Entführungen und Morde gestanden: Irakischer Al-Qaida-Führer festgenommen
zuletzt aktualisiert: 23.05.2006 - 21:40Amman (rpo). Jordanischen Geheimdienstbeamten ist ein dicker Fisch ins Netz gegangen: An der Grenze Jordaniens mit dem Irak haben sie ein ranghohes Führungsmitglied der Terrororganisation al Qaida festgenommen. Der Vertraute des Top-Terroristen Mussab al Sarkawi hat bereits mehrere Entführungen und Morde gestanden.
Dies teilte die Regierung in Amman am Dienstag in einer 30-minütigen Sondersendung im staatlichen Fernsehen mit. Demnach wurde Siad Chalaf Radscha al Karbuli, ein Leutnant des Terroristenchefs Abu Mussab al Sarkawi, an der gemeinsamen Grenze von den jordanischen Geheimdienstbeamten auf deren Territorium gelockt und dann festgenommen.
Der Iraker Al Karbuli habe im Verhör zugegeben, einen jordanischen Lastwagenfahrer getötet zu haben, hieß es in der Sendung. Außerdem habe er nach eigener Aussage zwei marokkanische Botschaftsangestellte und einen Beamten des irakischen Finanzministeriums entführt. Seine offizielle Position als Zollbeamter an der irakisch-jordanischen Grenze habe er dazu ausgenutzt, Waren zu schmuggeln, um das Terrornetzwerk zu finanzieren. Stets habe Al Karbuli direkt auf Anweisung von Al Sarkawi gehandelt.
Teile des Geständnisses im TV übertragen
Teile des Geständnisses wurden direkt im Fernsehen übertragen. Darin erklärte der als Al Karbuli bezeichnete Sprecher, es gebe bei al Qaida im Irak große Ressentiments gegenüber Jordanien, weil dieses Land mit den USA kollaboriere. Deshalb habe er den Auftrag erhalten, Jordanier zu verschleppen. Er beschrieb dann im Detail die Entführung des Lastwagenfahrers Chalid al Dessuki im vergangenen September. Diesen habe er schließlich eigenhändig getötet. Emotionen zeigte der Sprecher nicht.
Die Terrorgruppe al Qaida im Irak hat sich zu Dutzenden Anschlägen und Entführungen bekannt. Ihr Anführer Al Sarkawi stammt aus Jordanien und ist in seinem Heimatland in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. Al Sarkawi hat sich auch zu den Anschlägen auf drei Hotels in Amman bekannt, bei denen im vergangenen November drei Selbstmordattentäter 60 Menschen mit sich in den Tod rissen.
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