetzt haben.

Der Fortschritt könnte den Beginn eines schwierigen Häuserkampfes einläuten. Ein Überblick an einem der bislang wichtigsten Tage der Großoffensive auf die Hochburg der Terrormiliz Islamischer Staat:

Innerhalb der äußeren Stadtbezirke

Truppen sind auf Gogdschali vorgerückt, einer teils ländlichen Nachbarschaft innerhalb der Stadtgrenzen Mossuls, die zum Umkreis des städtischeren Bezirks Karama zählt. Bei Sonnenuntergang kam ein Sandsturm auf, der die Sichtweite auf knapp 100 Meter beschränkte. Das beendete die Kämpfe des 16. Tages der Mossul-Offensive.

Generalmajor Sami al-Aridi meldete, dass die Soldaten das nahegelegene Gebäude des Staatsfernsehens eingenommen hätten. Es ist das einzige seiner Art in der Region. Als die Einheiten versucht hätten, weiter stadteinwärts vorzudringen, seien heftige Kämpfe ausgebrochen, sagte Al-Aridi. Offizielle Opferzahlen gab es noch nicht, es war jedoch von mindestens einem Toten und einem Verletzten die Rede.

Bei ihrem Vorstoß auf Gogdschali setzten die Soldaten Artillerie, Panzer und Maschinengewehre ein. Die US-geführte Koalition gegen den IS unterstützte die Offensive der Iraker mit Luftangriffen. Die IS-Kämpfer nutzten unter anderem Panzerabwehrraketen, um den Vorstoß zu stoppen.

Koalition: Kein Ausweg für IS

Das US-geführte Bündnis beobachtet die Kämpfe laut Sprecher John Dorrian mit vielen "Augen aus der Luft". Dabei sei aufgefallen, dass sich die IS-Kämpfer nicht mehr in größeren Gruppen fortbewegen könnten. "Und wenn wir sehen, dass sie in bedeutender Zahl zusammenkommen, greifen wir sie an und töten sie", erklärte Dorrian bei einer Pressekonferenz mit irakischen Truppen in Kajara südlich von Mossul. Aus Sorge vor zivilen Opfern werde aus der Luft nur Präzisionsmunition eingesetzt.

Vertriebene Dorfbewohner

In dem Dorf Baswaja östlich von Mossul hingen am Dienstag immer noch weiße Flaggen von Gebäuden, die Bewohner am Vortag dort angebracht hatten. Damit wollten sie zeigen, dass sie dem Vorstoß der Truppen keinen Widerstand leisten würden. Einige Einwohner standen vor ihren Häusern, Kinder machten mit ihren Fingern das Siegeszeichen. Die Familien, nach Schätzungen mehrere Hundert, sollen aus dem Dorf in ein Lager für Vertriebene gebracht werden.

Zahl der Todesopfer im Oktober gestiegen

Die Gewalt kennt an etlichen Orten im Irak noch immer keine Grenzen.
Die Zahl der Todesopfer hat sich deshalb nach UN-Angaben im Oktober deutlich erhöht. 1792 Menschen, darunter 1120 Zivilisten, wurden im vergangenen Monat bei Gewalttaten im ganzen Land getötet, wie aus einem monatlichen Bericht der UN-Unterstützungsmission für den Irak hervorgeht. Im September waren es 1003 gewesen.

Die am schlimmsten betroffene Stadt ist erwartungsgemäß Bagdad. In der irakischen Hauptstadt wurden im Oktober 268 Zivilisten getötet und 807 verletzt. In der nördlichen Provinz Ninawa, in der auch Mossul liegt, gab es 566 Tote und 59 Verletzte. Die UN teilten nicht mit, ob die Opferzahlen in der Provinz direkt mit der Offensive in Mossul zusammenhingen.

(felt/dpa/AFP/ap)
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